Frühkindliche Karies

ECC-Fall: Ähnliches Erkrankungsbild bei Zwillingen

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Typisches Erscheinungsbild einer schweren Form der frühkindlichen Karies. Ch. H. Splieth

Abbildung 1 (Bild 1a): Typisches Erscheinungsbild einer schweren Form der frühkindlichen Karies bei zweijährigen Zwillingen, a: Zwilling 1, b: Zwilling 2: aktive kariöse Läsionen an den Oberkieferfrontzähnen mit komplettem Verlust der klinischen Kronen und Fistelgänge an 51 und 61. Ch. H. Splieth
Abbildung 1 (Bild 1b): Typisches Erscheinungsbild einer schweren Form der frühkindlichen Karies bei zweijährigen Zwillingen, a: Zwilling 1, b: Zwilling 2: aktive kariöse Läsionen an den Oberkieferfrontzähnen mit komplettem Verlust der klinischen Kronen und Fistelgänge an 51 und 61. Ch. H. Splieth
Abbildung 2 (Bild 2a): Zustand vor der Narkosebehandlung (Zwilling 1): arretierte kariöse Läsionen an den Oberkiefer- und an den Unterkieferzähnen: Situation vor der Restauration an den Oberkiefer- (a) und an den Unterkieferzähnen (b). Situation nach der Restauration: An den Zähnen 54 und 64 wurden Pulpotomien durchgeführt, 54, 64 und 65 wurden mit Stahlkronen restauriert (c), 52 bis 62 wurden extrahiert, die Zähne 75, 85 wurden mit Stahlkronen restauriert (d). Ch. H. Splieth
Abbildung 2 (Bild 2b): Zustand vor der Narkosebehandlung (Zwilling 1): arretierte kariöse Läsionen an den Oberkiefer- und an den Unterkieferzähnen: Situation vor der Restauration an den Oberkiefer- (a) und an den Unterkieferzähnen (b). Situation nach der Restauration: An den Zähnen 54 und 64 wurden Pulpotomien durchgeführt, 54, 64 und 65 wurden mit Stahlkronen restauriert (c), 52 bis 62 wurden extrahiert, die Zähne 75, 85 wurden mit Stahlkronen restauriert (d). Ch. H. Splieth
Abbildung 2 (Bild 2b): Zustand vor der Narkosebehandlung (Zwilling 1): arretierte kariöse Läsionen an den Oberkiefer- und an den Unterkieferzähnen: Situation vor der Restauration an den Oberkiefer- (a) und an den Unterkieferzähnen (b). Situation nach der Restauration: An den Zähnen 54 und 64 wurden Pulpotomien durchgeführt, 54, 64 und 65 wurden mit Stahlkronen restauriert (c), 52 bis 62 wurden extrahiert, die Zähne 75, 85 wurden mit Stahlkronen restauriert (d). Ch. H. Splieth
Abbildung 2 (Bild 2d): Zustand vor der Narkosebehandlung (Zwilling 1): arretierte kariöse Läsionen an den Oberkiefer- und an den Unterkieferzähnen: Situation vor der Restauration an den Oberkiefer- (a) und an den Unterkieferzähnen (b). Situation nach der Restauration: An den Zähnen 54 und 64 wurden Pulpotomien durchgeführt, 54, 64 und 65 wurden mit Stahlkronen restauriert (c), 52 bis 62 wurden extrahiert, die Zähne 75, 85 wurden mit Stahlkronen restauriert (d). Ch. H. Splieth
Abbildung 3 (Bild 3a): Zustand vor der Narkosebehandlung (Zwilling 2): arretierte kariöse Läsionen an den Oberkiefer- und an den Unterkieferzähnen: Alle Molaren und Eckzähne waren vital ohne klinische Anzeichen einer irreversiblen Pulpaschädigung. Situation vor der Restauration an den Oberkiefer- (a) und an den Unterkieferzähnen (b). Situation nach der Restauration: An Zähnen 54, 55 und 64 wurden Pulpotomien durchgeführt, 54, 55, 64 und 65 wurden mit Stahlkronen restauriert, 52 bis 62 wurden extrahiert (c), 75 und 85 wurden mit Stahlkronen restauriert (d). Ch. H. Splieth
Abbildung 3 (Bild 3b): Zustand vor der Narkosebehandlung (Zwilling 2): arretierte kariöse Läsionen an den Oberkiefer- und an den Unterkieferzähnen: Alle Molaren und Eckzähne waren vital ohne klinische Anzeichen einer irreversiblen Pulpaschädigung. Situation vor der Restauration an den Oberkiefer- (a) und an den Unterkieferzähnen (b). Situation nach der Restauration: An Zähnen 54, 55 und 64 wurden Pulpotomien durchgeführt, 54, 55, 64 und 65 wurden mit Stahlkronen restauriert, 52 bis 62 wurden extrahiert (c), 75 und 85 wurden mit Stahlkronen restauriert (d). Ch. H. Splieth
Abbildung 3 (Bild 3c): Zustand vor der Narkosebehandlung (Zwilling 2): arretierte kariöse Läsionen an den Oberkiefer- und an den Unterkieferzähnen: Alle Molaren und Eckzähne waren vital ohne klinische Anzeichen einer irreversiblen Pulpaschädigung. Situation vor der Restauration an den Oberkiefer- (a) und an den Unterkieferzähnen (b). Situation nach der Restauration: An Zähnen 54, 55 und 64 wurden Pulpotomien durchgeführt, 54, 55, 64 und 65 wurden mit Stahlkronen restauriert, 52 bis 62 wurden extrahiert (c), 75 und 85 wurden mit Stahlkronen restauriert (d). Ch. H. Splieth
Abbildung 3 (Bild 3d): Zustand vor der Narkosebehandlung (Zwilling 2): arretierte kariöse Läsionen an den Oberkiefer- und an den Unterkieferzähnen: Alle Molaren und Eckzähne waren vital ohne klinische Anzeichen einer irreversiblen Pulpaschädigung. Situation vor der Restauration an den Oberkiefer- (a) und an den Unterkieferzähnen (b). Situation nach der Restauration: An Zähnen 54, 55 und 64 wurden Pulpotomien durchgeführt, 54, 55, 64 und 65 wurden mit Stahlkronen restauriert, 52 bis 62 wurden extrahiert (c), 75 und 85 wurden mit Stahlkronen restauriert (d). Ch. H. Splieth

Nachsorge

Die Recall-Termine wurden quarteilsweise festgelegt, insbesondere um die Einhaltung der Mundhygiene kontrollieren zu können. Da eine deutliche Verringerung der Kariesaktivität aufgrund der effektiven Plaque- entfernung beobachtet wurde, erfolgte eine Verlängerung des Recallabstands auf sechs Monate.

Das Recall beinhaltete immer das Anfärben der Zähne beider Kinder zur Visualisierung des Biofilms sowie zur Motivation und Instruktion der Kinder und der Eltern bezüglich der Zahnpflege, die Untersuchung der Zähne und eine professionelle Zahn- reinigung mit anschließendem Auftragen von fluoridhaltigem Lack.

Über 14 Monate hinweg konnten keine neuen kariösen Läsionen festgestellt werden. Des Weiteren waren keine phonetischen Schwierigkeiten, keine psychischen Beschwerden und keine Komplikationen beim Essen als Folge von Milchzahn- verlusten bei den Kindern zu diagnostizieren.

Diskussion

Die frühkindliche Karies gilt als eine der häufigsten dentalen Erkrankungsformen bei Kleinkindern [Congiu et al., 2014]. Obwohl in Deutschland keine nationale repräsentative Querschnittsstudie existiert, legen regionale epidemiologische Studien zur ECC eine Prävalenz zwischen 7,3 Prozent und 20,3 Prozent nahe [Splieth et al., 2009].

Insbesondere eine hochkariogene Ernährung sowie fehlende oder unzureichende Zahnpflege bei kleinen Kindern führen zur ECC [Misra et al., 2007]. So stellt der exzessive und häufige Konsum zucker- oder säure- haltiger Getränke, die zum Teil in Nuckel- flaschen oder Trinklerntassen mehrmals täglich zwischen den Hauptmahlzeiten seitens der Eltern verfügbar gemacht werden, einen prädisponierenden Faktor für die Entstehung der ECC dar, was verschiedene Studien eindrücklich dokumentiert haben [Tinanoff und Reisine, 2009; Misra et al., 2007; Tinanoff et al., 2002].

Als weiterer und vielleicht entscheidender Risikofaktor für die Entstehung einer ECC ist die unregelmäßige und mangelhafte Mundhygiene zu nennen [Twetman, 2008]. Unter der Voraussetzung, dass eine gute Mundhygiene vor dem Durchbruch der Milchzähne praktiziert wird und häufig Fluorid zur Anwendung gelangt, bleiben die Zähne selbst dann intakt, wenn häufig kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel konsumiert werden.

Neben den Kausalfaktoren beeinflussen weitere Risikofaktoren aus dem Sozial- und Verhaltensbereich indirekt die ECC-Entstehung. So ist das ECC-Risiko bei Kindern aus Familien mit geringerem sozioökonomischem Status beziehungsweise bei Kindern aus Migrantenfamilien sehr erhöht [Splieth et al., 2009; Martens et al., 2006].

Obwohl es möglich war, die restaurative Therapie bei den betroffenen Kindern in Narkose durchzuführen, wurde im vorliegenden Fall versucht, zunächst die negativen Verhaltensfaktoren zu eliminieren, und zwar durch die Aufklärung der Eltern über Ernährung und Mundhygiene sowie durch die Durchführung von Kontrollterminen. Infolgedessen wurde die Arretierung der Kariesläsionen gewährleistet und gleichzeitig die Kooperation der Kinder und der Eltern optimiert, wobei dies für die Prognose und Therapieplanung entscheidend war. Durch mechanische Beeinflussung des Biofilms war in diesem Fall die Karieskontrolle möglich.

Wissenschaftlich ist inzwischen eindeutig belegt, dass initiale Kariesläsionen mit intakten Oberflächen unter Anwendung von Fluoriden und Plaquekontrollen arretiert werden können [Featherstone, 2008]. Ferner wurde im Rahmen diverser Studien zur Kariestherapie verifiziert, dass die Progression einer kavitierten kariösen Läsion durch Biofilmentfernung auch verlangsamt oder angehaltet werden kann [Ricketts, 2009; Innes, 2007].

Daher ist von zentraler Relevanz, zusätzlich zur restaurativen Therapie der ECC ein Intensivprophylaxekonzept zu implementieren, um eine Kontrolle der Risikofaktoren zu gewährleisten. Im Hinblick auf diese Patienten war es möglich, viele kariöse Läsionen vor der Narkosesanierung zu arretieren, wodurch eine signifikante Reduktion der Pulpaexposition sowie eine Vitalerhaltung vieler kariöser Zähne realisiert werden konnte.

Im Rahmen von Kariesprävention und -therapie ist die Verwendung von Fluoridprodukten (Zahnpasta, Mundspülung, Gel, Kochsalz) essenziell. Bei der ECC sollte gewährleistet sein, dass die Eltern ein- bis zweimal täglich fluoridierte Kinderzahnpasta (500 ppm F) bei ihrem Kind einputzen. Zahnpasta mit einer höheren Fluoridkonzentration ( 1000 ppm) ist bei Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko geeignet [Walsch et al., 2010], was allerdings voraussetzt, dass das Kind diese Zahnpasta selbstständig ausspucken kann.

Bei den Zwillingen wiesen die meisten Molaren einen umfangreichen Verlust an Zahnhartsubstanz auf, weswegen konfektionierte Stahlkronen als restauratives Material zur Anwendung gelangten. Sie garantieren nicht nur die Wiederherstellung der Funktion geschädigter Zähne, sondern machen auch eine optimale Überlebensdauer der Zähne bis zum Beginn der physiologischen Exfoliation wahrscheinlich [DGZMK, 2002]. Seitens der DGZMK und der internationalen Gesellschaften für Kinderzahnheilkunde [Threlfall et al., 2005] wird beispielsweise im Rahmen einer Therapie mehrflächiger Kavitäten oder pulpotomierter Zähne die Anwendung konfektionierter Stahlkronen vorgeschlagen.

Fazit

Bei der ECC handelt es sich um eine aggressiv und akut verlaufende Kariesform im Milchgebiss, durch die ein signifikanter negativer Einfluss auf die Lebensqualität der Kinder und ihrer Eltern hervorgerufen wird. Eine effektive ECC-Therapie kann nur durch die Beseitigung kariogener Faktoren garantiert werden. Frühzeitige präventive Maßnahmen und motivierende Gespräche mit Eltern und Patienten fungieren als Schlüsselfaktoren, denen eine zentrale Bedeutung für die Überwindung kultureller und sozioökonomischer Barrieren bei der ECC-Therapie zukommt.

Dr. Ruth M. Santamaria, Prof. Dr. Christian H. Splieth
Abt. für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Rotgerberstr. 8, 17487 Greifswald
ruth.santamaria@uni-greifswald.de

Info

Leistungen zur Früherkennung

Im einheitlichen Bewertungsmaßstab für die zahnärztlichen Leistungen (BEMA) sind derzeit Leistungen zur Früherkennungs-untersuchung (BEMA-Nr. FU) vorgesehen, die ab dem 30. Lebensmonat einsetzen. Mit dem Konzept zur zahnmedizinischen Prävention bei Kleinkindern haben KZBV und BZÄK den Vorschlag vorgelegt, den Leistungskatalog für zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen auf Kinder ab dem 6. Lebensmonat sowie um weitere flankierende Maßnahmen auszuweiten mit dem Ziel, die frühkind- liche Karies flächendeckend deutlich zu reduzieren. Ein wegbereitender Antrag ist in den Gemeinsamen Bundesausschuss eingebracht worden. In einigen KZV-Bereichen haben Zahnärzte bereits die Möglichkeit, präventive Maß-nahmen bei Kleinkindern unter drei Jahren als Kassenleistung zu erbringen. Ob und gegebenenfalls mit welcher Krankenkasse entsprechende Vereinbarungen getroffen sind, kann bei der jeweiligen KZV erfragt werden.

ECC hat in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Dabei konzentriert sich das Erkrankungsrisiko auf Bevölkerungsschichten mit niedrigem sozialem Status: Zwei Prozent dieser Kinder vereinen 52 Prozent der Karies auf sich.

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