Bericht zur IDS 2015

Wanted: Amalgamersatz

Effizient, wirtschaftlich und schonend - diese Trias gibt in der Zahnerhaltung den Takt vor: Von der Suche nach einem vollwertigen Amalgamersatz über Eine-für-alles-Endofeilen bis hin zu schnellem Bleaching in Dental Beauty Spas. Bewährte und neue Produkte zu diesen und vielen anderen Themen werden auf der IDS in Köln zu sehen sein.

Rund ein Viertel aller plastischen Füllungen in Deutschland sind noch immer Amalgamfüllungen. Mit Ausnahme weniger Länder wird dieser Werkstoff weltweit gesundheitlich und ökologisch als unkritisch eingestuft, wenn vorschriftsgemäß damit umgegangen wird. Trotzdem erwarten der Weltzahnärzteverband FDI und die WHO, dass der Amalgameinsatz allein aus ästhetischen Gründen weiter zurückgehen wird. Forschung und Entwicklung von Alternativen sollen zudem intensiviert werden. Interessant ist hier die Einschätzung des ehemaligen DGZMK-Präsidenten Prof. Georg Meyer (Greifswald). Demnach könnte die Zukunft nicht direkten Füllungsmaterialien gehören, sondern den immer preiswerter werdenden indirekte CAD/CAM-Restaurationen aus Keramik oder NEM.

Bulk-fill auch für Endo und für Kinder 

Direkte Füllungen sind potenziell weniger invasiv und werden sicher weiter ihre Indikationen haben. Viele Anbieter versuchen daher, sich mit ihren Materialien an die Stabilität und an die zügige Verarbeitung von Amalgam heranzutasten. Niedrigvisköse und damit fließfähige Bulk-fill-Komposite eignen sich als „Unterfüllung“ im Bereich des entfernten Dentins (Abbildung 1).

Sie benetzen den Kavitätenboden zuverlässiger als konventionelle Komposite und reduzieren dadurch das Risiko von Rissbildungen [Ilie, 2014]. Fließfähige Bulk-fills sollten aber nach der aktuellen Datenlage nicht bei größerer oro-vestibulärer Kavitätenbreite eingesetzt werden. Hochvisköse Materialien sind dagegen je nach Produkt auch für den Ersatz einzelner Höcker indiziert (zum Beispiel Ivoclar Vivadent). Für Amalgam gibt es wegen seiner hervorragenden Belastbarkeit praktisch keine Indikationsbegrenzungen, die Verarbeitung ist nach wie vor einfacher als bei Kompositen. Bulk-fill-Komposite können daher nach derzeitigem Stand nur eingeschränkt als Ersatz dienen.

Diese Einschätzung gilt nur eingeschränkt für Milchzahnfüllungen, die als neue Indikation für zwei Bulk-fill-Produkte hinzugekommen sind (Heraeus Kulzer, Dentsply DeTrey). Auch bei dem fließfähigen Material kann auf eine Deckschicht aus verschleißfesterem Komposit verzichtet werden. Da in Milchzähnen in der Regel neben dem Adhäsiv nur eine Kompositschicht erforderlich ist, gelingen Füllungen annähernd so schnell wie mit Glasionomeren. Niedrigvisköse Bulk-fill-Materialien sind auch für den dichten koronalen Verschluss nach endodontischer Behandlung indiziert (zum Beispiel Dentsply DeTrey).

Als Alternative für fließfähige Bulk-fill- Komposite können, insbesondere bei tiefen Kavitäten, Kalziumsilikatzemente verwendet werden. Ein Material mit dentinähnlichen biomechanischen Eigenschaften (Septodont) lässt sich bei tiefer Karies als temporäres Füllungsmaterial einbringen, in einer zweiten Sitzung zurückschleifen und adhäsiv mit Komposit überdecken (Abbildung 2). Aber auch eine definitive Versorgung mit dem Material als Dentinersatz in derselben Sitzung ist möglich [Dammaschke, 2011].

Glasionomere mit Lack

Seit Jahren wird mit großem Aufwand ein hochviskoser Glasionomerzement beworben, der mit einem nano-gefüllten lichthärtenden Kompositlack beschichtet werden muss (GC Equia®). Das Material erfordert keine Adhäsivanwendung und kann in einer Schicht eingebracht werden („Bulk“). Entsprechend wird es als wirtschaftliche Alternative zu Kompositen und zu Amalgam und als „Füllung der Zukunft“ propagiert. In der Tat zeigt eine aktuelle klinische Vier-Jahres-Studie für den Werkstoff im Vergleich zu einem konventionellen mikrogefüllten Hybridkomposit ähnliche klinische Erfolgswerte [Gurgan et al., 2014].

Dazu ist allerdings zu sagen, dass der Indi-kationsbereich bei kaudruckbelasteten Seitenzahnkavitäten maximal die Hälfte des bukko-oralen Höckerabstands einschließt. Damit wird auch hier der klassische Einsatzbereich von Amalgam oder Seitenzahn-kompositen nicht abgedeckt. Zudem fehlen noch Studien über längere Zeiträume, die für andere Materialien bereits vorliegen. Im Rahmen der GKV-Versorgung ist das Produkt interessanterweise dennoch als definitives Restaurationsmaterial abrechenbar – wenn die vom Anbieter empfohlenen Indikationen beachtet werden.

Faserverstärkte Komposite 

Vielleicht näher am Ziel liegt ein neues glasfaserverstärktes Komposit (GC everX posterior®). Das Material ist mit kurzen Glasfasern ausgestattet und laut Anbieter sowohl für mehrflächige große Kavitäten als auch für den Höckerersatz geeignet. Eine aktuelle Studie bestätigt die vielversprechende statische Belastbarkeit dieses Materials auch bei der Restauration zerstörter Kauflächen (Abbildung 3). Da Glasfasern keine ausreichende Oberflächenglätte und Ästhetik hervorbringen, muss eine Ein-Millimeter-Schicht aus konventionellem Kom-posit die verstärkte Füllung überdecken [Garoushi, 2013]. Klinische Untersuchungen liegen bisher nur bis zu einem Jahr vor. Alle Beispiele zeigen, dass noch keine universell und komfortabel einsetzbaren und zugleich gut dokumentierten Amalgam-Alternativen auf dem Markt sind. Folglich bleibt viel Raum für Weiterentwicklungen.

Im Bereich fließfähiger Unterfüllungs- Komposite (Liner) befinden sich auch selbstadhäsive Flow-Materialien auf dem Markt (DMG, Kerr). Die Untersuchungen sind jedoch nach einer PubMed-Recherche überwiegend im vorklinischen Stadium. Eine interessante Alternative im Bereich Bulk-fill-, Flow- und normalvisköse Komposite ist eine Produktfamilie, deren Glas-Füllpartikel mit einer glasionomerbasierten Beschichtung versehen sind (Shofu). Diese vom Anbieter als Giomere bezeichneten Materialien enthalten - wie Glasionomere - Fluor-Bor-Aluminium-Silikatglas (S-PRG). Dieses soll das Potenzial haben, Säuren zu neutralisieren und Dentin zu remineralisieren.

Konventionelle Komposite, aber auch Bulk-Fill-Komposite werden bei Klasse-II-Kavitäten idealerweise mit einer Schalentechnik verarbeitet: Mit einem hochviskösen Material als approximale Wand, einem Flow-Material als Unterfüllung und wiederum einem hochviskösen Komposit als zweite Schicht (Abbildung 4). Einzelheiten zu den Indikationen der unterschiedlichen Materialien können in Köln an den Messeständen erfragt werden.

Um Komposite approximal in eine anatomische Form zu bringen, sind geeignete Matrizensysteme erforderlich. Ein seit Längerem eingeführtes System ist jetzt auch mit Antihaft-Beschichtung erhältlich (Dentsply DeTrey). Vom Mitbewerber gibt es neue Kunststoffkeile, die gegen zervikale Weichgewebsblutungen mit einem Adstringens beschichtet sind (Garrison Dental Solutions).

Im Fläschchen liegt die Kraft

Die oben erwähnte remineralisierende Eigenschaft beschichteter Glaspartikel könnte sich vor allem für Adhäsive als relevant erweisen. Hier ist bekanntlich der adhäsive Verbund zwischen Komposit und Dentin durch hydrolytische Prozesse gefährdet. Ein S-PRG-haltiges Adhäsiv ist bereits auf dem Markt (Shofu) [Shiiya, 2012]. Eine klinisch signifikante Langzeitwirkung im Vergleich zu anderen Adhäsiven ist jedoch nach Autorenkenntnis nicht nachgewiesen. Eine weitere Anwendung der fluoridhaltigen S-PRG-Füller ist ein Fissurenversiegelungsmaterial, das in Verbindung mit einem selbstätzenden Primer angewendet wird.

Zur IDS 2013 kam ein Adhäsivsystem auf den Markt, bei dem je nach Indikation zwischen selektiver Schmelzätzung und selbstätzender Methodik gewählt werden kann. Weiterhin sind indirekte Befestigungen möglich (3M Espe). Diese Alleskönner-Produkte gibt es inzwischen von jedem namhaften Hersteller. Weiter verbessert wurden die Materialien offenbar im Hinblick auf das Sorgenkind Dentin. So sollen neue Monomertechnologien ein Überätzen des Dentins verhindern (Voco). Auch eine hohe Fehlertoleranz in feuchten Kavitäten (Kuraray, 3M Espe) und sehr gute Haftwerte gleichzeitig an Schmelz und Dentin sowie für direkte und indirekte Restaurationen werden versprochen. Um auch über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren gute Ergebnisse zu erreichen, sind Mehr-Schritt-Systeme immer noch der Goldstandard (zum Beispiel Kerr, Ivoclar Vivadent).

Reparieren und Touchieren

Die moderne Zahnheilkunde zeichnet sich zunehmend durch nicht oder minimalinvasive Eingriffe aus. Dazu gehört auch das Reparieren und Korrigieren insuffizienter Füllungen. Dabei handelt es sich um eine patientenschonende und zugleich wirtschaftliche Behandlungsmöglichkeit, da jeweils ein- oder auch zweiflächige adhäsive Füllungen abgerechnet werden können. Die defekten Füllungen sollen mit Aluminiumoxidpulver intraoral bestrahlt werden, um die optimale Rauigkeit für das neue anhaftende Material zu erzielen.

Laut einer Studie zeigten 88 randverfärbte Komposit-Restaurationen nach mehrjähriger Beobachtung prognostisch keinen Unterschied zwischen Reparatur, Versiegelung oder Neuanfertigung [Gordan, 2009]. Die als mikroinvasiv bezeichnete Infiltrationstechnik ist eine Lösung für nicht kavitierte kariöse Läsionen, die röntgenologisch bis ins erste Dentindrittel eindringen (D1). Sie schlägt eine Brücke vom schlichten Abwarten zum klassischen „Bohren“ (Abbildung 5) und der Zeitpunkt für konventionelle Füllungen im Approximalraum lässt sich damit in der Regel hinauszögern [Paris, 2010].

Eine neue Indikation für die Infiltrationstechnik ist die Maskierung von im Schmelz liegenden White Spots auf Glattflächen im ästhetischen Bereich, zum Beispiel nach Entbänderung [Paris, 2013]. Auch entwicklungs- bedingte Schmelzveränderungen können teilweise maskiert werden (DMG). Klinische Studien, insbesondere zum mittel- und langfristigen Effekt, bleiben abzuwarten.

Für Glattflächen, aber auch für Fissurenversiegelungen könnten neu entwickelte mikrogefüllte Infiltrationskunststoffe interessant werden. Eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie zeigte, dass ein auf Basis des Kariesinfiltranten entwickelter gefüllter Kunststoff ebenso gut in konditionierten Schmelz eindringt wie ungefüllter. Zugleich werden kleine approximale Defekte effektiver gefüllt. Dies kann sich günstig auswirken, wenn kleine Kavitationen vor der Infiltration unerkannt geblieben sind. Ob hier bereits Produkte erhältlich sind, kann auf der IDS herausgefunden werden.

Nicht neu, aber für diese Indikation noch weniger bekannt, sind selbstätzende Adhäsive als Schutzschicht gegen Erosionen. Eine Arbeitsgruppe der Universität Gießen untersuchte drei Produkte und fand, dass sich die Materialien in Bezug auf ihre Widerstandskraft gegen erosive Einwirkung deutlich unterscheiden (Kuraray, Dentsply Detrey, Voco) [Schlüter, 2014]. Besonders innovativ ist ein Produkt auf der Basis selbstorientierender Peptide (SAPs) (credentis). In vitro zeigte sich, dass diese nach einfachem Auftragen durch die intakte Schmelzoberfläche in den demineralisierten Läsionskörper eindringen und dort selbst-tätig eine Matrix bilden.

Eine klinisch-röntgenologische Studie ergab, dass eine beginnende Approximalkaries nach sechs Monaten in den meisten Fällen remineralisierbar ist (Abbildung 6) [Schlee, 2013]. In einer weiteren Untersuchung wurden Fissuren durchbrechender bleibender Molaren vor einem weiteren Fortschreiten initialkariöser Läsionen geschützt [Alkilzy, 2014]. Die Resultate waren signifikant besser als in der Kontrollgruppe, die mit einem Fluoridlack behandelt wurde.

Licht sei Dank

Bulkfill-Komposite werden dafür beworben, dass mit ihnen viel Zeit gespart werden kann. Eine relativ gute biomechanische Stabilität erreichen diese Materialien aber nur, wenn sie lange genug polymerisiert werden. So sollte eine Vier-Millimeter-Schicht bei einer Lichtleistung von rund 1 200 Milliwatt pro Quadratzentimeter (mW/cm²) mindestens 20 Sekunden ausgehärtet werden [Ilie, 2014]. Einzelne Materialien benötigen bis zu 40 Sekunden. Weil die klinischen Bedingungen denjenigen im Labor nur selten entsprechen, sollten jedoch Komposite nach Expertenmeinungen zur Sicherheit doppelt so lange ausgehärtet werden wie vom Anbieter empfohlen.

Eine Fehlerquelle bei der Polymerisation kann neben ungünstiger Positionierung und Verschmutzung des Lichtleiters auch eine nicht abgestimmte Wellenlänge sein. Die meisten LED-Geräte sind auf den am häufigsten verwendeten Photoinitiator Kampferchinon (468 nm) getrimmt, doch enthalten einige Komposite Initiatoren mit anderem Wirkungsmaximum. Viele Kom-posit-Hersteller geben nicht die korrekte Wellenlänge an, da hierfür noch keine Pflicht besteht. Entsprechend sind Geräte mit einem breiten Wellenlängenbereich von 385 bis zu 515 nm relevant geworden, zum Beispiel von Heraeus Kulzer, Ultradent Products und Ivoclar Vivadent.

Wichtig ist auch, die Lichtleistung regelmäßig mit einem Radiometer zu prüfen (Abbildung 7). Experten-Stellungnahmen zum Thema Lichtpolymerisation wurden kürzlich von der Webseite der American Dental Association (www.ada.org) ins Deutsche übersetzt und zur Verfügung gestellt [Ferracane, 2014]. Mit unterschiedlichen Linsenaufsätzen können zusätzlich apikale und retrograde Füllungen ausgehärtet, Stiftaufbauten und Blasen in Restaurationen erkannt und Matrizen bei der Aushärtung gestützt werden (Ultradent Products) (Abbildung 8). Aufsätze werden jedoch von Experten je nach Einsatzgebiet kritisch gesehen, da sie die Aushärtungszeiten verlängern könnten.

Doppelt enttäubt

Nicht nur die Füllungstechnik sollte zeit- sparend und ergonomisch sein, sondern bereits die Präparation. Ein Winkelstück mit fünf ringförmig angeordneten LEDs - anstelle von nur einer exzentrisch angebrachten wie bei Wettbewerberprodukten - soll für schattenfreies Ausleuchten des Arbeitsfeldes sorgen (Abbildung 9) (WH). Auch als besonders leicht beworbene Turbinen (NSK), solche mit reduziertem Kopfdurchmesser (Morita) und speziell verkürzte Winkelstücke (Abbildung 10) (WH) für Patienten mit eingeschränkter Mundöffnung erleichtern das Behandeln. Bei einer weiteren Instrumentenreihe sollen die schlanke Griffform und eine Verlagerung des Schwerpunkts in Richtung Motor einer Handgelenksermüdung vorbeugen helfen (SciCan).

Turbinen erreichen einen Schalldruckpegel von bis zu 74 dB, der Stress auslösen und damit zu Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann. In einer von Sirona durchgeführten Studie schnitten zwei eigene Turbinen in Bezug auf Lautstärke und Klangschärfe am besten ab. Ursachen für den relativ niedrigen Lärmpegel von rund 60 dB seien das verwendete Vier-Düsen-Spray-System und Keramikkugellager. Wenn der Patient vom „Taubsein“ spricht, dann sind vor allem Lippen und Zunge nach Lokalanästhesie gemeint.

Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK in Deutschland stört das Taubheitsgefühl mehr als jeden zweiten Patienten. Ein zur IDS 2013 eingeführtes Präparat verkürzt die Dauer der Taubheit nach konventioneller Lokalanästhesie um mehr als 50 Prozent (Sanofi). Das Mittel wird injiziert, nachdem der potenziell schmerzhafte Teil der Behandlung beendet ist. Aufgrund der erhöhten Nachblutungsgefahr sind jedoch chirurgische Behandlungen ausgenommen. Ebenso dürfen weitere potenzielle Risikopatienten nicht enttäubt werden, da es noch keine klinischen Daten gibt. Des Weiteren sind aussagekräftige Studien ausständig, die Interaktionen des Mittels mit intraligamentärer oder intra- ossärer Anästhesie beschreiben.

Das Thema Anästhesie ist durch die oben genannten neuen Produkte und Methoden im Gespräch. Entsprechend aktiv bewerben zurzeit die großen Anbieter von Lokal- anästhetika ihre Produkte. Parallel werden erweiterte Kanülensortimente mit neuen Längen und verfeinerter Ausführung präsentiert (3M Espe, Heraeus).

Von Einzelgängern und Endometrie

In der endodontischen Fachwelt wird weiterhin mit viel Selbstbewusstsein für Zahn-erhalt geworben – auch als Reaktion auf die langsam abebbende Implantologie-Welle (www.erhaltedeinenzahn.de). Aktuell besitzen 60 Prozent der über 65-Jährigen noch alle ihre eigenen Zähne. Nicht nur, aber auch wegen des demografischen Wandels, sind Endo-Feilen und zahlreiche Hilfsmittel verbessert worden. Da alte Patienten meist weniger belastbar sind, ist es nicht verwunderlich, dass auch in der Endodontie neue effiziente Systeme zum Beispiel für die Aufbereitung präsent sind.

Ein-Feilen-Systeme, gewissermaßen Einzelgänger für die Wurzelkanalpräparation, haben in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Laut einer 2014 in Deutschland im Auftrag eines Endo- Anbieters (VDW) durchgeführten Marktbefragung werden 75 Prozent aller Kanäle bereits mit nur einem Instrument aufbereitet. 73 Prozent der Befragten verwenden auch für Revisionen ein Single-File-System. Die Anwenderzufriedenheit ist laut Untersuchung hoch.

Besonders die Reziprok-Technik ist allgegenwärtig. Das liegt einerseits an einer offen-bar einfacheren Anwendung. Andererseits ermüden die in neuen Feilensystemen verwendeten Drahtmaterialien deutlich später als klassische Nickel-Titan-Legierungen. Entsprechend sinkt das Frakturrisiko. Eine 2013 eingeführte Feile mit exzentrischer Rotation hat den Effekt, dass die Reibungsfläche und damit die Bruchgefahr zusätzlich reduziert wird (Abbildung 11) (Dentsply Maillefer).

Spezielle Endodontie-Motoren sorgen für einen Drehwinkel unterhalb der Elastizitätsgrenze der Feile, auch hierdurch sinkt das Risiko von Torsionsbrüchen. Schneller als vollrotierende Systeme erreichen reziproke Feilen zudem das apikale Ende. Ihre Grenzen: Bei sehr engen oder gekrümmten Kanälen müssen oft Handfeilen oder spezielle, weniger konische maschinelle Feilen (Opener, Pfadfinder) für eine ausreichende Kanaldimension sorgen. Viele aktuelle rotierende Instrumente sind für die Einmal-Anwendung vorgesehen (Abbildungen 12a bis 12c), können aber als Materialverbrauch abgerechnet werden.

Mit welcher Variante das Bestimmen der Arbeitslänge am besten gelingt, wurde viel diskutiert. Eine aktuelle Studie aus Spanien zeigt, dass die endometrischen Messergebnisse zuverlässiger waren als die Längenbestimmungen mittels DVT-Scan [Lucena et al., 2014]. Unabhängig davon ist eine DVT-Aufnahme nur indiziert, wenn konventionelles Röntgen nicht die gewünschten Informationen liefert. Auch die DGZMK bestätigt in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2004, dass endometrische Geräte bessere Ergebnisse erzielen als röntgenologische Bestimmungen. Mit neuen Kombinationsgeräten ist es möglich, endometrische Messungen mit Drehmoment-kontrollierter, maschineller Aufbereitung zu kombinieren (zum Beispiel Micro-Mega, Morita, VDW). Das gilt auch für reziproke Feilensysteme, wobei nicht jedes Gerät alle Produkte optimal unterstützt. 

Schnell ganz hell

Auf der IDS wird es nicht nur praxisnah und wirtschaftlich ausgerichtete Produkte zu sehen geben, sondern auch viele Angebote zum Thema Ästhetik. Hierzu gehört die Zahnaufhellung, ein ursprünglich primär US-amerikanischer Trend, der sich inzwischen auch in deutschen Praxen durchgesetzt hat. Seit Inkrafttreten der EU-Kosmetikrichtlinie existiert eine nicht ganz klare Trennung zwischen kosmetischer und medizinischer Indikation. Produkte mit mehr als 0,1 Prozent Wasserstoffperoxid müssen vor einer häuslichen Anwendung zunächst in einer zahnärztlichen Praxis eingesetzt werden.

Das Produktangebot für diese privat abzurechnende Leistung ist nach wie vor vielfältig. Gemeinsam ist den meisten aktuellen Produkten, dass Inhaltsstoffe wie Kaliumnitrat (SDI), Fluorid oder amorphes Kalzium- phosphat (ACP) enthalten sind, die einer postoperativen Überempfindlichkeit vorbeugen sollen. Neben Lacken und Gelen für die Praxis- oder für die häusliche Anwendung (zum Beispiel Ivoclar Vivadent, SDI) gibt es weiterhin Schienensysteme mit zum Beispiel sechs Prozent Wasserstoffperoxid (Ultradent Products). Diese können entweder als alleinige Bleichmaßnahme bei geringerem Aufhellungsbedarf oder als „Erhaltungstherapie“ nach intensiverer Aufhellung mit höheren Konzentrationen (bis zu 40 Prozent) angewendet werden.

Stark beworben wird auch ein LED-Licht-unterstütztes Bleichsystem, das als Komplettpaket einschließlich flüssigem Kofferdam und Lippenpflegemittel angeboten wird (Philips). Die LED-Aktivierung erlaubt eine relativ schnelle Aufhellung bei Wasserstoffperoxid-Konzentrationen bis zu 20 Prozent. Bei höheren Konzentrationen steigt offenbar das Risiko für Überempfindlichkeit, so dass auf Licht verzichtet werden sollte [He, 2012]. Ein anderes LED-System arbeitet mit aktivem Chlorophyll (Whitesmile). Mit einer vom selben Anbieter erhältlichen Zahnaufhellungs-App lässt sich der Bleicheffekt mithilfe von Patientenfotos optisch simulieren (Abbildung 13). Die Frage ist allerdings, ob die in der App einstellbare Helligkeit im Einzelfall tatsächlich erreicht wird. Hier ist – in Hinblick auf die Zufriedenheit des Privatpatienten – Vorsicht geboten.

Innovativ ist eine Zahnbürste, deren Borsten mit Aktivkohlepartikeln versehen sind (Megasmile). Die Aktivkohle soll nach dem Prinzip eines Radiergummis funktionieren, dabei aber sehr schonend zur Zahnoberfläche sein. Beim Putzen rubbeln sich die Aktivkohlepartikel ab und entfernen so Verfärbungen. Bei der seit September 2014 vom selben Anbieter erhältlichen Schallzahnbürste verstärkt eine Frequenz von 45 000 Schwingungen pro Minute laut Produktinformation den Bleicheffekt.

Dental Beauty Spas

Zahnaufhellung als Praxis-Profitcenter kann in eigener Regie oder mit Unterstützung unterschiedlicher Partner realisiert werden. Während in einem Fall ein Beratungsunter nehmen Vorträge und Produktkooperationen anbietet (Opti Zahnarztberatung), handelt es sich im zweiten Fall offenbar um einen Anbieter von Aufhellungsprodukten und Non-Prep-Veneers (Brite Dent). „Gründer des Konzepts“ der Dental Beauty Spas (White Lounges) ist der Zahnarzt Dr. Jens Voss, im Impressum der Netzseite ist die Brite Dent GmbH angegeben. In Deutschland existieren sechs von diesen Bleichstudios (Abbildung 14), in Leipzig ist auch eine Zahnarztpraxis angegliedert. Zwei weitere Dental Beauty Spas sind laut Voss geplant. Als Angebot gab es im Dezember „Weiße Weihnachten“, einmal Bleichen für 444 Euro.

Zusammenfassung

Ein Trend, der auch auf der IDS 2015 gelten dürfte, sind effizient und damit wirtschaftlich anzuwendende Füllungsmaterialien. Ein biomechanisch und verarbeitungstechnisch mit Amalgam vergleichbares Produkt ist trotz interessanter Entwicklungen noch nicht in Sicht. Stattdessen gibt es nicht ganz neue Ansätze zu remineralisierenden Adhäsiven, Kompositen und Fissurenversieglern, und neuere Konzepte zu nicht-invasiver Kariestherapie mit Kunststoffen oder naturanalogen Peptiden, die eine Weiterentwicklung verdienen. In der Endodontie dominieren Systeme mit nur einer oder wenigen Feilen. Und schließlich scheint sich kosmetisch orientiertes Bleichen zum lohnenden Zusatzgeschäft zu entwickeln, durch das Zahnarztpraxen in die Nähe von Schönheitssalons rücken könnten. Dies alles und noch viel mehr kann auf der IDS erkundet werden.

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