Repetitorium Allergien

Am besten effektiv vorbeugen

Der Entwicklung allergischer Erkrankungen wie beispielsweise dem atopischen Exzem lässt sich vorbeugen. Foto: OKAPIA

Die Experten plädieren in puncto Allergieprophylaxe weiterhin für das Stillen. Foto: OKAPIA
Der reichliche Verzehr von Fisch in der Schwangerschaft ist eine gute Prophylaxe gegen Allergien beim Kind. Foto: © JackF – Fotolia.com
Raucht die Mutter, steigt beim Kind das Asthmarisiko. Foto: Caro- Keunecke
Bei Verdacht wird mit einem Hauttest (Pricktest) nach auslösenden Allergenen gefahndet. Foto: VISUM
Hunde sind für Allergiker in aller Regel unproblematisch. Anders ist das mit Katzen, so dass in Familien mit hohem Allergierisiko möglichst keine Katzen angeschafft werden sollten. Foto: © aleksandr – Fotolia.com
Wird im Haushalt geraucht, steigt bei einer Pollenbelastung bei Kindern das Allergierisiko. Foto: MEV
Besteht zum Beispiel eine Pollenallergie, so ist eine Desensibilisierungsbehandlung zu erwägen. Foto: doc-stock

Schimmelpilze, Tabakrauch und Luftschadstoffe meiden

 

Vermieden werden sollte laut Leitlinie ein Innenraumklima, das Schimmelwachstum begünstigt wie etwa bei einer zu hohen Luftfeuchtigkeit oder bei mangelnder Ventilation. Zu bedenken ist ferner, dass auch Innenraumschadstoffe wie zum Beispiel Formaldehyd und flüchtige organische Komponenten, wie sie durch neue Möbel sowie bei Maler- und Renovierungsarbeiten freigesetzt werden, das Asthmarisiko erhöhen. Deshalb sollte die Exposition gegenüber solchen Innenraumschadstoffen möglichst gering gehalten werden. Da auch die Exposition gegenüber Stickoxiden und Feinstaubpartikeln mit einem erhöhten Asthmarisiko behaftet ist, sollte die Belastung mit KFZ-bedingten Emissionen ebenfalls minimiert werden.

Keinen Einfluss in puncto Primärprävention aber haben spezifische Maßnahmen zur Reduktion der Hausstaubmilben wie etwa milbenallergendichte Matratzenüberzüge. Solche Maßnahmen sind zur Sekundär- prävention sinnvoll, der Entwicklung einer Allergie vorbeugen lässt sich damit jedoch nicht. Unbedingt zu vermeiden sind jedoch das Rauchen und ebenso das Passivrauchen. Denn die Exposition gegenüber Tabakrauch steigert das Risiko für die Entwicklung des Asthma bronchiale und auch für Allergien. So ist bei intakter Schleimhaut die Wahrscheinlichkeit, dass eine Pollenbelastung zur Allergieauslösung führt, eher gering. Erhöht aber ist das Risiko beim Vorliegen von Schleimhautläsionen, wie sie durch das Rauchen induziert werden können. Vor allem in Haushalten, in denen Kinder leben, sollte deshalb keinesfalls geraucht werden. Denn bei Kindern, die in Raucherwohnungen leben, heilen Schleimhauthautläsionen im Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen langsamer ab, so dass im Fall einer Pollenbelastung das Allergierisiko steigt. Da reicht es auch schon, wenn die Eltern auf der Terrasse rauchen und den Rauch mit der Kleidung in die Zimmer bringen.

 

Aus Sicht der Zahnmedizin

Aufgrund der hohen Häufigkeit allergischer Diathesen in der Bevölkerung und der weiter steigenden Inzidenz insbesondere in den jüngeren Altersgruppen wird der Zahnarzt im Rahmen der Anamneseerhebung mit dieser Problematik konfrontiert. Er muss dann einschätzen, ob sich hieraus Konsequenzen für die Behandlung ergeben. Bei Patienten, die Antihistaminika einnehmen, sind mögliche Wechselwirkungen mit zusätzlich verordneten Medikamenten zu beachten. Insbesondere die eingeschränkte Fahrtüchtigkeit infolge der sedierenden Effekte, vor allem bei den Antihistaminika der ersten Generation, ist zu berücksichtigen. Selbstverständlich müssen die bekannten Allergene vermieden werden. Hierzu sollte der Allergiepass eingesehen und beachtet werden. Ansonsten kann es zu einer allergischen Reaktion vom Typ I (Soforttyp) kommen. Die nachfolgende anaphylaktische Reaktion ist die akute Reaktion des Immunsystems auf die erneute Antigenexposition und wird in vier Schweregrade eingeteilt: Grad I - ist vor allem gekennzeichnet durch eine lokale Symptomatik mit Urtikaria, Erythem, Juckreiz sowie einer beginnenden, aber noch leicht ausgeprägten Allgemeinsymptomatik mit Tachykardie, Übelkeit, Erbrechen. Grad II - weist eine starke Progredienz der Allgemeinsymptomatik mit Kreislaufdysregulation, Tachykardie und Hypotonie sowie Dyspnoe und Bronchospasmus auf. Bei Grad III- befindet sich der Patient im anaphylaktischen Schock. Bei Grad IV - liegt ein Herz-Kreislauf-Stillstand vor. Die anaphylaktische Reaktion ist damit nicht dosisabhängig, verläuft uniform hinsichtlich der Symptome, unabhängig vom Allergen und wird auch nach dem gleichen Therapieregime behandelt: Volumen, Adrenalin, Antihistaminika.

Bei Medikamenten ist es sehr wichtig, eine mögliche Überdosierung oder die Intoxikation zu differenzieren. Diese ist dosisabhängig, die klinische Symptomatik richtet sich nach dem Medikamenteneffekt und ist damit pharmakologisch spezifisch. Die Therapie erfolgt entsprechend der applizierten Substanz, gegebenenfalls kann sogar ein Antidot appliziert werden. Bei der Gabe von Lokalanästhetika sind prinzipiell beide Komplikationen möglich. Erfreulicherweise ist das Auftreten beider bei der Verwendung von Articain-Lösungen sehr selten. Sollte aber eine Allergie vorliegen oder der dringende Verdacht hierauf bestehen, dann ist eine entsprechende allergo-logische Diagnostik zu veranlassen. Es sollte der zu untersuchende Wirkstoff, aber auch Alternativen (andere Lokalanästhetika) für den Allergologen mitgegeben werden. Eine Kreuzallergie, wie zum Beispiel bei den Antibiotika, gibt es allerdings nicht. Neben dem Lokalanästhetikum können jedoch auch die Zusatzstoffe als Allergen fungieren. Daher sollten Mehrfachentnahmeflaschen aufgrund ihres Gehalts an Konservierungsstoffen vermieden werden. Zylinder- und 2-ml- beziehungsweise 5-ml-Ampullen sind hingegen frei von Konservierungsmitteln. In jeder Lokalanästhesielösung, die Adrenalin enthält, ist auch Natriumdisulfit als Antioxidans enthalten. Durch seinen ubiquitären Gebrauch in der Lebensmittelindustrie können auch hierauf Sensibilisierungen bei den Patienten vorliegen. Auch diesem Umstand muss bei der allergologischen Testung Rechnung getragen werden, um ein differenziertes Ergebnis zu erhalten. Nebenwirkungen durch das Adrenalin (Tachykardie, Schwitzen, Blässe) oder unspezifische, häufig Angst getriggerte Reaktionen auf die Injektion werden sehr oft vorschnell und unkritisch als allergische Reaktion interpretiert und dem Patienten gegenüber kommuniziert. Sie haben jedoch nichts mit dem Krankheitsbild zu tun.

Univ.-Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer
Leitende Oberärztin der Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie
Augustusplatz 2
55131 Mainz

Dr. Dr. Peer W. Kämmerer
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer-und Plastische Gesichtschirurgie derUniversität Rostock
Schillingallee 35
8057 Rostock

 

 

Möglichst kein Kaiserschnitt

Neu in die Leitlinien aufgenommen wurde die Empfehlung, einen Kaiserschnitt möglichst zu vermeiden, wenn hierfür nicht eine klare Indikation besteht. Denn es gibt valide Hinweise dafür, dass Kinder, die durch Kaiserschnitt auf die Welt kommen, ein erhöhtes Allergierisiko und speziell ein erhöhtes Asthmarisiko haben. Ursache der Beobachtung könnte den Hypothesen zufolge eine mangelnde Immunstimulation durch die Exposition im natürlichen Geburtskanal sein. „Auch Veränderungen der Lungen- und der Leberfunktion und des Stressverhaltens wurden bei diesen Kindern beschrieben. Vor dem Hintergrund, dass derzeit in Deutschland rund jedes dritte Kind durch Kaiserschnitt auf die Welt kommt, sollte dieser Umstand bei der Auswahl des Geburtsverfahrens berücksichtigt werden“, heißt es im Leitlinien-Update.

Andererseits gibt es keine Belege dafür, dass Impfungen das Allergierisiko erhöhen, wohl aber Befunde, wonach Impfungen das Allergierisiko senken können. Daher wird von den Experten empfohlen, alle Kinder entsprechend den STIKO-Empfehlungen impfen zu lassen. Es existieren verschiedene Studien, die einen Zusammenhang zwischen einer Allergieentwicklung und der Einnahme von Medikamenten – insbesondere von Antibiotika und Paracetamol – nahelegen. Allerdings sind diese Assoziationen aufgrund der vielen potenziellen Einflussfaktoren „mit Vorsicht zu interpretieren“, so die aktuellen Bewertungen. Denn bislang fehle der Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen einer entsprechenden Medikamenteneinnahme und der Entwicklung von atopischen Erkrankungen.

Psychosoziale Belastungen als Allergietrigger

Last, but not least gibt es Hinweise darauf, dass psychosoziale Belastungen während der Schwangerschaft und in der Kindheit – wie beispielsweise die Trennung der Eltern oder der Tod eines Elternteils – der Manifestation einer atopischen Erkrankung Vorschub leisten können. Ein präventiver Ansatz könnte sich nach Expertenansicht durch die frühzeitige therapeutische Begleitung von Kindern in solchen Belastungssituationen ergeben.

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