Praxis

Kostenfalle Überziehung

Der Schwarze Peter für den Kunden

Zurück zum Bankgespräch: Als D. nun fast schon ultimativ um die Abgabe eines konkreten Umfinanzierungskonzepts gebeten wurde, platzte ihm der Kragen: Er machte deutlich, dass es doch wohl im beiderseitigen Interesse liegen müsse, zu einer einvernehmlichen Einigung zu kommen. Außerdem, so argumentierte D., sei er unvorbereitet nicht in der Lage, ein konkretes Finanzierungskonzept darzustellen. Darüber hinaus habe die Bank die Schritt für Schritt durchgeführten Kontoüberweisungen stets problemlos ausgeführt. Ihm nun die Hauptverantwortung für das stetige Anwachsen der Kreditlinie anzulasten, halte er für völlig unangemessen.

Das Gespräch wurde, nachdem der Mitarbeiter des Kreditmanagements einige ergänzende Erläuterungen zur Einschätzung der wirtschaftlichen Verhältnisse von D. gab, abgebrochen. Grund: D. sollte Gelegenheit gegeben werden, seine finanzielle Situation einschließlich des erwarteten Konzepts mit seinem Steuerberater konkret zu entwickeln. Der Teamleiter machte bei der Verabschiedung von D. noch deutlich, dass die Bank „selbst- verständlich nach wie vor bereit sei, zu helfen“. Dies war sicher freundlich gemeint, doch wie diese Hilfe konkret aussehen könnte, sagte er bei dieser Gelegenheit nicht.

Kein Fortschritt in der Sache, dafür das Vertrauen dahin

Auch heute, rund drei Monate nach dem Bankgespräch, gibt es in der Sache keinen Fortschritt: Während D. sich mit seinem Finanzierungskonzept nach wie vor Zeit lässt, liegt bankseitig ebenfalls kein Angebot vor. Allerdings lässt sein Kundenberater keine weiteren Kontoüberziehungen mehr zu. Lastschriftrückgaben konnte D. nur dadurch vermeiden, indem er taggleich für eine entsprechende Kontodeckung sorgte beziehungsweise Überweisungen vom Konto seiner Zweitbank vornahm. Darüber hinaus lässt D. keinen Zweifel daran, dass er das Vertrauensverhältnis zu seiner langjährigen Hausbank durchaus als beschädigt ansieht. Dies hat er dem Teamleiter mittlerweile auch in einem Schreiben mitgeteilt, in dem er diesem vor allem vorwarf, ihn während des geschilderten Gesprächs „bloßgestellt“ zu haben. Eine Reaktion auf dieses Schreiben steht noch aus.

Trotz und gerade wegen des Ärgers aktiv werden

D. ist vor dem unerfreulichen Hintergrund dieser Entwicklung trotz allen Ärgers dennoch zu raten, sich kurzfristig mit den Problemen konstruktiv auseinanderzusetzen und sich zu verdeutlichen, dass ihn die Kontoüberziehungen nur an Überziehungszinsen bisher immerhin fast 3.000 Euro gekostet haben. Die im Vergleich zu einem Darlehen weitaus höheren Kreditzinsen des Kontokorrentkredits sind darin noch nicht einmal berücksichtigt. Die seiner Bank zu beantwortenden Fragen zu seiner wirtschaftlichen Situation und der damit verbundenen Kapitaldienstfähigkeit sollten ebenfalls schnell geklärt werden. Die Hilfsbereitschaft der Bank könnte ihrerseits darin bestehen, D. bei der erforderlichen Umschuldung einen attraktiven Zinssatz anzubieten.

Michael Vetter
Fachjournalist für Finanzen
vetter-finanz@t-online.de