Gesellschaft

Sisis schöne Zähne

Romy Schneider ist Sissi, beziehungsweise "Sisi", wie der Spitzname der Kaiserin wirklich lautete. picture alliance

Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn achtete auf ein gepflegtes Erscheinungsbild - auch bei ihren Zähnen. INTERFOTO
Im originalen Bericht aus dem Jahr 1898 steht über den Zustand der Zähne ausdrücklich „Bonne dentition“. Den Gerüchten zum Trotz steht am Ende des Wortes „dentition“ kein „s“. Auf Französisch hieße „dentitions“ lediglich gute „Bezahnung“, womit auch eine Prothese nicht ausgeschlossen gewesen wäre. Allerdings führt das französische Wörterbuch „Petit Robert“ das Wort „dentitions“ nicht auf. Österreichisches Staatsarchiv
State of the Art des 19. Jahrhunderts: Mit diesem originalen Zahnbesteck behandelte Raimund Günther die Kaiserin von Österreich. Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./ Alexander Eugen Koller
Levi Spear Burridge (1829-1887) privat
Hofzahnarzt Raimund Günther. Er behandelte die Kaiserin. Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./ Alexander Eugen Koller
Historisch einzigartige Dokumente: Das Österreichische Staatsarchiv besitzt mehrere Rechnungen des Wiener Zahnarztes Raimund Günther. In den Beständen des Obersthofmeisteramts der Kaiserin befindet sich auch die Rechnung für das Jahr 1891. Darin sind auch die Behandlungen der jüngsten Tochter der Kaiserin, Erzherzogin Marie Valerie (1868–1924), aufgelistet. Insgesamt forderte Günther circa 3.500 Euro nach heutigem Wert. Österreichisches Staatsarchiv Wien
Der Briefkopf Österreichisches Staatsarchiv Wien
Der Rechnungsbetrag Österreichisches Staatsarchiv Wien

Promizahnarzt: Levi Spear Burridge

Die Kaiserin ließ sich nicht nur von Raimund Günther behandeln. In den Beständen des österreichischen Staatsarchivs in Wien finden sich in den Indexbänden zum „Sekretariat der Kaiserin“ für vier aufeinanderfolgende Jahre sehr hohe Rechnungen des Starzahnarztes Levi Spear Burridge (siehe Kasten).

Burridge hatte im Jahr 1876 seinen ständigen Praxisbetrieb eingestellt und hatte somit wohl genügend Zeit, die Kaiserin zahnmedizinisch zu betreuen. Für das Jahr 1877 wurden insgesamt 4.000 Mark (2.000 aus der Reisekasse) in Rechnung gestellt. 1878 betrug die Liquidierung 3.000 Gulden. Davon wurden 1 500 Gulden aus der Reise- kasse Gödöllö beglichen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Burridge die Königin von Ungarn in ihrem Schloss bei Budapest aufgesucht hat.

Im darauffolgenden Jahr wurden wieder 3.000 Gulden berechnet, diesmal 1.500 aus der Reisekasse fürs oberösterreichische Bad Ischl. Dort hatte die Habsburger Dynastie ihre Sommerresidenz. Für 1880 fielen 600 Gulden an. Nach heu- tigem Wert stellte Burridge der Kaiserin in vier Jahren mehrere Zehntausende von Euro in Rechnung. Wenn man davon ausgeht, dass der Zahnarzt die Kaiserin an verschiedenen Orten speziell aufsuchte, lassen sich die hohen Geldsummen erklären. Der Status als Prominentenzahnarzt mit fachlich sehr gutem Ruf wird sicher auch eine Rolle gespielt haben. Das wäre heute nicht anders.

Der Hofzahnarzt: Dr. Otto Zsigmondy

Auch der Hofzahnarzt Dr. Otto Zsigmondy (1829–1899) kümmerte sich um die Zähne des Kaiserpaares (siehe zm 09/2009, S. 114). Überliefert ist, dass er dafür sorgte, dass nur noch Zahnpasten und Pulver mit reichlich Bolus benutzt wurden, die den Zahnschmelz nicht beschädigen konnten.

Nach dem Attentat auf die Kaiserin durch den Anarchisten Luigi Lucheni am 10. September 1898 fragten die Schweizer Behörden beim Kaiser in Wien an, ob sie eine Obduktion durchführen dürften. Aus Wien kam die Antwort, so zu verfahren, wie es die Vorschriften des Landes vorsehen (Auskunft der wissenschaftlichen Mitarbeiter der Kaiserlichen Appartements der Hofburg und von Schloss Schönbrunn in Wien). Anders lautende Berichte aus der Literatur, die immer wieder verbreitet wurden, die Leichenschau sei nur oberflächlich gewesen, stimmen nicht. Die Unabhängigkeit der Schweizer Republik spricht laut den Mit- arbeitern des Schlosses Schönbrunn für eine objektive Obduktion.

Aus dem originalen Bericht aus dem Jahr 1898 (Österreichisches Staatsarchiv) heißt es an der Stelle, wo es um die Zähne geht – „Bonne dentition“ (siehe Kasten Obduktionsbericht und Bild). Und nicht wie auch schon im Internet zu lesen war „dentitions“. Der handschriftlich abgefasste Obduktionsbericht lässt den Schreiber am Ende der Worte einen Haken nach oben machen. Es handelt sich eindeutig um kein „s“ am Ende des Wortes „dentition“. Behauptet wurde, „dentitions“ hieße auf Französisch lediglich gute „Bezahnung“, womit auch eine Prothese nicht ausgeschlossen gewesen wäre.

Weitere Bilder
Bilder schließen