Amerikanische Zahnversorgung

USA: das große Aua

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Eine improvisierte Klinik in der Sporthalle einer High School in Ooltewah, Tennessee, im September 2014. Auf den Tribünen warten unter- oder gar nicht versicherte Patienten auf ihre kostenlose zahnmedizinische Behandlung. Foto: picture alliance

Dentale Angebote rechnen sich

Selbst unter den Bundesstaaten, die sich nicht auf eine Medicaid-Erweiterung einlassen wollen, sehen manche ein, dass es nicht nur unter humanitären Gesichtspunkten Sinn macht, eine Dentalversorgung anzubieten, sondern dass sich diese eventuell auch rechnet. Medicaid-Versicherte im konservativen Bundesstaat South Carolina erhalten zum Beispiel seit dem ersten Dezember zumindest dentale Vorsorge- leistungen und Extraktionen, mit einem jährlichen Limit von 750 Dollar.

Die Einsicht der Bundesstaaten, in die Zahngesundheit ihrer Bürger zu investieren, gibt Hoffnung. Sie ist aber nur ein Anfang. Zu vielen amerikanischen Landsleuten fehlt nach wie vor der Zugang zum Zahnarzt, weil sie im falschen Bundesstaat leben: Laut ADA werden in immerhin 19 Bundesstaaten keine oder nur notfallbedingte Zahnbehandlungen angeboten. Ebenfalls leer gehen die aus, deren Einkommen zu hoch ist, um sich für Medicaid zu qualifizieren, aber zu niedrig, eine Zahnversicherung abzuschließen und die üblichen Selbstbehalte für Behandlungen zu zahlen.

Negativ ist auch, dass das Angebot von Dentalleistungen für finanzschwache Erwachsene völlig im Ermessen der einzelnen Bundesstaaten liegt. Wie man an den Beispielen von Washington und Idaho sieht, neigen Gesetzgeber bei Haushaltsproblemen dazu, Leistungen in den Wohlfahrtsprogrammen zu streichen, auch wenn sich das langfristig als problematisch erweist.

Es bleibt zu hoffen, dass die Erfahrungen der Bundesstaaten, die den Sinn eines verbesserten zahnärztlichen Zugangs erkannt haben, andere Staaten im Bund inspirieren, es ihnen gleich zu tun.

Claudia Pieper
180 Chimacum Creek Dr.
USA – Port Hadlock, WA 98339

Info

Besorgniserregende Zahlen

• Über 181 Millionen Amerikaner gingen allein 2014 nicht zum Zahnarzt, schätzt die American Dental Association (ADA).

• Fast die Hälfte der über Dreißigjährigen litten im Jahr 2012 laut US- Regierung an Karies oder an anderen Zahnkrankheiten.

• Mehr als zwei Millionen Amerikaner suchten im Jahr 2010 den Notarzt wegen Zahnschmerzen auf, heißt es im National Hospital Ambulatory Medical Care Survey.

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