Ausbildung Zahnmedizinische Fachangestellte 2014

Ausbildungsleistung der Zahnärzte stabil

Jedes Jahr entscheidet sich etwa die Hälfte aller Schulabgänger in Deutschland für eine Berufsbildung im dualen System, in dem die betriebliche Ausbildung durch den Unterricht in der Berufsschule ergänzt wird. Die Freien Berufe und mit ihnen die Zahnärzte, sind ein wichtiger Teil dieses Sektors und stellen nach Industrie und Handwerk den drittgrößten Ausbildungsbereich in unserem Land.

Die Zahnmedizinische Fachangestellte rangiert auf Platz sechs der beliebtesten Ausbildungsberufe bei den Freien Berufen. Foto: D. Pietsch

Abbildung 1: Nachdem die Zahl der neu abgeschlossene Ausbildungsverträge von 2001 bis 2006 um mehr als 20 Prozent zurückging, ist die Entwicklung stabil. Grafik: zm / Quelle. Landes- und Bezirks-Zahnärztekammern
Prof. Dr. Dietmar Oesterreich: „Die demografische Entwicklung erreicht die Zahnarztpraxen in Form von sinkenden Bewerberzahlen.“ Foto: BZÄK-Pietschmann
Dr. Michael Sereny: „Der Trend stetig sinkender Auszubildendenzahlen lässt sich bestenfalls abschwächen.“ Foto: ZÄK Niedersachsen

Derzeit beschäftigen die Freien Berufe in Deutschland rund 122 500 Auszubildende in acht Assistenzberufen. Allein die Zahnarztpraxen steuern mehr als 30 000 ZFA-Azubis bei. Zum Stichtag 30. September meldeten die Landeszahnärztekammern 12 001 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge für Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA). Das bedeutet einen leichten Rückgang von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch wird damit das Niveau der Zahl von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für ZFA seit acht Jahren gehalten.

Assistenzberufe bei Freien Berufen beliebt

In welchen Ausbildungsberufen Jugendliche wie häufig ausgebildet werden, zeigen die Ergebnisse einer Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus dem Jahr 2013. Insgesamt wurden rund ein Drittel aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in lediglich zehn Ausbildungsberufen abgeschlossen, davon 38 Prozent im Bereich kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb und Tourismus, 28,8 Prozent im Bereich Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung, 18,5 Prozent entfallen auf den Bereich Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung und 14,6 Prozent werden dem Bereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung zugeordnet.

Bundesweit stehen nach wie vor die Berufe Kaufmann/-frau im Einzelhandel mit rund 27 000 und Verkäufer/-in mit knapp 26 000 Verträgen auf den ersten beiden Plätzen in der Rangliste der Ausbildungsberufe nach Neuabschlüssen. Auf Platz drei findet sich die Ausbildung als Kraftfahrzeugmechatroniker/-in mit knapp 19 300 Verträgen. Mit Blick auf die Ausbildungsberufe bei den Freien Berufen ergeben sich nachfolgende Positionen unter den aufgeführten Berufen: die/der Medizinische Fachangestellte rangiert auf Platz sieben, die/der Zahnmedizinische Fachangestellte auf zehn (Platz 6 bei den Frauen), die/der Steuerfachangestellte auf 23, die/der Rechtsanwaltsfachangestellte auf 32, die/der Tiermedizinische Fachangestellte auf 55 und die/der Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte auf 75. Damit zählen sechs von acht Assistenzberufen bei den Freien Berufen zum beliebtesten Viertel der 331 gelisteten Ausbildungsberufe.

ZFA unter Top Ten der beliebtesten Frauenberufe

Rund 41 Prozent der Zahnarztpraxen bilden derzeit aus. Die Anzahl der Auszubildenden an allen abhängig Beschäftigten in Deutschland, die sogenannte Ausbildungsquote, liegt in Zahnarztpraxen bei rund 10 Prozent. Bezogen auf alle Ausbildungsbereiche wurden in Zahnarztpraxen knapp über 2 Prozent neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. „Die ZFA-Ausbildung zählt unter jungen Frauen immer noch zu den Top Ten der beliebtesten Ausbildungsberufe. Darauf können wir stolz sein, denn der Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf bedeutet für junge Menschen, eine qualifizierte berufliche Tätigkeit ausüben zu können und sich eine solide Grundlage für ihre weitere berufliche Entwicklung zu schaffen“, erklärt Dr. Michael Sereny, Präsident der ZÄK Niedersachsen und für zahnärztliche Mitarbeiterinnen zuständiges Vorstandsmitglied der BZÄK sowie Mitglied des Beirats zur Begleitung des Bundesverbands der Freien Berufe am Nationalen Ausbildungspakt. Schließlich seien Lehrlinge, die den Beruf der ZFA erlernt haben, anschließend auch weniger stark von Arbeitslosigkeit betroffen als in anderen Branchen.

Gesamtzahl der Verträge bleibt stabil

Das seit dem Jahr 2005 stabile Niveau der Zahl von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für ZFA konnte auch im Jahr 2014 erfreulicherweise gehalten werden (Abbildung 1). Dazu erklärt Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK: „Die demografische Entwicklung der Bevölkerung schlägt sich auch auf die Zahl der Auszubildenden nieder. Die Geburtenzahlen sind seit vielen Jahren rückläufig, was sich in einer kontinuierlichen Abnahme von Schulabgängern niederschlägt. Dieser Trend erreicht die Zahnarztpraxen. Dennoch ist das Interesse der Zahnärztinnen und Zahnärzte, sich durch Ausbildung Fachkräfte insbesondere für die eigene Praxis zu sichern, nach wie vor hoch. Dank dieses Einsatzes liegt die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge nur leicht unter denen des Vorjahrs.“

Bundesweit wurden zum 30. September 2014 insgesamt 12 001 Ausbildungsverträge für ZFA neu abgeschlossen (ABL: 10 668, NBL: 1 333). Gegenüber dem Vorjahr haben die Ausbildungszahlen damit im Durchschnitt um 2,9 Prozent abgenommen (ABL: – 2,58 Prozent; NBL: – 5,39 Prozent). Ausgehend von einer geringen Grundgesamtheit ist in den neuen Bundesländern, nach einem Plus von 6,26 Prozent im Vorjahr, eine Abnahme der Ausbildungszahlen zu erkennen, die auch das Gesamtergebnis beeinflusst. Die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge variieren in den einzelnen Kammerbereichen um den Durchschnittswert. Stabile Werte bei den neuen Ausbildungsverhältnissen finden sich unter anderem in Hessen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen. Deutliche Zugewinne gibt es unter anderem in Hamburg, Baden-Württemberg, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Saarland und Schleswig-Holstein. Bayern, Sachsen, Berlin, Niedersachsen und NRW haben hingegen Verluste zu verzeichneten (Tabelle).

Bewerbung des Berufsbilds

Die Teilnehmer der „Koordinierungskon- ferenz der Bundeszahnärztekammer für Zahnmedizinische Fachangestellte“ erörtern regelmäßig, zuletzt im Oktober 2014, die Ausbildungssituation in den Praxen vor Ort. Die (Landes-)Zahnärztekammern haben unterschiedliche Konzepte und Strategien entwickelt, um Zahnärzte von der Bedeutung der Ausbildung beziehungsweise Schulabgängerinnen von der Attraktivität des Berufs der ZFA zu begeistern. Die Aktivitäten zur Vermittlung der Vielschichtigkeit des Berufsbilds reichen von der Bereitstellung von Informationsmaterialien für Arbeits- ämter und Berufsbildungszentren über Vorträge an Schulen bis hin zu Aktionen auf Jugend- und Jobmessen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit der Länderkammern betreibt eine kontinuierliche Sympathiewerbung für das Berufsbild der ZFA. Dabei spielen die vielfältigen Möglichkeiten der Fortbildung eine zentrale Rolle. Die Fortbildungsinstitute der (Landes-)Zahnärztekammern bieten hervorragende ZMV-, ZMP-, ZMF- und DH-Kurse an. Kommunikation, Organisationstalent, medizinisches Know-how, Abrechnung, Prophylaxe und praktische Kompetenzen sind immens wichtig für eine funktionierende Zahnarztpraxis.

ZFA können über die Aufstiegsfortbildungen zur Zahnmedizinischen Prophylaxe-, Fach- oder Verwaltungsassistentin beziehungsweise Dentalhygienikerin ihr Gehalt und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Schließlich existieren zur Unterstützung von Initiativen zur Ausbildungsplatzgewinnung und von Fortbildungen Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene, die sowohl von Kammern, aber auch von Praxen genutzt werden können. Gerade niedergelassene Kolleginnen und Kollegen sollten sich der Gewinnung von Auszubildenden und geeignetem Personal widmen und dabei die Inanspruchnahme von Förderprogrammen prüfen. Auskünfte dazu erteilen die Landeszahnärztekammern.

Ist der Ausbildungspakt noch zeitgemäß?

Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) ist seit 2007 Partner des Nationalen Paktes für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland, kurz Ausbildungspakt. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung wurde im Jahr 2013 eine Neukonzeption der bislang erfolgreichen Zusammenarbeit von Politik, Gewerkschaften und Wirtschaft vereinbart: Ziel sei die Erarbeitung einer Ausbildungsallianz unter Berücksichtigung der demografiebedingt veränderten Rahmenbedingungen in Deutschland. Im Oktober haben das zuständige Bundesministerin für Bildung und Forschung (BMBF) und die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft (BDA, BDI, BFB, DIHK und ZDH) die Weiterentwicklung des sogenannten Ausbildungspakts zur „Allianz für Berufliche Bildung“ erörtert. Die Wirtschaftsverbände lehnen die im Koalitionsvertrag festgeschriebene und von den Gewerkschaften geforderte Ausbildungsgarantie ab.

Dr. Sereny begründet diese Haltung: „Der Trend stetig sinkender Auszubildendenzahlen ist durch die demografische Entwicklung in unserer Gesellschaft vorgezeichnet und lässt sich bestenfalls abschwächen, aber nicht verhindern. Daher sind die bisherigen Pakt-Messgrößen aus den Zeiten des Bewerberüberhangs nicht mehr sinnvoll. Statt Forderungen einseitig an die potenziellen Ausbildungsbetriebe zu stellen, sollte das gemeinsame Engagement aller Paktpartner im Fokus stehen, beispielsweise um konkret die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu reduzieren.“ Man war sich aber einig, alle Möglichkeiten zu nutzen, mit denen künftig mehr Jugendliche verstärkt für die duale Ausbildung gewonnen werden können. In diesem Zusammenhang wurde die von der Bundesagentur für Arbeit ins Leben gerufene Initiative „Betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt“ genannt, mit der möglichst vielen Jugendlichen die Chance für eine betriebliche Ausbildung eröffnet werden soll.

Ziel: Durchlässigkeit der Systeme erhöhen

Thematisiert wurde darüber hinaus die BMBF-Initiative „Bildungsketten“, die Jugendliche dabei unterstützen soll, ihren Schulabschluss zu schaffen, einen Ausbildungsplatz zu finden und einen Berufs- abschluss zu erreichen. Auch der Übergang der geschätzt jährlich bis zu 70 000 Studienabbrecher in die berufliche Bildung wurde beleuchtet. Die Anrechnung bereits erbrachter Studienleistungen sowie die Möglichkeit der Verkürzung der Ausbildungszeit standen hierbei im Fokus. Schließlich herrschte Konsens, dass die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung weiter zu verbessern sei und damit verbundene Möglichkeiten noch bekannter gemacht werden müssten.

Dr. Sebastian Ziller MPH
Leiter der Abt. Prävention und Gesundheitsförderung der BZÄK
Chausseestr. 13
10115 Berlin


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