Parodontitis und Periimplantitis

Präventionsempfehlungen für die Praxis

An Parodontitis leiden mehr als 50 Prozent der Erwachsenen. Diese alarmierende Zahl war Anlass für die EFP, sich auf der der 11. Europäischen Konsensuskonferenz noch einmal des Themas anzunehmen.

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Eingeladene deutsche Experten (v.l.n.r.): Jörg Meyle, Henrik Dommisch, Søren Jepsen, Renate Deinzer, Frank Schwarz, Bernadette Pretzl, Peter Eickholz, Nicole Arweiler, Christof Dörfer, Thomas Kocher, nicht im Bild: Amelie Meyer-Bäumer, Ulrich Schlagenhauf. Jepsen
70 Teilnehmer besuchten die Konsensuskonferenz. Jepsen

In ihrer schweren Form betrifft Parodontitis elf Prozent der Erwachsenen. Sie ist damit die sechsthäufigste Erkrankung der Menschheit. Der stark angestiegene Einsatz dentaler Implantate zum Ersatz fehlender Zähne hat zu einer neuen Krankheitslast in Form periimplantärer Erkrankungen geführt, wobei die neuesten Daten eine Prävalenz der periimplantären Mukositis von 43 Prozent und der Periimplantitis von 22 Prozent belegen. Diese alarmierenden Zahlen verbunden mit den sozialen, oralen und systemischen Folgen der Erkrankungen waren Anlass für die European Federation of Periodontology (EFP), sich erneut dem Thema Prävention zu widmen.

Alarmierende Prävalenz

Direkt im Anschluss an den Deutschen Zahnärztetag fand im November 2014 eine Europäische Konsensuskonferenz der EFP in La Granja, Spanien, statt. Die Konferenzleitung - bestehend aus Mariano Sanz, Iain Chapple, Søren Jepsen und Maurizio Tonetti - hatte zuvor die Inhalte und Teilnehmer zum Generalthema „Effective Prevention of Periodontal and Periimplant Diseases“ ausgewählt und insgesamt 70 Experten eingeladen. Auswahlkriterien waren durch Publikationen demonstrierte Expertise in den jeweiligen Themenbereichen und sehr gute englische Sprachkenntnisse.

Die deutsche Delegation war mit zwölf Experten als stärkste Fraktion sehr gut vertreten. Alle Teilnehmer hatten mögliche Interessenkonflikte offenzulegen. Organisator Prof. Mariano Sanz und sein Team hatten die Tagung sehr gut vorbereitet. In der Veranstaltung diskutierten die eingeladenen Experten aus 15 Ländern in vier Arbeitsgruppen die Themen:

1. Grundsätze der Prävention parodontaler Erkrankungen,

2. Primäre Prävention der Parodontitis - Behandlung der Gingivitis,

3. Primäre Prävention der Periimplantitis - Behandlung der periimplantären Mukositis,

4. Management der Komplikationen gingivaler und parodonter Erkrankungen und professioneller mechanischer Plaquekontrolle.

Grundlage hierfür waren insgesamt 16 Review-Artikel, die im April als Sonderausgabe des Journal of Clinical Periodontology zusammen mit den vier Konsensus-Berichten der Arbeitsgruppen veröffentlicht werden.

Konsequentes Screening

Einige Empfehlungen seien in aller Kürze bereits hier erwähnt:

  •  Parodontale Screeninguntersuchungen sollten konsequent bei allen Patienten durchgeführt werden, um eine Stratifizierung in gesund, Gingivitis (periimplantäre Mukositis), Parodontitis (Periimplantitis) zu ermöglichen.

  • Professionelle präventive Maßnahmen sollten personalisiert und an der individuellen Diagnose, den Bedürfnissen, der Einstellung und den Risikofaktoren des Patienten ausgerichtet sein.

  • Eine professionelle mechanische Plaqueentfernung ist als alleinige präventive Maßnahme unangebracht, da eine Patientenaufklärung und insbesondere dessen Verhaltensänderung zur dauerhaften Verbesserung des Gesundheitszustands unabdingbar sind.

  • Professionelle präventive Maßnahmen allein sind bei Patienten mit Parodontitis oder Periimplantitis unangemessen, da eine aktive Therapie der Erkrankung erforderlich ist.

  • Die Kontrolle/Modifikation von Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes sind integraler Bestandteil der primären und der sekundären Prävention bei Parodontitis.

  • Eine gingivale (mukosale) Blutung ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung und das Voranschreiten der Parodontitis (Periimplantitis) und das erste Krankheitsanzeichen und sollte Anlass zu einer professionellen Diagnostik sein.

  • Die sekundäre Prävention der Parodontitis soll dem Wiederauftreten der Erkrankung bei bereits behandelten Patienten vorbeugen und ist Voraussetzung für einen Langzeiterfolg. Patienten sollten erst dann an einem sekundären Präventionsprogramm teilnehmen, wenn die aktive Therapie erfolgreich beendet wurde. Mit validierte Instrumenten zur Risikoerfassung kann das Risiko für eine Krankheitsprogression bestimmt werden.

Nationale Implementierung

Dem Aufruf der Konsensuskonferenz, diese Erkenntnisse und Empfehlungen, angepasst an die jeweiligen nationalen Gesundheitssysteme, im Rahmen von Präventionsprogrammen zu implementieren, ist die deutsche Bundeszahnärztekammer (Prof. Dr. Dietmar Oesterreich) bereits im ver- gangenen Jahr mit ihrer - auch von der DGPARO unterstützten - Initiative zur „Prävention der Parodontitis in Deutschland“ zuvorgekommen. Als Experten wurden Prof. Dr. Renate Deinzer, Gießen, und Prof. Dr. Søren Jepsen, Bonn, bestellt. Noch in diesem Jahr soll das Konzept vorgestellt werden. Die aktuellen Ergebnisse der Konsensuskonferenz bieten dafür eine hervorragende Grundlage.

Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen
Präsident der EFP Poliklinik
Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde Zentrum für ZMK
Welschnonnenstr. 17, 53111 Bonn

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