Welt-AIDS-Tag

Kantine ja – Küssen nein

In Deutschland leben rund 80.000 Menschen mit HIV. Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember gab Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Berlin den Startschuss für eine groß angelegte Aufklärungskampagne. Das Ziel: mehr Toleranz und Solidarität im Umgang mit HIV-Positiven.

BZgA

Am 1. Dezember 2014 fand zum 27. Mal der Welt-AIDS-Tag statt. Mit dabei: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Vierter v. links) und der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Prof. Dietmar Oesterreich (ganz rechts). Ziel des weltweiten Aktionstages ist es, über die Erkrankung zu informieren und für mehr Solidarität mit den Betroffenen sowie deren Angehörigen zu werben. Foto: nh-zm
Das Ergebnis der BZgA-Studie: Nur 13 Prozent der Befragten würden sicher einen HIV-Positiven küssen, 17 Prozent sagten „Nein, sicher nicht“. Grafik: BZgA - zm
Dahingegen würde nur ein Prozent der Befragten nicht mit einem HIV-positiven Kollegen gemeinsam in die Kantine zum Essen gehen. Die überwältigende Mehrheit würde es sicher oder vielleicht tun. Grafik: BZgA - zm

Viele Menschen in Deutschland wüssten zwar gut über HIV Bescheid, erklärte Gröhe, das eigentliche Problem sei aber, dass es im Umgang mit HIV-positiven Menschen noch immer Unsicherheiten und Ängste gebe. „Die neue Kampagne ist ein Appell, HIV-positive Menschen nicht auszugrenzen“, betonte der Gesundheitsminister. Man wolle bestehende Ängste aufgreifen und durch verbesserte Informationen einen offeneren Umgang mit den Infizierten fördern.

Denn: Akzeptanz und Solidarität sind nicht selbstverständlich. Eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt die Unsicherheit vieler Menschen in Deutschland im Umgang mit HIV-Infizierten. Über 1 000 Frauen und Männer wurden zu ihren Ängsten befragt. Die Ergebnisse: Je intensiver persönliche Körperkontakte zu HIV-positiven Menschen werden könnten, desto größer sind die Unsicherheiten.

Auf die Frage „Würdest Du mit einem HIV-positiven Kollegen gemeinsam in die Kantine gehen?“ antworteten 85 Prozent, dass sie dies machen würden. Auf die Frage „Würdest Du jemanden mit HIV küssen?“ antwortete fast jeder Zweite ablehnend – obwohl auch hier kein Ansteckungsrisiko besteht.

Mit der jetzt gestarteten Kampagne „Positiv zusammen leben“ sollen genau diese Unsicherheiten abgebaut werden. Gemeinsam mit der Deutschen AIDS-Hilfe, der Deutschen AIDS-Stiftung und der BZgA plädiert das Gesundheitsministerium für einen angst- und vorurteilsfreien Umgang mit HIV-Positiven.

Mehr Aufklärung für mehr Toleranz

Auch die Bundesärztekammer (BÄK) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) rufen dazu auf. „Etliche Ängste vor einer HIV-Übertragung im Alltag sind unbegründet“, betonte BZÄK-Vizepräsident Prof. Dietmar Oesterreich. Das gelte auch für die Praxis: „In den Zahnarzt- und Arztpraxen in Deutschland gelten sehr hohe Hygiene-standards für jeden Patienten. HIV-Patienten nehmen hier keine Sonderrolle ein“, hob er hervor. Eine zahnärztliche Behandlung HIV-positiver Patienten erfordere deshalb keine zusätzlichen Maßnahmen für Hygiene und Arbeitsschutz (siehe Kasten). Eigene Behandlungsräume für HIV-Infizierte oder Behandlungen erst am Ende des Sprech- tages seien völlig unnötig und würden die Stigmatisierung und Ausgrenzung dieser Patientengruppe nur befördern, so der BZÄK-Vize.

„Aufgabe von Ärzten ist es, ihre Patienten nach einer Diagnose aufzufangen und sie medizinisch zu betreuen. Ärzte wirken aber auch präventiv und klären über Ansteckungsrisiken auf. So gehen sie gegen Verharmlosung und gesellschaftliche Vorurteile an“, erklärte Dr. Martina Wenker, Vizepräsidentin der BÄK. Wenker und Oesterreich wiesen darauf hin, dass Ärzten und Zahnärzten ein breites Spektrum von Fortbildungsveranstaltungen zur Verfügung stehe, die von den Kammern angeboten werden. Zahnmedizinstudierende erhielten umfassende Kenntnisse auf dem Gebiet der Infektologie und auch die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten beinhalte ein umfangreiches Lernfeld zur Hygiene, erläuterte Oesterreich. Dieses Wissen gelte es auf dem aktuellen Stand zu halten. „Aidspatienten haben einen Anspruch auf eine gute ärztliche Versorgung mit Engagement und dem Respekt für die menschliche Würde“, bekräftigte Wenker.


Grafik:BZgA - zm

Info

Umgang mit HIV-Patienten in der Zahnarztpraxis

Für die Behandlung von HIV-Patienten müssen in der Zahnarztpraxis keine zusätzlichen Maßnahmen zur Hygiene und zum Arbeitsschutz getroffen werden. Es gilt die Regel, dass alle Patienten so behandelt werden müssen, als ob sie infektiös wären. Die BZÄK hat zu dieser Thematik gemeinsam mit der Deutschen AIDS-Hilfe eine Information für Zahnärzte erarbeitet (siehe QR-Code). Demnach gilt:

• Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung bestehend aus Einmalhandschuhen, Mund-Nasen-Schutz, Schutzbrille und Schutzkittel

• Sachgerechte Reinigung, Desinfektion und Sterilisation aller bei der Behandlung benutzen Instrumente gemäß ihrer Einstufung in Risikoklassen

• Desinfektion der patientennahen Flächen nach der Behandlung

• Entsorgung kontaminierter Abfälle wie Tupfer oder Watterollen

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