Pflegebewertung

Transparenz statt Einheitsnoten

Mehr Transparenz in der Pflege – mit diesem Anspruch starteten 2009 die Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen und -diensten. Doch der Pflege-TÜV kommt seit seiner Einführung nicht aus der Kritik. Daran haben auch die jüngsten Nachbesserungen Anfang 2013 nichts geändert. Nun fordert der Pflegebevollmächtigte Karl-Josef Laumann die Abschaffung der Pflegenoten.

Laut Wilhelm Buschs strengem Lehrer Lämpel soll der Mensch sich beim Schreiben, beim Lesen und bei Rechnungssachen Mühe machen. Von den laschen Kriterien des Pflege-TÜVs wäre er sicher nicht begeistert gewesen. Foto: OKAPIA

Am Ende ihrer Streiche werden Max und Moritz zu Getreide gemahlen. Landen auch die Pflegenoten in der Mühle? Foto: OKAPIA

Wer auf der Suche nach einem guten Pflegeheim für einen Angehörigen ist, steht vor einer zentralen Frage: Woher weiß ich, ob in einer Einrichtung wirklich gut gepflegt wird? Um den Bürgern mehr Transparenz in Sachen Pflegequalität zu bieten, hat der Gesetzgeber mit dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz 2009 in allen Pflegeeinrichtungen Qualitätsprüfungen eingeführt. Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) bewerten seitdem im Rahmen dieser Prüfungen nach einer vorgegebenen Bewertungssystematik die Qualität einer Einrichtung. Die Ergebnisse werden als sogenannte Qualitätsberichte unter anderem im Internet veröffentlicht. Schulnoten sollen dabei auf einen Blick die Qualität der Einrichtung verdeutlichen. Für mehr Transparenz hat der Pflege-TÜV jedoch nicht gesorgt. Von Beginn an monierten Kritiker des Bewertungssystems, dass die Benotung der Pflegedienste zuwenig Aussagekraft habe.

Diese Kritik hat nun der Patientenbeauftragte und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, aufgenommen und die Abschaffung des Pflege-TÜVs in seiner jetzigen Form gefordert. In einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier zur Reform der Pflegenoten empfiehlt Laumann, das System der Bewertung mit Schulnoten umgehend auszusetzen. Grund: Die Bürger erhielten durch die Pflegenoten keinen Überblick, welche Pflegeeinrichtungen wirklich gut sind und welche nicht. Im Gegenteil würden sie durch die geringe Spreizung bei der Benotung und durch den völlig unrealistischen Notendurchschnitt von 1,3 in die Irre geführt. Gerade der hohe Notendurchschnitt ist auch ein Hauptkritikpunkt vieler Pflegeexperten. Die Kritiker monieren, dass bei der Bewertung eines Pflege- heims schwere Mängel in der pflegerischen Versorgung – etwa bei einer schlechten Prophylaxe von Druckgeschwüren (Dekubitus) – durch gut lesbare Speisepläne oder ein umfangreiches Freizeitangebot sehr einfach ausgeglichen werden können.

Weitere Bilder
Bilder schließen