Laumanns neues Konzept

Unterwegs zum echten Pflege-TÜV

Prüfberichte mit Schulnoten haben sich als nicht zielführend erwiesen, um Transparenz in die Qualität von Pflegeeinrichtungen zu bringen. Jetzt plant der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, ein völlig neues Qualitätsprüfungs- und Veröffentlichungssystem für den Bereich: Neben den Kassen sollen auch betroffene Verbände vertreten sein.

Ein neues Pflegekonzept ist angestoßen: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen die Qualität der Pflege besser einschätzen können. Foto: © drubig-photo – Fotolia.com

Woher soll man wissen, ob in einer Einrichtung auch wirklich gut gepflegt wird? Um in dieser Frage für mehr Transparenz zu sorgen, hat der Gesetzgeber 2009 die Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) eingeführt. Prüfberichte mit zusammenfassenden Schulnoten sollen seitdem auf einen Blick die jeweilige Pflegequalität in einer ambulanten oder in einer stationären Pflegeeinrichtung verdeutlichen. Doch was in der Theorie so schön klang, hat in der Realität nicht funktioniert und soll nun wieder abgeschafft werden. Das hat der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), im April in Berlin mitgeteilt. „Die Pflegenoten sind gescheitert. Bundesgesundheitsminister Gröhe hat mich gebeten, ein aussagekräftigeres System für Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen zu erarbeiten“, so Laumann. Das bisherige Notensystem hatte zuletzt eine bundesweite Durchschnittsnote aller Pflegeeinrichtungen von 1,3 ergeben. Laumann erklärte, dass es aufgrund einer solch unrealistisch guten Benotung einfach nicht möglich gewesen sei, eine aussagekräftige Information über die tatsächliche Pflegequalität in einer Einrichtung zu erhalten.

Der Pflegebevollmächtigte kündigte deshalb an, bereits ab Anfang 2016 die Veröffentlichung von Schulnoten einzustellen. Statt der bisherigen Noten sollen übergangsweise leicht verständliche Kurzzusammenfassungen der MDK-Prüfberichte veröffentlicht werden, mit deren Hilfe Pflegebedürftige und ihre Angehörigen die Qualität von ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen besser einschätzen und vergleichen können. Laumann beauftragte den GKV-Spitzenverband damit, bis Ende 2015 einheitliche Vorgaben für die Erstellung dieser Kurzberichte zu erstellen.

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Entbürokratisierung

Von einem durchschnittlichen Acht-Stunden-Tag verbringt eine Pflegekraft jeden Tag rund eine Stunde mit der Pflegedokumentation. Der finanzielle Aufwand allein dafür, so schätzt es das Statistische Bundesamt, entspricht jährlich etwa 2,7 Milliarden Euro. Das soll sich nun ändern: Mitte April hat der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, das neue „Strukturmodell zur Pflegedokumentation“ vorgestellt. Die Dokumentationen in der stationären und in der ambulanten Pflege sollen mit dem Strukturmodell auf die wesentlichen Aspekte und dadurch im Umfang deutlich reduziert werden. Für die Pflegeanbieter bietet das neue Strukturmodell nicht nur verkürzte Dokumentationszeiten, sondern auch bundesweit Rechtssicherheit. Die Dokumentation gemäß Strukturmodell wird von den Medizinischen Diensten der Krankenversicherung im Rahmen der Qualitätsprüfungen akzeptiert. Die Teilnahme am neuen Strukturmodell ist freiwillig.

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