Zahnärztetag Westfalen-Lippe

Aus fremden Fehlern lernen

61. Zahnärztetag in Westfalen-Lippe, Gütersloh. Langsam wird es schwierig, den „fortbildungswütigen Zahnärzten“ etwas Neues zu bieten, sollte man meinen. Aber denkste! Mit dem Management komplizierter Behandlungssituationen erfahren Zahnmediziner und ihre Teams, anhand von Praxisbeispielen, wie sie aus Fehlern anderer lernen können.

„In Sachen Fortbildung sind wir in Westfalen-Lippe top!“ Vizepräsident Jost Rieckesmann, Tagungspräsident Dr. Wolfram Bücking, Kammervorstandsmitglied Dr. Martina Lösser und Präsident Dr. Klaus Bartling (v.l.n.r.). Foto: ZÄK W-L.

„Nachdem wir in den vergangenen Jahren mit unseren Fortbildungen die zahnmedizinischen Fachbereiche abgedeckt haben, wollten wir es dieses Jahr anders machen und widmen uns deshalb einem übergeordneten Generalthema: dem Management komplizierter Behandlungssituationen“, begründete Kammerpräsident Dr. Klaus Bartling am 19. März in Gütersloh – zwei Tage vor der Eröffnung – die Entscheidung. „Wie man aus Fehlern lernt, die andere gemacht haben, haben wir hier ganz praxisnah für Zahnärzte aufbereitet.“

Netzwerk unter Kollegen

„Ich habe alle Fehler selber gemacht und mich dann getraut, sie aufzuschreiben“, gestand Tagungspräsident Dr. Wolfram Bücking aus Wangen. „Mit dem Ziel, dass viele Kollegen sie nicht mehr machen“, sagte er und führte aus, dass heute viele Patienten mehrere Erkrankungen haben – und allein aufgrund der möglichen Wechselwirkungen mit Komplikationen gerechnet werden müsse. „Da kann es hilfreich sein, wenn der Zahnarzt sich auf die Erfahrungen anderer zahnärztlicher oder ärztlicher Kollegen stützen kann“, sagte er und verwies in dem Zusammenhang auf die große Bedeutung guter fachlicher Netzwerke. „Als Praktiker braucht man wissenschaftliches Know-how als Backup.“ Viele Patienten handeln den Zahnarztbesuch laut Bücking ab wie einen Werksvertrag. „Aber unsere Gewebe leben, wir sind kein Auto.“ Das gelte auch umgekehrt: „Der Patient und sein Wohl stehen im Mittelpunkt, nicht das Ego des Zahnarztes.“ Insgesamt seien die zahnmedizinischen Probleme über die Jahre weitgehend dieselben geblieben, nur die Behandlungsmethoden hätten sich geändert. Bücking: „Wir können lzwar ege artis behandeln, aber ein 100-prozentiger Behandlungserfolg ist nach wie vor nicht garantierbar.“

„Wichtig ist, dass die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten in solchen Situationen offen und ehrlich erfolgt, um möglichen Unsicherheiten auf beiden Seiten vorzubeugen“, pflichtete ihm Bartling bei. Eine gute Zahnärztin und ein guter Zahnarzt zeichneten sich dadurch aus, dass sie auch in unerwarteten Behandlungssituationen angemessen reagieren können.

Stress begünstigt Fehler

„Klar ist: Mit diesem Thema haben wir einen Nerv getroffen, denn wir liegen mit unseren Anmeldungen über dem Stand von 2014“, betonte Kammervorstandsmitglied Dr. Martina Lösser und verwies auf die 3 000 Anmeldungen. Einen wesentlichen Grund für die Zustimmung sieht sie in dem zunehmenden Stress im ärztlichen Alltag, der Fehler sicherlich begünstige. Lösser: „Die Medizin hat sich ökonomisiert – das gilt auch für die Zahnarztpraxis.“ In dieser Lage benötige der Zahnarzt ein Team, das hinter ihm steht und ihm den Rücken freihält. „Deshalb haben wir mit unserer Fortbildung das gesamte Team im Fokus“, erklärte sie, „und bieten auch gemeinsame Seminare als Teambuilding an.“

Hauptsache praxisnah

Vizepräsident Jost Rieckesmann fügt hinzu: „Die Zahnärzteschaft – und wir Zahnärzte in Westfalen-Lippe besonders – ist ein fortbildungswütiges Völkchen. Das heißt, uns macht es wirklich Spaß, Neues zu lernen, immer mit dem Anspruch, dass wir das erworbene Wissen am nächsten Montag in der Praxis anwenden können.“ Eine Maßgabe, die an diesem Wochenende garantiert Gültigkeit besitzt.

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