Gastkommentar

Die Politik stellt sich taub

jr casas - Fotolia

Der mündige Patient ist gefragt

Zunehmend verstärkt sich der Trend, dass sich die Politik von Rat und Beratung durch die Körperschaften und Kammern, die den Erfolg unseres Gesundheitswesens über Jahrzehnte erfolgreich gestalteten, entfernt. Deren Rolle als Normgeber kraft fachlicher Kompetenz wird nur allzu oft ignoriert oder unterbewertet. Auch wenn in Grußworten und Festreden regelmäßig das Gegenteil behauptet wird.

Ärzte und Zahnärzte sind deshalb gut beraten, wenn sie ihre normtragende Rolle in der Gestaltung der Versorgung 2015 noch deutlicher artikulieren und einfordern. Etwa indem man darstellt, welch tragende Rolle sie - und überwiegend sie - bei Gestaltung und Umsetzung der Qualität in der Gesundheitsversorgung wahrnehmen.

Aber auch, indem man sich nicht bestimmten und einseitig formulierten Argumentationsketten anschließt und am Ende ebenfalls mehr über Wettbewerb und Sparmechanismen redet als über Chancen und Fortschritte in der Versorgung durch die Erkenntnisse der medizinisch-technischen Entwicklungen. Deren Finanzierung ist sicherlich eine bedeutende Frage.

Es darf dabei aber nicht um das „Ob“ gehen, sondern allenfalls um das „Wie“. Dass hierbei zunehmend auch der mündige Patient gefragt ist, der mehr Eigenverantwortung und Eigenleistung übernehmen muss, liegt auf der Hand. Wie aber soll der sich am Ende positionieren können, wenn nicht im Schulterschluss mit den Medizinern seines Vertrauens? Sollte Minister Gröhe 2015 hierauf größeres Augenmerk haben, könnte ihm das helfen, seine durchaus erfolgreiche Gesundheitspolitik des Vorjahrs fortzusetzen - wenn auch nicht absolut reibungslos.

Politischer Mut zahlt sich hier jedoch aus, denn Patienten und Ärzte stellen schließlich weit mehr Wähler als eine Funktionärsklientel aus Kassen oder Institutionen.

Gastkommentare entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.

Thomas Grünert ist Fachjournalist im Gesundheitswesen und Chefredakteur bei Vicentz Network in Berlin. | privat