Myofunktionstherapie als Prophylaxe

Logopädie in der Praxis

Sagittalschnitt eines unphysiologischen Schluckmusters (l.) im Vergleich zu einem physiologischen Schluckmuster. Illu.: zm-km-Karla Passon
Dreieinhalbjährige mit massivem Schnullerhabit und Mundatmung. Karla Passon
Befund: lutschoffener Biss. Karla Passon
Therapie: Umstellung auf Nasenatmung, Harmonisierung der Muskulatur, harmonisiertes Schädelwachstum. Karla Passon
Schließung des Bisses nach fünfmonatiger Behandlung. Karla Passon
Siebenjährige Mundatmerin mit hypotoner orofazialer Muskulatur, verdickter Unterlippe und Zungenruhelagerung auf der Unterlippe. Karla Passon
Befund: unphysiologisches Schlucken, Einlagerung in lückiges Milchzahngebiss. Karla Passon
Therapie: harmonisierte orofaziale Muskulatur, Umstellung auf Nasenatmung. Karla Passon
Das Schluckmuster konnte noch nicht voll ständig verändert werden, eine begleitende KFO-Behandlung erfolgte noch nicht. Karla Passon
Neunjähriger: starker Sigmatismus, orofaziale Dysfunktion, hypotone Gesichtsmuskulatur, Mundatmer, verdicktes Unterlippenprofil. Karla Passon
Befund: massive sagittale Stufe, Zungeneinlagerung beim Schlucken, frontal und lateral. Karla Passon
Durch die Therapie: Harmonisierung der Muskulatur, Harmonisierung des Schädelwachstums, Harmonisierung des Lippenprofils und deutliche Aussprache. Karla Passon
Verbesserung der okklusalen Situation nach einjähriger Behandlung, begleitende KFO-Therapie durch Eingliederung eines losen Geräts. Karla Passon
Diese zwölfjährige Patientin wechselte nach 30 Behandlungssitzungen in meine Praxis. Diagnose: hypotone Gesichtsmuskulatur, orofaziale Dysfunktion, starke Augenringe, Mundatmerin, wulstiges Unterlippenprofil. Karla Passon
Befund: massives habituelles Nägelkauen. Karla Passon
Okklusaler Status nach viermonatiger Bracketsversorgung. Karla Passon
Durch die Therapie: harmonisierte Gesichtsmuskulatur, Umstellung auf Nasenatmung nach sieben Monaten, habituelles Nägelkauen teilreduziert. Karla Passon
Beispiel für systemische Arbeit – Einbindung der Familie: Die Mutter des Patienten F. hat alle Bilder und Zeichnungen, die in der Therapie entstanden sind, in einer Collage künstlerisch angeordnet. So ist es Familienthema und auch Freunde fragten immer wieder nach dem Hintergrund der Collage. privat
Patientin (62), Diagnose: massive Fehlokklusion durch Daumenlutschen, unphysiologische Zungenruhelage. Karla Passon
Befund: Zungenruhelage an unterer Front, gotischer hoher Gaumen, da der physiologische Zungendruck durch das unphysiologische Schluckmuster bedingt fehlte. Karla Passon
Gesicht der Schmerzpatientin bei Vorliegen von Myogelosen im M. Masseter: Die unphysiologische Zungenruhelage verursachte Schmerzen im M. Hypoglossus. Karla Passon
Nach der Therapie: Umstellung auf Nasenatmung und Harmonisierung der Muskulatur, Zungenruhelagenveränderung, entspannterer Mundschluss möglich, insgesamt deutliche Schmerzreduzierung nach zwölf Behandlungssitzungen über fünf Monate. Karla Passon
Ausschnitt aus einem Behandlungsplan für Kinder: Symbole, die die Kinder kennen, kennzeichnen die einzelnen Übungen. Karla Passon
Ausschnitt aus einem Behandlungsplan für Erwachsene: Die Übungen sind täglich zehn bis zwölf Minuten durchzuführen. Karla Passon

Autosuggestionselemente

Die Autosuggestion und damit die Eigenmanipulation hilft dem Patienten insofern, als verschiedene Merksätze zu den jeweilig zu bearbeitenden Funktionen formuliert und diese dann laut und eindringlich hochfrequent gesprochen werden. Kindern macht es Spaß, die Merksätze selber zu formulieren, sie sprechzeichnerisch und rhythmisch umzusetzen. Erwachsene lassen sich meiner Erfahrung nach ebenfalls auf Merksätze ein, da sie recht zügig eine schnelle Umsetzung des Gesprochenen bei sich selber registrieren.

Beispiele:

  • Meine Zunge ist immer oben in der Kuhle drin und hält sich da gut fest.
  • Meine Zunge ist immer oben in der Kuhle
  • mein Mund ist zu, meine Nase atmet.
  • Ich schlucke bewusst und richtig

Elemente der Meditation

Als ich die ersten Funktionsmeditationen formulierte und im zeitlichen Rahmen von vier bis sechs Minuten durchführte, war ich äußerst unsicher, ob die Patienten – Kinder oder Erwachsene – dieses Element annehmen können. Erstaunlicherweise habe ich die Rückmeldung von beiden Altersgruppen, dass dieses Element als äußerst wohltuende Einheit in der Therapiesitzung empfunden wird. Da von den Patienten 45 Minuten lang größte Anstrengung auf verschiedenen Ebenen verlangt wird, ist diese kurze, aber themenbezogene Bewusstseinserweiterung eine wunderbare Form, die Therapiezeit zu beschließen.

Motivationsmodule

Während einer Therapie sollte die Motivation insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, immer wieder durch neue Motivationshilfen auf einem entsprechenden Level gehalten werden. So führen meine Patienten eine Kontrollliste, in die sie einzeichnen, ob sie täglich geübt haben und „verdienen“ sich  Stempel, die sie in ein Geschenk umwandeln können. Benotungstabellen für die Aussprache, den Mundschluss oder das Schlucken werden oft von Eltern geführt. Sogenannte „Mahlzeitentabellen“, halten fest, welchem Nahrungsmittel unmittelbar erhöhte Aufmerksamkeit beim Schlucken zuteil wird.

Info

Dysfunktionen des Sprechens, der Atmung, der Zunge, der Lippen sowie der orofazialen Muskulatur und der Körperhaltung zählen zu den wissenschaftlich anerkannten Faktoren, die das kraniofaziale Wachstum und die Zahnstellung beeinträchtigend beeinflussen. Des Weiteren konnte in zahlreichen Studien gezeigt werden, dass bei charakteristischen Zahnstellungs- und Kieferanomalien eine erhöhte Prävalenz orofazialer Fehlfunktionen vorliegt. Diese lang bekannten Wechselwirkungen zwischen Funktionsabläufen im orofazialen System und der Zahn-Kieferentwicklung sind in ihren genauen Mechanismen bislang allerdings noch nicht abschließend erforscht, wenngleich zu dieser Thematik wissenschaftlich interessante Ergebnisse vorliegen.

Zur Diagnostik und Therapie orofazialer Dysfunktionen wurde 2008 aus dem Fachgebiet Kieferorthopädie eine detaillierte Stellungnahme unter Einbeziehung internationaler Fachliteratur erarbeitet, die auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) publiziert wurde. Kernanliegen der präventionsorientierten Kieferorthopädie ist danach die frühzeitige Erkennung und Eliminierung möglicher die dentofaziale Entwicklung beeinträchtigender Faktoren. Unbestritten ist, dass ohne therapeutische Intervention eine körpereigene funktionelle Harmonisierung nicht eintritt. Vielmehr muss mit zunehmendem Alter mit einer erhöhten Prävalenz, Intensität und Komplexität der funktionellen Befunde gerechnet werden. Dies wirkt sich erschwerend auf kieferorthopädische Korrekturmaßnahmen aus, ist aber auch problematisch im Hinblick auf die Langzeitstabilität kieferorthopädischer Behandlungsergebnisse zu bewerten.

Bereits in oben genannter Stellungnahme wird angesprochen, dass die Diagnostik orofazialer Dysfunktionen weder standardisiert noch evidenzbasiert ist. Hier besteht sicher noch Verbesserungspotenzial. Therapieansätze zur Korrektur von orofazialen Dysfunktionen werden grundsätzlich in apparative und nicht apparative eingeteilt. Beide Ansätze verfolgen die funktionelle Harmonisierung. In der Stellungnahme der DGKFO wird auch darauf verwiesen, dass die Reduktion der funktionellen Harmonisierung auf die Myofunktionelle Therapie nach Garliner mit Schwerpunkt der Erlernung der physiologischen Ruhelage das Spektrum der therapeutischen Möglichkeiten bei Weitem nicht abdeckt [Stellungnahme der DGKFO, 2008]. In einem Statement der „American Speech and Hearing Association“ [ASHA, 1991] wurde sehr treffend darauf hingewiesen, dass eine Therapie orofazialer Dysfunktionen interdisziplinär und individualisiert sein müsse mit den Kernzielen der Stärkung der hypotonen orofazialen Muskulatur, der Etablierung eines kompetenten Lippenschlusses sowie der Nasenatmung und des Erlernen der physiologische Zungenruhelage.

Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, dieses interdisziplinäre Thema erneut zu beleben. Bislang konnte wissenschaftlich nicht dokumentiert werden, inwieweit durch alleiniges funktionelles Training Zahn- und Kieferfehlstellungen korrigiert oder sogar vermieden werden können. In gleicher Weise konnte bisher nicht das Primat einer zunächst alleinigen Umstellung der Funktion vor apparativen Korrekturen evident bestätigt werden.

Prof. Dr. Ursula Hirschfelder, DGKFO

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