Mediziner und Bewertungsportale

Blockade zwecklos

Moderne Kommunikationswege ermöglichen auch die Suche nach dem „richtigen“ Behandler im Internet. Ob man als Arzt diese Entwicklung begrüßt oder nicht – die Wahrnehmung Dritter wird zunehmend durch Arztbewertungsportale beeinflusst. Mediziner dürfen dabei nicht dünnhäutig sein und sollten sich darauf einstellen.

apinan - Fotolia

Arztbewertungen auf entsprechenden Portalen erregen immer mehr Aufmerksamkeit...... Fotos: Jasminko Ibrakovic – Fotolia.com
... verwundern bisweilen die Mediziner ...
...und können auch ganz schön aufregen. Foto: Jasminko Ibrakovic – Fotolia.com

Im medialen Zeitalter geht ohne PC oder Smartphone gar nichts mehr – und Arztbewertungsportale stehen gerade bei jüngeren Patienten hoch im Kurs, dies belegen immer wieder diverse Studien. Daher taucht auch immer wieder die Frage auf, ob man sich jede Form von Bewertung gefallen lassen muss oder ob es einen Rechtsschutz oder Möglichkeiten der Einflussnahme gibt.

Definition Online-Bewertungsportale

Als Onlinebewertungen bezeichnet man Texte, mit denen Internetnutzer Einschätzungen zu Produkten, Dienstleistungen und Organisationen in dafür vorgesehenen Foren oder Portalen abgeben. Dies ist heute gängige Praxis in verschiedenen Bereichen. Auch bei der Suche nach dem richtigen Zahnarzt lassen sich Patienten immer häufiger von solchen Internetdiensten leiten. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Portale, die speziell auf diese Berufsgruppe zugeschnitten sind.

Die Abgabe einer Bewertung auf den einschlägigen Portalen erfolgt grundsätzlich anhand eines Fragebogens, den der Bewertende beantworten muss. Die Fragebögen umfassen unterschiedliche Bereiche des Zahnarztbesuchs wie Praxisorganisation, Personal, Service, Kommunikation mit dem Arzt – insbesondere Umgang mit möglichen Ängsten und Aufklärung über anstehende Kosten –, die Behandlung sowie den Gesamteindruck. In der Regel werden die Bewertungen in Form von Schulnoten oder vergleichbaren Symbolen wie Sternen wiedergegeben. Teilweise hat der Bewertende auch die Möglichkeit, der Bewertung einen eigens verfassten Kommentar oder eine Empfehlung beizufügen.

Es ist in den meisten Portalen für die Abgabe der Bewertung ausreichend, nur eine E-Mail-Adresse anzugeben. Darüber hinausgehende Angaben wie Name, Anschrift, Patientennachweis oder Ähnliches sind regelmäßig nicht erforderlich.

Sodann können alle Internetnutzer die im Portal gespeicherten Informationen und Bewertungsergebnisse der Zahnärzte abrufen und einsehen. Für das Abrufen dieser Bewertungen und Informationen bedarf es regelmäßig keiner Registrierung im Portal.

Qualitätsanforderungen von BZÄK und KZBV

Gegen unseriöse Portale und unqualifizierte Bewertungen positionierten sich auch schon die Bundeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung: Anfang 2012 gaben diese unter anderem einen Katalog von Qualitätsanforderungen für die Online-Bewertung von Zahnärzten heraus.

Dieser Katalog wendet sich sowohl an die Nutzer solcher Portale, die anhand des Katalogs die Qualität des Angebots prüfen und einschätzen können, als auch an die Anbieter, die ihr Angebot mittels der Kriterien optimieren können. Anliegen dieses Katalogs ist es, die zum Teil doch erheblichen Qualitätsunterschiede der einzelnen Portale zu verringern und eine möglichst einheitliche Basis für die Bewertung von Zahnärzten zu schaffen.

Die Kriterien beziehen sich auf rechtliche (insbesondere datenschutzrechtliche), auf inhaltliche und auf technische Aspekte sowie auf Fragen der Transparenz und der Pflichten des Portal-Verantwortlichen. Punkte, die ein gutes Zahnarztbewertungsportal bieten sollte, sind laut Katalog beispielsweise:

• die Erfüllung von Anforderungen gemäß des Telemediengesetzes

• die Beinhaltung einer Datenschutzerklärung, die den Umgang mit Nutzerdaten und die Voraussetzungen für eine Löschung oder Weitergabe darlegt

• den Hinweis darauf, dass Bewertungen allenfalls Einschätzungen zu einzelnen Aspekten der Versorgung und Betreuung geben können

• die Sicherstellung, dass Freitextfelder zu bestimmten Zeiten geprüft werden, die zu bewertenden Ärzte vor Schmähkritik geschützt werden und ihnen die Möglichkeit der Gegendarstellung eingeräumt wird

Bei Umsetzung und Einhaltung dieser Standards durch die Anbieter könnten solche Portale den Patienten tatsächlich eine Hilfe sein bei der Suche nach dem Zahnarzt seiner Wahl. Rechtlich verbindlich sind diese Kriterien jedoch nicht, so dass die Skepsis gegenüber solchen Bewertungs-portalen – bisweilen berechtigt – nach wie vor groß ist.

Weitere Bilder
Bilder schließen