Amerikanische Zahnversorgung

USA: das große Aua

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Eine improvisierte Klinik in der Sporthalle einer High School in Ooltewah, Tennessee, im September 2014. Auf den Tribünen warten unter- oder gar nicht versicherte Patienten auf ihre kostenlose zahnmedizinische Behandlung. Foto: picture alliance

Armenversicherung dank Medicaid

Dank einer aktuellen Studie der ADA gibt es konkrete Zahlen: Demnach erhalten in den 26 Bundesstaaten, die sich für eine Ausweitung ihrer Armenversicherung entschieden haben, 9,1 Millionen Erwachsene mehr Zugang zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung. Da von diesen 26 Staaten neun eine umfassende und elf zumindest eine begrenzte Zahnversorgung anbieten, gewinnen dort rund 7,6 Millionen neu Zugang zum Zahnarzt. Das ist zwar weit entfernt von einer flächendeckenden Versorgung, aber keineswegs eine unbedeutende Verbesserung.

Colorado ist einer der Bundesstaaten, die im vergangenen Jahr zum ersten Mal eine dentale Grundversorgung für ihre erwachsenen Medicaid-Empfänger anboten. Seit Juli 2014 zahlt Medicaid in Colorado für dentale Vorsorgemaßnahmen wie Zahn- reinigung, Füllungen und Röntgenaufnahmen, aber auch für kompliziertere Behandlungen wie Kronen und Wurzelbehandlungen – allerdings nur bis zu einem Wert von jährlich Eintausend Dollar. Gouverneur John Hickenlooper hofft, dass der verbesserte Zugang zu Dentalleistungen die Notaufnahmen in seinem Bundesstaat entlastet. 39.000 Menschen waren allein im vergangenen Jahr in Colorado wegen Zahnschmerzen beim Notarzt.

Washington, Kalifornien und Massachusetts haben im vergangenen Jahr ebenfalls die Gelegenheit genutzt, Dentalleistungen in ihren Medicaid-Katalog aufzunehmen. Für sie ist es allerdings nicht das erste Mal. Washington hatte sich zum Beispiel wegen Überschuldung im Jahr 2011 gezwungen gesehen, seine zahnärztliche Versorgung für erwachsene Medicaid-Versicherte einzustellen.

Seit Januar bietet der Bundesstaat nun erneut umfassende Leistungen an - dank der Mittel, die der Bund im Rahmen der Reform zur Verfügung stellt. Nathan Johnson, leitender Angestellter der Gesundheitsbehörde in Washington, gab der Zeitschrift Modern Healthcare gegenüber zu, dass die vergangenen drei Jahre eine kostspielige Lehre waren: „Wir haben letztendlich für Zahnversorgung in der teuersten Art und Weise bezahlt”. Im Klartext: Nachdem die Medicaid-Empfänger keinen Zugang zum Zahnarzt mehr hatten, gingen sie bei Zahnschmerzen in die Notfallstation.

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