Fortbildungsteil 2/2014

Die odontogene Kieferhöhlenentzündung

Bei der Sinusitis maxillaris unterscheidet man zwischen einer odontogenen und einer rhinogenen Genese. Der vorliegende Text gibt konkrete Handlungsempfehlungen zur Diagnostik sowie zur medikamentösen und chirurgischen Therapie.

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Abbildung 1: Koronares CT mit Darstellung der engen Lagebeziehung zwischen den Apices der Molaren und der Kieferhöhle und Darstellung des Infundibulums zum mittleren Nasengang. Krimmel et al.

Abbildung 2: Darstellung der lateralen Nasenwand am anatomischen Präparat: Die untere und die mittlere Nasenmuschel sind gefenstert zur Exposition des Tränennasengangs (Guttaperchaspitze) und des Hiatus semilunaris (Pfeil). Krimmel et al.
Abbildung 3: Mundfilm mit Darstellung eines in die linke Kieferhöhle dislozierten Wurzelrests 15 Krimmel et al.
Abbildung 4: Sagittales CT mit Darstellung einer radikulären Zyste ausgehend von Zahn 16 mit Knochenlamelle und begleitender Schleimhautschwellung der Kieferhöhle Krimmel et al.
Abbildung 5a: Zahnfilm mit Darstellung des Wurzelkanal-behandelten Zahnes 15 und des Wurzelrests 16 Krimmel et al.
Abbildung 5b: CT in koronarer Schichtführung mit Darstellung einer vollständigen Verschattung der rechten Kieferhöhle mit zentraler, metalldichter Verschattung entsprechend einer Aspergillose Krimmel et al.
Abbildung 6: Koronares CT mit Darstellung einer isolierten Schleimhautschwellung im Bereich der linken Kieferhöhle, höchst verdächtig auf eine odontogene Ursache Krimmel et al.
Abbildung 7: Die linke Kieferhöhle ausfüllendes Aspergillom nach Bildung eines fazialen Kieferhöhlendeckels nach Feldmann Krimmel et al.
Abbildung 8: Bildung eines kranial gestielten fazialen Kieferhöhlendeckels nach Abello Krimmel et al.
Abbildung 9a bis 9c: Endoskopische Darstellung eines durch Schleimhautschwellung ... Krimmel et al.
... weitgehend obliterierten Kieferhöhlen- ostiums, vier Wochen nach Fensterung und ... Krimmel et al.
... sechs Monate postoperativ nach Ausheilung mit deutlich abgeblasster Schleimhaut. Krimmel et al.
Prof. Dr. Dr. Michael Krimmel Foto: privat

Die Kieferhöhle ist neben den Siebbeinzellen, der Stirnhöhle und der Keilbeinhöhle eine der Nasennebenhöhlen [Anon, 1996]. Der Boden der Kieferhöhle grenzt an den lateralen Oberkieferalveolarfortsatz. Die Apices der Prämolaren haben im Durchschnitt einen Abstand von 4 bis 6 mm und die Apices der Molaren von 2 bis 3 mm zum Kieferhöhlenboden. Teilweise ragen die Wurzeln sogar in die Kieferhöhle hinein, beispielsweise ist dies bei der mesiobukkalen Wurzel des zweiten Molaren bei 53 Prozent der Menschen der Fall [von Bonsdorff, 1925]. Diese enge Lagebeziehung zwischen den Zähnen und dem Lumen der Kieferhöhle erklärt die häufige Fortleitung von odontogenen Infektionen in die Kieferhöhle (Abbildung 1).

Die Kieferhöhle ist wie das gesamte sinubronchiale System mit respiratorischem Epithel ausgekleidet. Dieses Epithel trägt Zilien, die das Sekret und darin gefangene Fremdkörper und Bakterien über das Ostium aus der Kieferhöhle heraustransportieren. Das Ostium ist im kranialen Bereich der lateralen Kieferhöhlenwand lokalisiert und mündet über den sogenannten ostiomeatalen Komplex im mittleren Nasengang (Abbildung 2). Der Sekrettransport ist deshalb ein aktiver, gegen die Schwerkraft gerichteter Prozess. Er erfolgt in geordneten, spiral- oder sternförmigen Pfaden. Die Transportgeschwindigkeit beträgt circa 6 mm/min [Messerklinger, 1966].

Das Kieferhöhlensekret wird durch in der Schleimhaut befindliche Drüsen und Becherzellen gebildet. Das Sekret auf der Mukosa gliedert sich in eine Solschicht, in die die Zilien hineinragen, und in eine Gelschicht. Der gesamte Mechanismus wird in dem Begriff mukoziliäre Clearance zusammengefasst.

Dem ostiomeatalen Komplex kommt als Engstelle beim Sekrettransport eine besondere Bedeutung zu. Durch anatomische Varianten, wie das Vorliegen von Haller´schen Zellen (infraorbital abgehängte Ethmoidalzellen), maxilläre Septen oder eine Concha bullosa (pneumatisierte mittlere Muschel), kann es zu einer Einengung und zu einem langstreckigen Verlauf dieses sogenannten Infundibulums bis zum Ostium kommen. Sie begünstigen damit die Entstehung einer Sinusitis.

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