Praxis

Kostenfalle Überziehung

Praxisinhaber, die von ihrer Bank eine Weile nichts hören, sollten nicht immer davon ausgehen, dass alles zum Besten steht. Ein Fallbeispiel.

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Ein ominöses Orientierungsgespräch

Es begann eigentlich recht harmlos: Johannes D. wurde von dem für ihn zuständigen Kundenberater seiner Hausbank telefonisch zu einem „Orientierungsgespräch“ bezüglich seiner Kreditverbindlichkeiten ins Bankgebäude gebeten. Weitere Einzelheiten dieses bevorstehenden Gesprächs waren dem Bankmitarbeiter trotz hartnäckiger Nachfrage von D. nicht zu entlocken.

D. ging demnach davon aus, dass es sich um ein Routinegespräch handelt, wie es in der Vergangenheit in unregelmäßigen Abständen bereits mehrfach stattgefunden hatte. Umso überraschter war D., als er sich beim Bank- gespräch drei Personen gegenübersah: Neben seinem Kundenberater waren dessen Teamleiter und ein Mitarbeiter des sogenannten Kreditmanagements der Bank anwesend. Begründung seines Kundenberaters für diese ungewöhnliche Runde: Das Gesamtkreditengagement übersteige mittlerweile seine Kompetenzen, so dass er seinen Vorgesetzten und den Kollegen dazu gebeten habe, der sich vor allem „mit den wirtschaftlichen Hintergründen von Kreditnehmern“ befasse.

D. machte zwar deutlich, dass er es gern gesehen hätte, vorher über die Zusammensetzung der Runde und vor allem über den Gesprächsinhalt, bei dem es ja offenbar um seine finanzielle Lage gehen sollte, informiert worden zu sein. Da er an der Situation aber nichts mehr ändern konnte, stellte er sich den Fragen der Bankmitarbeiter.

Ohne den Steuerberater aufgeschmissen

Im Verlauf des Gesprächs wurde D. jedoch schnell deutlich, dass er ohne seinen Steuerberater, der ihn auch in wirtschaftlichen Fragen berät, kaum Substanzielles zu den sehr detaillierten Fragen beitragen kann. Dies galt vor allem bei den Bemerkungen des Teamleiters, der in D. offenbar den Hauptverantwortlichen für die in der Tat besorgniserregende Entwicklung des Kontokorrentkredits auf dessen Geschäftskonto sah. Der wesentliche Grund: D. finanzierte im Verlauf des vergangenen Jahres Renovierungsmaßnahmen seines Mehrfamilienhauses mithilfe dieses Kontokorrentkredits, so dass sich der Saldo von der nach wie vor geltenden Kreditlinie von 20.000 Euro auf nunmehr fast 70.000 Euro erhöht hatte.

Sowohl D. als auch sein Kundenberater versicherten zwar während dieses Zeitraums von einem Jahr mehrmals gegenseitig, dass sie „kurzfristig“ eine Umschuldung in ein Darlehen vornehmen wollten. Geschehen ist dies bis heute aber eben noch nicht. D. führte diese Zurückhaltung seiner Bank vor allem auf die für das Kreditinstitut offenbar gern zusätzlich kassierten Überziehungszinsen zurück. Da er seinerseits durch die komplikationslose Abwicklung seiner Renovierungsarbeiten durch die Kontoüberziehungen auch nicht auf eine schnelle Umschuldung drängte, gab es diesbezüglich eben keine Änderung.

Der Schwarze Peter für den Kunden

Zurück zum Bankgespräch: Als D. nun fast schon ultimativ um die Abgabe eines konkreten Umfinanzierungskonzepts gebeten wurde, platzte ihm der Kragen: Er machte deutlich, dass es doch wohl im beiderseitigen Interesse liegen müsse, zu einer einvernehmlichen Einigung zu kommen. Außerdem, so argumentierte D., sei er unvorbereitet nicht in der Lage, ein konkretes Finanzierungskonzept darzustellen. Darüber hinaus habe die Bank die Schritt für Schritt durchgeführten Kontoüberweisungen stets problemlos ausgeführt. Ihm nun die Hauptverantwortung für das stetige Anwachsen der Kreditlinie anzulasten, halte er für völlig unangemessen.

Das Gespräch wurde, nachdem der Mitarbeiter des Kreditmanagements einige ergänzende Erläuterungen zur Einschätzung der wirtschaftlichen Verhältnisse von D. gab, abgebrochen. Grund: D. sollte Gelegenheit gegeben werden, seine finanzielle Situation einschließlich des erwarteten Konzepts mit seinem Steuerberater konkret zu entwickeln. Der Teamleiter machte bei der Verabschiedung von D. noch deutlich, dass die Bank „selbst- verständlich nach wie vor bereit sei, zu helfen“. Dies war sicher freundlich gemeint, doch wie diese Hilfe konkret aussehen könnte, sagte er bei dieser Gelegenheit nicht.

Kein Fortschritt in der Sache, dafür das Vertrauen dahin

Auch heute, rund drei Monate nach dem Bankgespräch, gibt es in der Sache keinen Fortschritt: Während D. sich mit seinem Finanzierungskonzept nach wie vor Zeit lässt, liegt bankseitig ebenfalls kein Angebot vor. Allerdings lässt sein Kundenberater keine weiteren Kontoüberziehungen mehr zu. Lastschriftrückgaben konnte D. nur dadurch vermeiden, indem er taggleich für eine entsprechende Kontodeckung sorgte beziehungsweise Überweisungen vom Konto seiner Zweitbank vornahm. Darüber hinaus lässt D. keinen Zweifel daran, dass er das Vertrauensverhältnis zu seiner langjährigen Hausbank durchaus als beschädigt ansieht. Dies hat er dem Teamleiter mittlerweile auch in einem Schreiben mitgeteilt, in dem er diesem vor allem vorwarf, ihn während des geschilderten Gesprächs „bloßgestellt“ zu haben. Eine Reaktion auf dieses Schreiben steht noch aus.

Trotz und gerade wegen des Ärgers aktiv werden

D. ist vor dem unerfreulichen Hintergrund dieser Entwicklung trotz allen Ärgers dennoch zu raten, sich kurzfristig mit den Problemen konstruktiv auseinanderzusetzen und sich zu verdeutlichen, dass ihn die Kontoüberziehungen nur an Überziehungszinsen bisher immerhin fast 3.000 Euro gekostet haben. Die im Vergleich zu einem Darlehen weitaus höheren Kreditzinsen des Kontokorrentkredits sind darin noch nicht einmal berücksichtigt. Die seiner Bank zu beantwortenden Fragen zu seiner wirtschaftlichen Situation und der damit verbundenen Kapitaldienstfähigkeit sollten ebenfalls schnell geklärt werden. Die Hilfsbereitschaft der Bank könnte ihrerseits darin bestehen, D. bei der erforderlichen Umschuldung einen attraktiven Zinssatz anzubieten.

Michael Vetter
Fachjournalist für Finanzen
vetter-finanz@t-online.de