Portal für Transplantationsbeauftragte

Mehr Austausch, mehr Spenden

Die Bereitschaft der Deutschen, ein Organ zu spenden, ist nach mehreren Skandalen im Keller. Mehr Transparenz soll dem entgegenwirken – unter anderem sollen sich die Transplantationsbeauftragten besser vernetzen.

Jeden Tag werden bundesweit in rund 50 Transplantationszentren insgesamt durchschnittlich elf Organtransplantationen durchgeführt. Gleichzeitig sterben aber statistisch gesehen jeden Tag drei Menschen, die mit einer Organspende hätten gerettet werden können. Foto: © missbobbit – Fotolia.com

12 000 Patienten warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Eine neue Niere zum Beispiel benötigen etwa dreimal so viele Menschen, wie Transplantate vermittelt werden können. Die Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigen außerdem, dass die Anzahl der Organ- spenden mehrere Jahren rückläufig war. Im Jahr 2014 gab es dann bundesweit 864 Organspender. Damit stabilisierte sich die Spenderzahl auf niedrigem Niveau. Vor drei Jahren hat der Bundestag Änderungen des Transplantationsgesetzes (TPG) von 1997 beschlossen – mit dem Ziel die Organspende-Bereitschaft zu erhöhen. Seit dem 1. August 2012 sind nun Entnahme krankenhäuser verpflichtet, Transplantationsbeauftragte zu benennen. Diese sind unter anderem dafür verantwortlich, dass die Angehörigen von Spendern in angemessener Weise begleitet werden und dass das ärztliche und pflegerische Personal im Entnahmekrankenhaus über die Bedeutung und den Prozess der Organspende regelmäßig informiert wird (§ 9b TPG).

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) möchte jetzt die Transplantationsbeauftragten in ihrer Funktion als Multiplikatoren für das Thema Organspende unterstützen. „Damit sich die Transplantationsbeauftragten über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen austauschen können, soll die Netzwerkbildung gefördert werden“, erläutert Dr. Heidrun M. Thaiss, Leiterin der BZgA. Dafür wurde ein passwortgeschütztes Online-Portal eingerichtet, das als Austauschplattform dient. „Die Aufgaben und die Kompetenzen des Transplantationsbeauftragten zukünftig zu stärken und zu verbessern setzt voraus, dass man Erfahrungen austauschen kann, sich gegenseitig unterstützt und auf dem aktuellen Stand ist“, erläutert Nadja Komm, Transplantationsbeauftragte des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Plattform sei einer der entscheidenden Bausteine, „um die professionelle Weiterentwicklung des komplexen und weitreichenden Themas Organspende in den Krankenhäusern zu etablieren“, erläutert Komm. Und so funktioniert es: Ihren individuellen Zugang zur Plattform auf www.organspende-info.de/login können Transplantationsbeauftragte mit einer E-Mail an organspende@bzga.de unter Angabe ihres Klinikums anfordern. Im Login-Bereich stehen verschiedene Informationsmaterialien zum Download bereit, etwa die siebenteilige dokumentarische Filmreihe „Organspende – Engagement und Profession“, die den Organspende- und Transplantationsprozess Schritt für Schritt schildert. Sie soll dazu beitragen, Vertrauen in die Organspende zu schaffen und etwaige Ängste und Vorbehalte durch sachliche Information abzubauen.

Aufklärung durch Flyer

Als weiteres Unterstützungsangebot stellt die BZgA einen personalisierbaren Flyer mit dem Titel „Ihr Transplantationsbeauftragter stellt sich vor“ zur Verfügung. Mit diesem Flyer können sich Transplantationsbeauftragte im Krankenhaus als Ansprechpartner bekannt machen. Sie können dafür ihr Foto, das Logo ihres Krankenhauses sowie ein Statement und eine Kurzbeschreibung ihres Aufgabengebiets einbringen. Die BZgA druckt die Flyer auf eigene Kosten und stellt sie den Transplantationsbeauftragten zur Verfügung. Der Login-Bereich ist zudem als Austauschplattform angelegt. Hier können Transplantationsbeauftragte auch eigene Beiträge sowie Veranstaltungstermine einstellen.

„Die verpflichtende Benennung und die Tätigkeit von Transplantationsbeauftragten bietet eine große Chance, das beschädigte Vertrauen in die Organspende wieder zurückzugewinnen“, berichtet die Leiterin der BZgA, „Transplantationsbeauftragte arbeiten an einer Schlüsselstelle im Organspendeprozess. Sie sind die Anwälte der Patienten und Angehörigen und sorgen dafür, dass der Wille eines Verstorbenen für oder gegen eine Organspende berücksichtigt und gewahrt wird.“

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