Zahnärztetag Mecklenburg-Vorpommern

Der Zahnarzt wird mobiler

Mit dem Thema „Allgemeinerkrankungen beim Zahnarzt – interdisziplinäre Herausforderung für Medizin und Zahnmedizin“ hat die Kammer Mecklenburg-Vorpommern auf ihrem diesjährigen Zahnärztetag ins Schwarze getroffen. Mit rund 550 Zahnärzten und rund 300 Mitarbeiterinnen fand die Veranstaltung einen hohen Zuspruch.

Sozialministerin Birgit Hesse und Kammerpräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich rückten die Belange von Senioren und multimorbiden Patienten in den Fokus. Fotos: ZÄK M-V

Sozialministerin Birgit Hesse und Kammerpräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich rückten die Belange von Senioren und multimorbiden Patienten in den Fokus. Fotos: ZÄK M-V

Erkrankungen wie Demenz, Herzinfarkt, Diabetes mellitus oder bösartige Tumore sind bei einer älter werdenden Gesellschaft auf dem Vormarsch. Viele diese Erkrankungen manifestieren sich im Mundbereich, und diese Betroffenen sind auch Zahnarztpatienten.

Gerade im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern zeige sich der demografische Wandel mit seiner Auswirkung auf das Gesundheitswesen in aller Deutlichkeit, erklärte Kammerpräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich in seiner Einleitung zum Kongress. Die soziale und die medizinische Kompetenz seien angesichts einer ständig älter werdenden Bevölkerung in der Zahnmedizin immer mehr gefragt. Vor allem die Schnittstelle zwischen Zahnmedizin und Medizin werde im Praxisalltag immer bedeutender. Diesen Herausforderungen habe sich die zahnärztliche Standespolitik gestellt. Zur Betreuung von pflegebedürftigen Menschen und Menschen mit Behinderungen seien innerhalb von drei Jahren erste gesundheitspolitische Konzepte angeschoben worden, vor allem für die Betreuung im stationären Bereich.

Großen Handlungsbedarf gebe es jedoch im ambulanten Bereich. Oesterreich, der auch gleichzeitig Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer ist, begrüßte, dass der Gesetzgeber in ersten Schritten die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen für die aufsuchende Betreuung verbessert und Kooperationsmöglichkeiten zwischen Pflegeeinrichtungen und Zahnärzten geschaffen hat. „Der Zahnarzt wird mobiler,“ sagte er. Er verwies auf zahnmedizinische standespolitische Versorgungskonzepte, die Lösungsansätze für viele Aspekte dieses komplexen Bereichs aufgezeigt hätten: Als Unterstützungsmaßnahmen benannte er den Leitfaden Alterszahnheilkunde, den Pflegekalender und das AuB-Konzept.

Komplexe Behandlungen

Der wissenschaftliche Kongressleiter, Prof. Dr. Bernhard Frerich, Rostock, schlug vor, den Zahnarzt in komplexere medizinische Behandlungen mit einzubinden. Risikofaktoren spielten in der zahnärztlichen Behandlung immer mehr eine Rolle. Deswegen sei es sinnvoll, dass der Zahnarzt sich auch in der Bewertung von medizinischen Therapien auskenne. Bei der Suche nach Lösungen müsse auch die Ausbildung mit eingeschlossen werden.

Über die Herausforderungen der Alters- und Behindertenmedizin referierte Prof. Dr. Ina Nitschke, Zürich. Ihr Plädoyer: Der Zahnarzt solle bei alten, pflegebedürftigen, behinderten und multimorbiden Patienten das Umfeld einbeziehen, sein Team in die Behandlung und Betreuung integrieren und auch Wert auf den „gerostomatologischen Wohlfühlfaktor“ (zum Beispiel Beseitigung von Barrieren und Stolperfallen) der Praxis legen.

Best-Practice-Modelle

Ansporn für die Kollegenschaft sind immer wieder auch Best-Practice-Modelle. Dazu stellte Prof. Dr. Christoph Benz, Bayerischer Kammerpräsident und Vizepräsident der BZÄK, das Projekt „Teamwork – Zahnmedizin für Menschen mit Behinderungen“ vor. Dr. Dirk Bleiel, Spezialist für Seniorenzahnmedizin der DGAZ, präsentierte das Projekt „Hauszahnarzt – mobile Zahnmedizin für pflegebedürftige Menschen“.

Sozialministerin Birgit Hesse, SPD, hob die Verdienste der Zahnärzteschaft bei der Verbesserung der Mundgesundheit hervor. Für Aufklärung und Prävention sei es in keinem Alter zu spät, vor allem bei Senioren sei eine besondere Aufmerksamkeit erforderlich.


Info

Kooperation

Die KV und die ZÄK Mecklenburg-Vorpommern haben eine Kooperation geschlossen. Künftig wird ein von Haus- und Fachärzten entwickelter Vorsorgepass in den Wartezimmern der Zahnärzte ausliegen. Gynäkologen werden schwangeren Frauen den Zahnärztlichen Kinderpass zusammen mit dem Mutterpass aushändigen und über zahnmedizinische Vorsorge informieren.

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