Infektionskrankheiten

Die Lepra lebt noch immer

Entgegen der landläufigen Meinung ist die Lepra als Krankheit bislang nicht komplett ausgerottet. Vor allem in Ländern Südostasiens ist die Lepra speziell in von Armut gekennzeichneten Regionen durchaus ein relevantes Gesundheitsproblem. Immerhin kommt es weltweit jährlich zu rund 250000 Neuerkrankungen.

Die Bedeutung der Lepra wird hierzulande noch oft unterschätzt. Foto: picture alliance

Vor allem vor der Entdeckung der Antibiotika war die Lepra eine gefürchtete Seuche. Foto: picture alliance
In Europa – nicht jedoch in den Entwicklungsländern – gilt die Lepra als ausgerottet. Foto: picture alliance

Bei der Lepra handelt es sich um eine durch das Mycobacterium leprae hervorgerufene Infektionskrankheit. Der Erreger wurde erstmals 1873 durch den norwegischen Mediziner Gerhard Armauer beschrieben. Er zerstört die Haut und die Schleimhäute und befällt das Nervensystem. Klinisch findet die Lepra aber bereits vor Jahrtausenden in den alten Schriften Erwähnung und gehört damit zu den ältesten bekannten Krankheiten. Einen klaren Beleg für die Erkrankung fand sich in ägyptischen Skeletten, datiert auf das zweite Jahrhundert vor Christus. Vermutet wird, dass Soldaten von Alexander dem Großen die Viren in den Mittelmeerraum eingeschleppt haben. Die Krankheit breitete sich sehr langsam über das Abendland aus. Sie hatte ihren Höhepunkt im 12. und im 13. Jahrhundert und bildet sich seitdem zurück. Die Lepra war wegen ihrer Infektiosität vor allem im Mittelalter gefürchtet. Sie wurde als Aussatz bezeichnet, der Kontakt mit betroffenen Menschen wurde vermieden und diese wurden aus Furcht vor einer Ansteckung aus der Gemeinschaft verstoßen. Sie lebten in speziellen Lepraspitälern oder Leprakolonoien. Dank der inzwischen guten Behandlungsmöglichkeiten ist die Prävalenz weiterhin rückläufig. Die Bakterienstämme haben sich dabei über die Jahrhunderte kaum verändert.

Krankheit der Armut

Der Erreger hat als Mykobakterium Ähn-lichkeit mit dem Erreger der Tuberkulose (Mycobacterium tuberculosis). Er ist jedoch bislang weder in Nährmedien noch in der Zellkultur anzuzüchten. Es handelt sich um ein säurefestes Stäbchenbakterium, wobei Mycobacterium leprae weit weniger virulent ist als oft angenommen. Der Übertragungsweg ist nicht genau geklärt, es kommt aber nur bei intensivem Kontakt mit infizierten Personen zur Ansteckung – vermutlich über eine verletzte Haut oder Schleimhaut sowie als Tröpfcheninfektion über infektiöses, blutiges Nasensekret. Das Infektionsrisiko ist entsprechend hoch, wenn viele Personen auf engem Raum und unter schlechten hygienischen Verhältnissen leben. Eine Unter- oder Fehlernährung begünstigt die Infektion offenbar ebenso wie das Vorliegen einer Abwehrschwäche. Das erklärt, warum die Lepra vor allem in den Ländern der Dritten Welt weiterhin ein Gesundheitsproblem darstellt.

In Europa gilt die Lepra bereits seit dem 16. Jahrhundert als weitgehend ausgerottet. Als Ursache hierfür diskutiert wird das vermehrte Auftreten der Tuberkulose, die möglicherweise die Lepra zurückgedrängt hat. Die Erkrankung tritt hierzulande nur noch vereinzelt als Folge der Einschleppung aus Ländern der Dritten Welt auf. Problematisch ist dabei allerdings die lange Inkubationszeit von wenigen Monaten bis hin zu vielen Jahren. Meist liegt die Inkubationszeit bei vier bis fünf Jahren, beschrieben sind jedoch auch Krankheitsfälle mit einer rund 30-jährigen Inkubationsdauer. Dabei erkrankt längst nicht jeder Träger von Mycobacterium leprae. Literaturangaben zufolge manifestiert sich die Erkrankung lediglich bei jedem 20. Träger des Bakteriums. Es kommt bei den Betroffenen zum Teil Jahre nach der Ansteckung zum Auftreten von kleinen Hautflecken, die oft längere Zeit unbemerkt bleiben und sich auch wieder zurückbilden können.

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