Der besondere Fall

Das pleomorphe Adenom

MRT in axialer Schichtung mit gut abgegrenzter Raumforderung in der rechten Glandula parotidea. Rudolf Herzig, Gerhard Poetzel

Abbildungen 1 bis 3 (von links): Klinische Präsentation der Patientin bei Erstvorstellung (1: frontal, 2: Profil, 3 von kaudal) Rudolf Herzig, Gerhard Poetzel
Abbildungen 1 bis 3 (von links): Klinische Präsentation der Patientin bei Erstvorstellung (1: frontal, 2: Profil, 3 von kaudal) Rudolf Herzig, Gerhard Poetzel
Abbildungen 1 bis 3 (von links): Klinische Präsentation der Patientin bei Erstvorstellung (1: frontal, 2: Profil, 3 von kaudal) Rudolf Herzig, Gerhard Poetzel
Abbildungen 4: MRT in coronarer Schichtung mit gut abgegrenzter Raumforderung in der rechten Glandula parotidea Rudolf Herzig, Gerhard Poetzel
Abbildungen 5: MRT in axialer Schichtung mit gut abgegrenzter Raumforderung in der rechten Glandula parotidea Rudolf Herzig, Gerhard Poetzel
Abbildung 6: Operationssitus beim Zustand nach lateraler Parotidektomie mit Darstellung und Schonung des N. facialis Rudolf Herzig, Gerhard Poetzel
Abbildung 7: Tumorpräparat mit Speicheldrüsengewebe nach konservativer lateraler Parotidektomie Rudolf Herzig, Gerhard Poetzel
Abbildung 8: Histologisches Präparat (HE-Färbung), Darstellung in fünffacher Vergrößerung: links Speicheldrüsengewebe, rechts Areale aus dem pleomorphen Adenom Susanna Müller

Diskussion

In 70 bis 80 Prozent der Fälle handelt es sich bei Tumoren der Glandula parotidea um benigne Tumoren [Som et al., 2003], in der Mehrzahl der Fälle um ein pleomorphes Adenom, das überwiegend im lateralen Drüsenanteil lokalisiert ist [Schwenzer, Ehrenfeld et al., 2011].

Histologisch ist das pleomorphe Adenom durch eine sowohl strukturelle als auch zelluläre Pleomorphie mit epithelialen, myoephithelialen, mukoiden, myxoiden, hyalinen und chondroiden Anteilen gekennzeichnet [Ethunandan et al., 2006], weshalb der Tumor ehemals auch als „Misch-Tumor“ beschrieben wurde. Häufig wird der Tumor durch eine komplette oder inkomplette kapselartige Struktur umschieden. Dabei handelt es sich um eine Pseudokapsel mit feinen Ausläufern, die sich in das umgebende Gewebe fortsetzen. [Henrikkson et al., 1998; Phillips et al., 1995]

Auch Risikofaktoren für das Auftreten eines pleomorphen Adenoms sind, abgesehen von einer höheren Inzidenz beim weiblichen Geschlecht, bisher nicht bekannt [Moeller et al., 2013]. Klinisch präsentiert sich der Tumor durch eine langsame und schmerzlose Größenprogredienz präaurikulär bei intraparotidealer Lokalisation. Palpatorisch zeigt sich eine harte Auftreibung im Bereich der großen Speicheldrüsen beziehungsweise im Bereich der kleinen Speicheldrüsen am Übergang vom harten zum weichen Gaumen als zweithäufigster Lokalisation für das Auftreten eines pleomorphen Adenoms. Die bildgebende Diagnostik der Wahl stellt die Magnet- resonanztomografie dar, die der Computertomografie vor allem bei einer palatinalen Lokalisation überlegen ist [Kakimoto et al., 2009].

Änderungen des Wachstumsverhaltens mit plötzlich rapider Größenprogredienz oder Fazialisschwächen beziehungsweise peripheren Fazialisparesen können ein Hinweis auf eine maligne Transformation sein. Ein Karzinom im pleomorphen Adenom tritt in etwa zwei bis fünf Prozent der Fälle auf [Som et al., 2003]. In seltenen Fällen wurden auch lokoregionäre Situationen und Fernmetastasierungen beschrieben. Einer Metastasierung gehen dabei meist über einen langen Zeitraum auftretende Lokalrezidive voraus [Wenig et al., 1992]. Auch eine intraoperative Tumorverletzung mit diffuser Aussaat kann ursächlich für das Auftreten disseminierter Adenome sein [Tarsitano et al., 2014].

Therapeutisch ist aufgrund der nach alleiniger Tumorenukleation vor allem im Bereich der Glandula parotidea auftretenden hohen Rezidivrate oft eine laterale Parotidektomie oder eine vollständige konservative Parotidektomie die Methode der Wahl [Zbären et al., 2003]. Die Patienten sollten postoperativ über die hohe Rezidivgefahr aufgeklärt, engmaschig in regelmäßige Recall-Untersuchungen eingebunden und darüber hinaus zur Selbstbeobachtung instruiert werden.

Dr. Dr. Christin Kleye
PD Dr. Dr. Wenko Smolka
Prof. Dr. Dr. Michael Ehrenfeld
PD Dr. Dr. Sven Otto

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Lindwurmstr. 2a
80337 München

PD Dr. med. Susanna Müller
Institut für Pathologie
Ludwig-Maximilians-Universität München Pathologisches Institut der LMU
Thalkirchner Str. 36
80337 München

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