Initiativen in der ZFA-Ausbildung

Azubis: Learn it yourself!

In der Praxis lernen zahnmedizinische Fachangestellte sehr schnell on the job, worauf es im Alltag ankommt. Aber wie wird eigentlich an den Berufsschulen gelernt? In Hamburg hat die Berufsschule Gesundheitspflege seit mehreren Jahren vom klassischen Frontalunterricht auf einen Typ des individualisierten Unterrichts umgestellt - mit Erfolg. Das Hamburger Modell „Learn it yourself“ gibt der Diskussion, in welche Richtung sich die Ausbildung der ZFA entwickeln sollte, neue Impulse.

An den Rechnerarbeitsplätzen können die Auszubildenden auch das World Wide Web zum Lernen. zm-jt

Dilan Yapici (24), 2. Ausbildungsjahr: „Wenn man schnell lernt, hat man später Zeit, sich auszuruhen.“ Foto: zm-jt
Lisa Herbst (19), 3. Ausbildungsjahr: „Am Anfang habe ich zu viele Pausen gemacht. Ich musste mich zum Lernen zwingen.“ Foto: zm-jt
Hatice Dönenc (24), 2. Ausbildungsjahr: „Ganz Schnelle können ihre Ausbildungszeit verkürzen. Mich würde das zu sehr unter Druck setzen.“ Foto: zm-jt
Das Selbstlernzentrum: In offener und heller Atmosphäre können die Auszubildenden zwischen Rechnerarbeitsplätzen, Gruppentischen und einer Ruheinsel (Bildmitte) wählen. Foto: zm-jt

"Keiner kann mehr sagen, ich wusste gar nicht, dass wir das lernen sollten“, freut sich Stefan Kurbjuhn, Abteilungsleiter für Schulentwicklung an der Staatlichen Schule für Gesundheitspflege in Hamburg. Seine Freude gilt dem Konzept des individualisierten Lernens - eine Methode, bei der Schüler selbstbestimmt lernen sollen. Vor sechs Jahren hat Kurbjuhn seine Kollegen vom selbstorientierten Lernen überzeugt, 50 Prozent Zustimmung als Bedingung.

Die Idee für das Konzept des individualisierten Lernens stammt ursprünglich aber nicht vom Elbufer, sondern aus den Alpen. Es geht auf den Schweizer Pädagogen Andreas Müller zurück. Müller ist Besitzer und Direktor des Instituts Beatenberg, an dem eigenständiges Lernen im Vordergrund steht. Sein pädagogischer Leitsatz lautet „Relations and Questions are My Way to Succes“. Konkret bedeutet das, dass jeder Schüler in allen Fächern und in altersunabhängigen Niveaugruppen unterrichtet wird.

Selbst bestimmen, was man wann lernen will

Die Schüler haben somit die Möglichkeit, Lernstand und -tempo selbst zu bestimmen. Das gilt an der Hamburger Berufsschule allerdings nur für die beruflichen Unterrichtsstunden. Theoretische Fächer wie Wirtschaft und Gesellschaft, werden weiter lehrerorientiert – sprich frontal – vermittelt. Insgesamt sind die Auszubildenden zwölf Stunden in der Woche an der Schule. Acht Stunden davon sind berufsorientierter Unterricht, von denen die Schüler im ersten Jahr drei und in den beiden weiteren Schuljahren vier Stunden selbstorientiert lernen.

Auch die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hat die Herausforderung der zunehmenden Heterogenität der Auszubildenden früh erkannt und sucht nach adäquaten Lösungen. Auf der letzten Koordinierungskonferenz für Zahnmedizinische Fachangestellte der Landeszahnärztekammern hat Kurbjuhn das Konzept des individualisierten Lernens den Referenten vorgestellt.

Kompetenzorientierung, selbstgesteuertes Lernen und Lerncoach-Beratung der ZFA-Azubis sieht auch Dr. Sebastian Ziller, Abteilungsleiter für Prävention und Gesundheitsförderung bei der BZÄK, als „sinnvolle Instrumente an, um den Unterricht so zu gestalten, dass er die heutige Berufsschülergeneration anspricht und begeistert“. Allerdings sei es aus BZÄK-Sicht nach wie vor erforderlich, dass fachspezifische Themen durch zahnärztliche Kollegen in der Berufsschule vermittelt werden. Gesundheitslehrer können die Spezifika einer Zahnarztpraxis laut Ziller nur eingeschränkt vermitteln.

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