Behindertenzahnheilkunde

Inklusion ist mehr als Barrierefreiheit

Im zweiten Teil der zm-Reihe zur Behandlung von Patienten mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung wird der Umgang mit dieser für den Zahnarzt besonderen Patientengruppe erläutert.

Nicht nur ein barrierearmer Zugang zur Praxis sollte selbstverständlich sein - sondern auch die Beherzigung verschiedener Grundregeln, wenn es um die Behandlung von Menschen mit Behinderung geht. Foto: [M]zm-km-RioPatuca Images-Fotolia

Wer ist der Ansprechpartner? Gibt es einen rechtlichen Betreuer? Wird der Patient über eine Magensonde ernährt? Bei Patienten mit Behinderung empfiehlt es sich, vor dem Erstkontakt durch einen Zusatzanamnesebogen Hintergrundinformationen abzufragen. Foto: [M]zm-km-MEV
Menschen mit geistiger Behinderung lassen sich nicht in ein starres Terminsystem zwängen: Spezielle Sprechzeiten helfen dabei auch den Begleitpersonen, die unruhige Patienten im Wartezimmer nicht ständig maßregeln müssen. Fotos: [M]zm-km-MEV
Ein freundliches Gesicht ist unerlässlich: Menschen mit geistiger Behinderung reagieren stark auf Emotionen. Die nonverbale Kommunikation ist deswegen beim Arzt-Patienten-Gespräch von immenser Bedeutung. Fotos: [M]zm-km-MEV

Die baulichen Aspekte von Barrierefreiheit sind schon vielfach beschrieben worden. Unter anderen hat auch die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) praxistaugliche Hinweise zusammengestellt [Check- liste Barrierearme Praxis, KZBV]. Menschen mit Behinderung reagieren häufig sehr sensibel auf „atmosphärische Störungen“. Werden Zahnarztbesuche gut vorbereitet, können diese angstfrei für den Patienten und ohne Stress und Hektik für die Begleitperson und das zahnmedizinische Praxisteam ablaufen. Wartezeiten verunsichern viele Patienten mit geistiger Behinderung und werden auch von deren Begleitpersonen, die sich während der Wartezeit um ihre Klienten kümmern müssen, als anstrengend empfunden [Schäfer-Walkmann, Traub, Häussermann, Walkmann; 2015]. Meist ist es besser, den Zahnarztbesuch dem Patienten erst am Tag des Besuchs anzukündigen, um unnötige Unruhe und Schlafstörungen zu vermeiden.

Es dürfen keine Nichtsätze, etwa „Es wird nicht weh tun.“, verwendet werden. Der Besuch beim Zahnarzt muss als etwas Selbstverständliches und Unspektakuläres vermittelt werden. Ist eine Behandlung in Lokal-anästhesie geplant, sollte der Patient schon vorher gegessen haben. Nicht zur gewohnten Uhrzeit essen zu dürfen, ist für manche geistig behinderten Patienten schlimmer als die zahnärztliche Behandlung an sich. Ängste, insbesondere in unbekannter Umgebung, können Abwehr auslösen. Eine vertraute Person kann durch Nähe, Körperkontakt und Zuspruch Ruhe und Sicherheit vermitteln. Auch ein Kuscheltier oder ein wichtiger persönlicher Gegenstand kann helfen.

Hintergrundinformationen über Zusatzanamnesebogen abfragen

Alle Beteiligten sollten bemüht sein, eine freundliche, angstfreie Atmosphäre aufzubauen. Einen Flyer mit Informationen für Angehörige und Betreuende, der in Zusammenarbeit mit Angehörigenvertretern ausgearbeitet wurde, stellt die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg zum Download zur Verfügung. Vor dem Erstkontakt empfiehlt es sich, durch einen Zusatzanamnesebogen wichtige Hintergrundinformationen abzufragen, die über die medizinischen Belange hinausgehen: Bestehen über die geistige Behinderung hinaus noch andere Beeinträchtigungen zum Beispiel Körperbehinderung oder Sinnesbehinderung? Was ist der Grund des Besuchs? Handelt es sich um einen Vorsorgetermin, der zum gegenseitigen Kennenlernen genutzt werden kann oder besteht Behandlungsbedarf und damit auch Handlungsdruck?

So ist die Art der Unterbringung ein wichtiger Hinweis auf den Umfang der häuslichen Betreuung. Wichtig zu wissen ist, wer zum Beispiel für Terminabsprachen der richtige Ansprechpartner und wie dieser zu erreichen ist. Ansprechpartner können Angehörige, Wohngruppenleiter oder Mitarbeiter des ambulant betreuten Wohnens sein.

Darüber hinaus werden, sofern eine Betreuung eingerichtet wurde, die Kontaktdaten des rechtlichen Betreuers abgefragt. Insbesondere die Telefonnummer (für Aufklärungsgespräche) und die Fax-Nummer (für Aufklärungsbögen, die zu unterzeichnen sind) sollten in den Patientenstammdaten hinterlegt werden. Neben der Art und der Ursache der Behinderung ist es schon im Vorfeld hilfreich zu wissen, ob es sich um einen Rollstuhlfahrer handelt und ob dieser in einen zahnärztlichen Stuhl umgelagert werden kann. Wird der Patient überwiegend per Magensonde ernährt, besteht ein erhöhtes Aspirationsrisiko. Die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit kann durch einen kurzen psychosozialen Kurzbefund erhoben werden. Verständigung und sprachliches Verständnis, emotionale Stimmungslage, Problemverhalten, Durchführung der Zahnpflege, Verlauf bisheriger Zahnarztbesuche und -behandlungen et cetera. Ein Beispiel eines solchen Zusatzanamnesebogens für Patienten mit Behinderung hat die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg entwickelt und zum Download bereitgestellt.

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