Okklusion

Das Ende der mechanischen Ära

Gipsmodell, Artikulator und Bissschiene waren gestern. Mittels Scannern lassen sich die Kontaktpunkte der Zähne präzise ermitteln. Prof. Dr. Bernd Kordaß, Universität Greifswald, zeigte auf dem 14. Keramiksymposium die aktuellen Möglichkeiten und die Zukunftsperspektiven in diesem Bereich auf.

Abbildung 1a: Darstellung der erkannten Kontaktpunktareale in grüner Farbe (a) zum Auszählen der Kontakte je Zahn und ... Quelle: B. Kordaß, S. Ruge, Zentr. f. Dentale Informatik CAD/CAM-Technologie Greifswald

... als 3-D-Balken je nach Durchleuchtungsstärke des Registrats im „Greifswald Digital Analyzing System“ (GEDAS).
Abbildung 2: 3-D-Darstellung der gesamten Zahnreihen während einer Kaubewegung im 3D-Virtual Articulation System (3D-VAS).
Abbildung 3: Okklusale Kontaktpunkt-Darstellungen, hier in Interkuspidation
Abbildung 4: Darstellung der Verzahnungsbeziehung in Profilbildern der Zähne 13 (a), 16 (b), 17 (c) mit dem jeweiligen Gegenzahn des Unterkiefers
Abbildung 5: Darstellung der Einhüllenden, generiert aus realdynamisch aufgezeichneten zahngeführten Bewegungen (Laterotrusion und Protrusion) sowie ... Quelle: B. Kordaß, S. Ruge, Zentrum f. Dentale Informatik CAD/CAM-Technologie Greifswald
.. beim Kauen eines Gummibärchens im 3D-Virtual Articulation System (3D-VAS).

Die Okklusion ist ein wichtiges Fundament für alle Restaurationen. Wenn zahnärztliche Versorgungen okklusal nicht ausreichend funktionell sowie individuell angepasst werden, können iatrogen verursachte Fehl- belastungen des stomatognathen Systems Dysfunktionen auslösen, die die Lebensdauer von Zahnersatz einschränken und mittelfristig Kiefergelenkbeschwerden verursachen. Bei CAD/CAM-Lösungen in der Zahnmedizin und Zahntechnik ist, insbesondere wenn größere, mehrere Zähne umfassende restaurative Arbeiten erfolgen sollen, eine Darstellung der dynamischen und statischen Okklusion im Computer unerlässlich. Trotzdem basiert heute die konventionelle wie auch die computergestützte Fertigung von Zahnersatz überwiegend auf Mittelwerten. Der Transfer der Modelle in den gegebenenfalls virtuellen Artikulator erfolgt mittels Gesichtsbogen schädelbasisbezogen, aber nicht in Relation zur individuellen kinema- tischen Achse. Der Artikulator wird mit Mittelwerten programmiert. Die Bissrelation zwischen OK und UK wird meist statisch anstatt dynamisch bestimmt. Die Kondylenpositionen finden hierbei keine adäquate Berücksichtigung. Die Nutzung von Mittelwerten anstelle von patientenindividuellen Parametern führt zur aufwendigen Nach-bearbeitung der Restaurationen.

Bislang war CAD/CAM okklusal primär auf Einzelzahnrestaurationen fokussiert. Durch geschicktes Einschleifen unmittelbar nach Eingliederung können gröbere Interferenzen entfernt werden – vorausgesetzt, die anatomische Struktur der einzugliedernden Kauflächen korrespondiert einigermaßen mit der Gegenbezahnung. Wenn jedoch größere, mehrere Zähne umfassende restaurative Arbeiten im CAD/CAM-Verfahren gefertigt werden, ist eine Darstellung der dynamischen und der statischen Okklusion im Computer unbedingt erforderlich. Aktuelle Entwicklungen sind eng verbunden mit der sogenannten „digitalen Okklusion“ oder mit dem „virtuellen Artikulator“ [Gärtner et al., 2003; Kordaß, 2012].

Ganz gleich, welche Art der Fertigungs-technik für eine prothetisch-restaurative Arbeit gewählt wird, ist die Funktions- tüchtigkeit des Kausystems im Vorfeld der definitiven Maßnahmen zu screenen und bei Vorliegen von Funktionsstörungen eine funktionelle Vorbehandlung einzuleiten. Beispielsweise lässt sich aus den Daten einer digitalen, instrumentellen Funktionsanalyse eine therapeutische Zentrik generieren, die als therapeutische Kieferrelation für eine CAD/CAM-gefertigte Aufbissschiene oder für Provisorien dienen kann.

Digitale Bestimmung der „Zentrik“

Relative okklusale Aufbisskräfte können mittels einer drucksensitiven Folie detektiert werden. Diese vermag, kraftabhängige Abweichungen einer im Idealfall mittenzentrierten „Schwerpunktlage“ der getesteten Okklusion zu berechnen. Verschiedene Systeme arbeiten mit einem elektronifizierten Stützstift, der eine Stützstiftschreibung der Unterkieferbewegung unter Kraftkontrolle für die Bestimmung einer therapeutischen Kieferrelation möglich macht. Damit ist ein neuer Trend angesprochen, der mittels CAD/CAM-Technik zu einer neuen, funktionellen Qualität von Zahnersatz führen kann: die praxistaugliche Erfassung und therapeutische Nutzung von Messungen der Muskelaktivität. Neben der Analyse der Muskelaktivität wird damit indirekt eine Kraftkontrolle bei der Findung therapeutischer Bissbeziehungen möglich. Unter direkter Visualisierung der aktuellen Kondylenposition lässt sich die Kieferrelation über die computerbasierte Kondylenpositionsanalyse bestimmen.

Das Maß aller Verfahren zur Darstellung der funktionellen Okklusion ist die klinische Situation. Die Analyse in einem mechanischen Artikulator kann die klinische Situation nur annähernd wiedergeben. Starre Gipsmodelle beispielsweise können die Eigenbeweglichkeit der Zähne im Zahnbogen und die Verbiegungen der Unterkieferspange unter Beiß- beziehungsweise Kaukraftbeanspruchung nicht nachvollziehen, ebenso nicht die Resilienz der Kiefergelenke. So ist es nicht verwunderlich, dass Untersuchungen zur Reproduzierbarkeit okklusaler Kontakte bei zahngeführten Unterkieferbewegungen in einem Artikulator trotz individueller Einstellung mittels Funktionsdaten nur einen Teil der klinisch tatsächlich auftretenden Kontakte an der richtigen Stelle wiedergaben [Ruge et al., 2013; 2009].

So notwendig der Artikulator für die Herstellung von Zahnersatz und von okklusalen Restaurationen auch ist, so sehr muss man seine Grenzen kennen und die klinische Kontrolle der Okklusion sorgfältig vor- nehmen [Kordaß, 2012; 2002]. Dafür dienen üblicherweise verschiedenfarbiges Kontaktpapier, Okklusionsfolien oder spezielle Wachse zur klinischen Darstellung okklusaler Kontaktmuster.

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