Soziales zahnärztliches Engagement in Brasilien

Abseits des Fußballfiebers

Die Fifa-WM ist bereits in der zweiten Halbzeit. Wenngleich das sportliche Großereignis die Menschen weltweit für einige Wochen zusammenrücken lässt, hat es gleichzeitig auch Schatten geworfen. Exorbitante Kosten und nicht eingehaltene Versprechen der Politik führten zu großem Unmut in Teilen der brasilianischen Bevölkerung. Deutsche Hilfswerke sind auch nach der WM weiter im Land aktiv.

Mobile zahnärztliche Hilfe: Einsatzleistende der Aktionsgemeinschaft Zahnarzthilfe Brasilien plus (AZB) während einer Behandlung auf dem geländegängigen Dentomobil – ein umgebauter LKW der Nationalen Volksarmee, der schließlich von Heidelberg aus nach Brasilien überführt wurde. AZB Plus e. V.

Proteste, wie in dieser Straßenszene, waren im Vorfeld der FIFA-WM an der Tagesordnung. Das Turnier ist mit über acht Milliarden Euro das teuerste in der Geschichte. Aus Sicht der WM-Gegner hätte die Regierung das Geld lieber für Gesundheit und Bildung ausgeben sollen. Fotos: picture alliance

Gleich mehrere deutsche zahnärztliche Hilfsorganisationen haben ihren Fußabdruck in Brasilien hinterlassen. Wenngleich die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ) derzeit nicht mit zahnmedizinischen Projekten in Brasilien präsent ist, so förderte sie bereits in der Vergangenheit die Ausbildung von Jugendlichen und engagierte sich in zwei Kinderzentren in Talitha Kum und im Indianerdorf der Kaingang in Irai im Herzen des Landes.

Soziale Jugendarbeit inmitten der Favela

Die Don Bosco Mission, ein fester HDZ- Projektpartner, weist darauf hin, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Brasilien weit auseinandergeht. So gibt es in den Armutsvierteln der Großstädte unendlich viele Straßenkinder. Um hier einzugreifen, sucht die Don Bosco Mission derzeit Schulpaten für Kinder und Jugendliche in Rio de Janeiros zweitgrößter Favela Jacarezinho. Hier leben geschätzt über 70 000 Menschen auf lediglich 1,5 Quadratkilometern. Die Favela existiert seit über 60 Jahren und ist neben Rocinha die zweitgrößte der Stadt. Bis zur Befriedungsaktion im Januar 2013 liefen hier bewaffnete Drogenbanden durch die Straßen. Inmitten der Favela Jacarezinho betreiben die Salesianer Don Bosco seit 1970 eine Pfarrei mit einer Schule sowie einem großen Sozialwerk. Seit den Anfängen haben hier mehr als 20 000 Kinder und Jugendliche eine schulische Ausbildung erhalten.

Zahnärztliche Hilfe in den Indianerreservaten

Eine weitere deutsche soziale zahnärztliche Initiative mit Tätigkeitsschwerpunkt in Brasilien ist die Aktionsgemeinschaft Zahnarzthilfe Brasilien plus (AZB). Sie wurde 1991 in Baden-Baden gegründet. Ziel der AZB plus ist es, der mittellosen Bevölkerung, vornehmlich in Brasilien, aber auch in anderen Ländern, eine zahnärztliche Behandlung zu gewähren und umfassend humanitäre Hilfe zu leisten. So konnten nach Angaben des Vereins von weit über 200 Kollegen-Teams bisher etwa 500 000 Patienten in den Slumgebieten und Indianerreservaten Brasiliens behandelt werden. Mitmachen können nur approbierte Zahnärzte. Einer von ihnen ist Dr. Ralph Beleke M.Sc. aus Tornesch, nordwestlich von Hamburg. Einmal jährlich reist er nach Brasilien, um dort zahnärztlich tätig zu sein.

Vom NVA-LKW zum umgebauten Dentomobil

Jedes Team, meist ein Zahnarzt mit Helferin, ist drei Wochen vor Ort. Dort gibt es ein geländegängiges Dentomobil, ehemals ein Lastwagen der Nationalen Volksarmee in der DDR. Dieser gelangte über Umwege in eine technische Berufsschule in Rodalben bei Kaiserslautern. In einigen Tausend Arbeitsstunden wurde das Auto von Technikern und Schülern aller Gewerke zu einem geländetauglichen und universell einsetzbaren „Klinikmobil“ ausgebaut, einer fahrbaren Ambulanz mit einer zahnärztlichen Behandlungseinheit. Beleke und die anderen Helfer fahren damit in abgelegene Dörfer. So ein Einsatz werde von größeren Behandlungsteams, mit bis zu zehn erfahrenen Teilnehmern durchgeführt. Die Kosten für einen Einsatz werden von jedem selbst getragen. Der nächste Zyklus beginnt Mitte September in der Chapada Diamantina. Die Teams sind bereits bis Ende November eingeteilt. Dann wird das Dentomobil zu einem neuen Einsatzort gefahren und es beginnt ein neuer Arbeitszyklus, der bis Januar 2015 dauert. Hierfür werden noch Teams gesucht.

Ebenfalls vor Ort ist das Zahnärztliche Hilfsprojekt Brasilien e.V., eine private Initiative deutscher Zahnmediziner. Sie will Straßen- und Armenkindern aus brasilianischen Favelas unbürokratisch eine zahnärztliche Grundversorgung garantieren. Aktuell geschieht dies in sieben „Zahnarztpraxen’’ rund um die Millionenstadt Recife im Nordosten Brasiliens. Als anerkannte Famulaturstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) versteht sich das Zahnärztliche Hilfsprojekt Brasilien e.V. auch als Initiative zur Förderung der außeruniversitären Ausbildung deutscher Zahnmedizinstudenten (www.zhb.blzk.de).


Info

Ihr Einsatz in Brasilien

Gesucht werden noch approbierte Zahnärzte in Zweierteams für den Zeitraum November 2014 bis Januar 2015. Eine eigene Hilfsperson kann mitreisen. Vor Ort ist eine einheimische Person in die Gegebenheiten des Dentomobils, in die Organisation von Patienten sowie als Assistenz et cetera eingewiesen. Die reine Arbeitszeit beträgt zwei Wochen. Die Anmeldegebühr liegt bei 125,00 Euro.

Weitere Bilder
Bilder schließen