Brandenburgischer Zahnärztetag

Drei Zähne, zig Optionen

Ein stark reduziertes Restgebiss stellt hohe Anforderungen an den behandelnden Zahnarzt. Die Therapieauswahl ist schwierig und die eine richtige Lösung gibt es nicht. Beim diesjährigen Brandenburgischen Zahnärztetag haben die Referenten gezeigt, dass ein Fall auf unterschiedliche Arten therapiert werden kann.

1 750 Teilnehmer waren zum 24. Brandenburgischen Zahnärztetag nach Cottbus gekommen. Foto: LZKB/Jana Zadow-Dorr

„Wir stehen vor einer besonderen Herausforderung“, betonte Dipl.-Stom. Jürgen Herbert, Präsident der Landeszahnärztekammer Brandenburg (LZÄKB) und spielte damit auf den demografischen Wandel und den Anstieg älterer Menschen in der Bevölkerung an. Der Zahnarzt sehe sich immer stärker auch mit pflegebedürftigen Patienten konfrontiert, die nur noch ein stark reduziertes Restgebiss mit drei oder weniger Zähnen aufweisen. Mit dem Programm des diesjährigen Zahnärzetages wollten die Veranstalter, die LZÄKB, die Kassenzahnärztliche Vereinigung Land Brandenburg (KZVLB) und der Quintessenz Verlag Berlin, dieser Entwicklung Rechnung tragen.

1 750 Teilnehmer waren nach Cottbus gekommen. Das Programm habe sowohl für Zahnärzte als auch für Praxismitarbeiter konkreten praktischen Mehrwert, betonte Dr. Erwin Deichsel, Vizepräsident der LZÄKB: „Nutznießer werden unsere Patienten sein, die bei ähnlichen Situationen auf ein breitgefächertes Wissen über mögliche Optionen für die prothetische Versorgung des stark reduzierten Restgebisses bauen können.“

„Der demografische Wandel schlägt sich aber nicht nur in Versorgungskonzepten wieder, sondern auch in unserem Berufsstand“, erläuterte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Prof. Dietmar Oesterreich. Auch hier gelte es, sich der Herausforderung zu stellen und sich gezielt an junge Nachwuchszahnärzte und deren Wünsche und Forderungen zu richten.

Während der Eröffnungszeremonie erhielt Dr. Holger Ziebell aus Eberswalde die „Silberne Ehrennadel der deutschen Zahnärzteschaft“ für sein jahrzehntelanges Engagement in der Ausbildung der Zahnmedizinischen Fachangestellten. Im Anschluss an die Grußworte eröffnete Prof. Michael Walter den wissenschaftlichen Teil des Kongresses. Der Anteil der Totalprothetik gehe immer mehr zurück, erläuterte Walter: „Implantate sind nicht immer die bessere Alternative.“ Er plädierte für den Zahnerhalt. Auch durch wenige Restzähne könne der Strukturverlust des Knochens aufgehalten werden. Zudem könnten diese bei guter Prognose und günstiger Topografie als langfristige prothetische Pfeiler genutzt werden. Und eine ungünstige Topografie könne durch strategische Implantate verbessert werden.

Insgesamt zehn wissenschaftliche Vorträge, von Planungsstrategien und Modellguss über Teleskopprothesen bis hin zu Funktionalität und Ästhetik, führten die Teilnehmer durch die zwei Tage. Das Wohl der Patienten stand dabei im Mittelpunkt. „Sie behandeln den ganzen Patienten, nicht nur drei Zähne“, betonte Prof. Ina Nitschke, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) in ihrem Vortrag. Gerade bei pflegebedürftigen Patienten sei es wichtig, immer den relativen Behandlungsbedarf zu erfassen. Wenn der Patient alleine lebt und niemand bei der Reinigung der Prothese helfen kann, müsse der Zahnarzt eine eingeschränkte Nachsorgekompetenz berücksichtigen. Und gegebenenfalls müsse er auch seine Therapieplanung relativieren, erläuterte Nitschke. Ihr Fazit: „Setzen Sie bei fitten Patienten auf Prophylaxe, planen Sie eine solide, aber simple Behandlung bei gebrechlichen Patienten und bei Pflegebedürftigen gilt das Motto ’Weniger ist manchmal mehr’.“ Unerlässlich für den Behandlungserfolg dieser Patientengruppe sei Empathie: „Machen Sie immer ein besonders freundliches Gesicht. Pflegebedürftige und demente Patienten orientieren sich daran. Und haben Sie Geduld.“

Mit Biss zum Erfolg

Weitaus weniger Geduld forderte der Festredner, Prof. Jens Weidner, von seinen Zuhörern. In seinem Vortrag zeigte der Autor („Die Peperoni-Strategie“) und Kriminologe auf humorvolle Art, wie Durchsetzungsstärke im Job gefördert werden kann. Sein Tipp: „Seien Sie zu 80 Prozent ein guter Mensch, das heißt, seien Sie loyal, respektvoll, seriös, zuverlässig und humorvoll. Seien Sie aber auch zu zwanzig Prozent ein bisschen aggressiv. Zeigen Sie Biss!“ Wer immer nur nett ist, komme mit der Karriere nur selten voran, so Weidner, der jahrelang hauptberuflich mit Gewalttätern gearbeitet und deren Aggressivität abgebaut hat. Für Manager habe er seine Strategien dann einfach umgekehrt, um „Gutmenschen ein bisschen bissiger zu machen“.

Einen weiteren Höhepunkt stellte die Auszeichnung von Dr. Kerstin Finger, Zahnärztin aus Templin, dar. Ihr zahnärztlicher Hausbesuchsdienst, bei dem ältere und pflegebedürftige Menschen in den ländlichen Gegenden der Uckermark zahnärztlich versorgt werden, wurde im Rahmen der bundesweiten Aktion „Deutschland – Land der Ideen“ aus rund 1 000 Bewerbungen ausgewählt und mit einem Preis geehrt.