Honorarberatung

Transparenz gegen Bares

Zurzeit bastelt die europäische Finanzaufsichtsbehörde ESMA an neuen Vorgaben für die Beratung der Kunden bei der Geldanlage. Eigentlich wollte man in Brüssel der her-kömmlichen provisionsbasierten Beratung ein Ende setzen und der Honorarberatung zum Durchbruch verhelfen. Doch jetzt läuft es wieder auf einen Kompromiss heraus. Nun ist einmal mehr der Kunde gefragt, der sich den Durchblick selbst verschaffen muss, um zu einer möglichst optimalen Geldanlage zu gelangen.

Hartnäckig hält sich unter Anlegern das Gerücht, dass die Beratung an den Tresen der Banken und Sparkassen für die Kunden umsonst ist. Der nette Berater hält eine Empfehlung für die Anlage bereit und er weiß, was am besten geeignet ist, kennt er doch seit Jahren den Kontostand sowie die beruflichen und familiären Gegebenheiten seines Gegenübers. Eigentlich sind dies ja auch die optimalen Voraussetzungen für die Entwicklung einer sinnvollen Anlagestrategie, wäre da nicht die Tatsache, dass der Bankangestellte in erster Linie seinem Arbeitgeber verpflichtet ist. Und dieser bestimmt, welche Fonds oder anderen Anlagen verkauft werden müssen. Im Sinne der Bank dürften das diejenigen sein, an denen das Haus am meisten verdient, also die mit den höchsten Provisionen. Diese fließen zum Beispiel bei Investmentfonds in Form von Ausgabeaufschlägen und Verwaltungsgebühren. Der Kunde überweist seinen Anlagebetrag und die Kosten für die Anlage werden automatisch abgezogen. Er merkt also gar nicht, dass seine Investition gleich um ein paar Hundert Euro schmaler ausfällt.

Verbraucherschützer wettern seit Jahren gegen diese Praxis. So auch Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband: „Die Provisionsberatung ist scheinbar kostenlos. Das Preisschild für diese Dienstleistung fehlt einfach.“ Ihrer Meinung nach müssen Bankkunden besser aufgeklärt werden. Als wirksames Gegenmittel zur provisions-basierten Beratung empfiehlt sie die Honorarberatung. Das Konzept: Der Kunde bezahlt den Berater für passgenaue Anlage- und Vorsorgeempfehlungen. Und weil der Berater sein Honorar vom Kunden bekommt und nicht auf Provisionen angewiesen ist, rät er ihm ausschließlich zu Produkten, die seinem Klienten von Nutzen sind. So der Idealfall.

Gewerbeamt passt auf

Die Voraussetzungen dafür sollte ein Gesetz „zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente“ schaffen, das seit August vergangenen Jahres in Kraft ist. Es erklärt, was Honorarberatung bedeutet, und verpflichtet Provisionsberater offenzulegen, wie sie sich finanzieren. Die Honorarberater werden in zwei Gruppen eingeteilt: Honoraranlageberater sind in der Regel bei Banken angestellt und beraten zum kompletten Angebot von Wertpapieren wie Aktien oder Zertifikate. Sie unterstehen der Aufsicht der BaFin. Dort müssen sie registriert sein. Berater, die nur so tun, als ob sie gemeldet sind, riskieren 50 000 Euro Bußgeld. Die Gruppe der Honoraranlagefinanzberater darf nur Investmentfonds und öffentlich angebotene geschlossene Fonds anbieten. Sie wird von den Gewerbeämtern beaufsichtigt.

Für beide Gruppen gelten strenge Regeln. Sie dürfen ausschließlich Honorarberatung anbieten. Empfehlen sie ein Produkt, das es nur auf Provisionsbasis gibt, müssen sie die Provisionen an ihre Kunden weiterreichen. Streicht der Berater einen Teil selbst ein, drohen ihm bis zu 100 000 Euro Strafe. Angestellte Honorarberater dürfen nicht nur hauseigene Produkte anbieten, sondern müssen eine breite Palette mit Angeboten bereithalten. Gibt es in derselben Firma auch Provisionsberater, müssen diese Bereiche klar getrennt sein. Honorarberatung hat ihren Preis. Wer sein Vermögen individuell verwalten lässt, zahlt dafür meist zwischen 1 und 1,5 Prozent pro Jahr von der verwalteten Summe. Einmalige Beratungen liegen zwischen 100 und 200 Euro pro Stunde. Erfahrungswerte der Verbraucherschützer belegen, dass eine Erst-beratung etwa drei bis vier Stunden dauert.

Unterm Strich steht dann ein Honorar zwischen 400 und 800 Euro, für die meisten Sparer zu viel, zumal die Summe auch fällig wird, wenn man den Empfehlungen des Beraters nicht folgt. Seit vergangenem Jahr müssen die Berater darüber informieren, ob sie Provisionen kassieren oder nicht, allerdings nicht über deren Höhe. Dass eine provisionsbasierte Beratung letztendlich noch mehr kosten kann, wird erst dann deutlich, wenn alle Zahlungen offengelegt werden.

Info

Tipps für die Wahl des Beraters

  • Suche
    Geht es um Versicherungen, empfiehlt es sich, einen Versicherungsberater aufzusuchen. Sie unterliegen strengen Regeln und arbeiten ausschließlich auf Honorarbasis. Im Internet findet man sie unter www.bvvb.de. Honorarberater findet man über das Kontaktformular auf der Homepage des Verbunds Deutscher Honorarberater www.verbund-deutscher-honorarberater.de.

  • Auswahl
    Bei der Auswahl des Beraters ist es hilfreich, sich zunächst im Internet über seine Qualifikation, den Vermittlerstatus und seine Preise zu informieren.

  • Erstgespräch
    Dann vereinbart man einen Termin für ein Erstgespräch. Bei dieser Gelegenheit kann man sich einen Eindruck verschaffen, nach Referenzen fragen und die Glaubwürdigkeit des Beraters überprüfen.

  • Vertrag
    Überzeugt der Berater, sollte man mit ihm einen Beratungsvertrag abschließen, in dem er versichert, keine Provisionen zu nehmen. Meist ist es vorteilhafter, eine Bezahlung pro Stunde zu vereinbaren. Andere Vergütungsmodelle sollte man genau prüfen. Außerdem sollte der Berater einen Kostenvoranschlag über das voraussichtliche Honorar erstellen.

Honorar statt Provision

Dazu Mohn: „Es sollte eine richtige Abrechnung gemacht werden. Außerdem stört mich der Kostenvergleich zwischen Honorar- und Provisionsberatung. Es geht doch um mehr. Die Honorarberatung bewahrt mich vor Fehlentscheidungen, die mich möglicherweise noch mehr Geld kosten würden.“ Dass die Honorare weniger abschreckend sein können als vermutet, hat das Verbraucherportal Finanztip gezeigt: „Bereits ab einer Geldanlage von durchschnittlich 5 500 Euro ist eine Honorarberatung güns-tiger als eine Vermittlung auf Provision.“

An weiteren Maßnahmen, die Honorar- beratung als System zu implementieren, arbeiten derzeit Experten der ESMA. Die European Securities and Markets Authority soll die politischen Vorgaben der überarbeiteten Finanzmarktrichtlinie Mifid II ausarbeiten, damit die Länder sie in die Praxis umsetzen können. Ziel ist, von 2017 an das Wertpapiergeschäft in Europa so sicher zu machen wie möglich. Und so sehen die Vorschläge der ESMA für die Beratung aus: Danach dürfen Banken und Sparkassen ihre Provisionseinnahmen künftig nicht mehr nutzen, um damit die Kosten für den laufenden Geschäftsbetrieb wie Miete, Personal und IT-Aufwendungen zu decken. Außerdem sollen sie auch Produkte von Anbietern verkaufen, zu denen keine Geschäftsbeziehungen bestehen. Inzwischen stecken die Aufseher zurück. Jetzt heißt es, dass die Geldindustrie Provisionen nur noch zur Qualitätsverbesserung der Kundenberatung einsetzen darf. Doch selbst diese vage Formulierung macht der Branche Angst. Sie läuft Sturm. So änderten die Sparkassen zum 15. April dieses Jahres ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Sie informierten ihre Kunden schriftlich darüber, dass sie die Provisionen von Drittanbietern wie etwa Fondsgesellschaften einbehalten werden, um die Beratung weiterhin finanzieren zu können. Wer nicht fristgerecht wider- sprochen hat, erklärte sich automatisch mit den neuen AGB einverstanden. Und der Bundesverband der Banken (BdV) „warnt vor dem Ende der Provisionsberatung“. BdV-Experte Andreas Krautscheid meint: „Nur mit der Provisionsberatung können wir alle Bevölkerungsschichten in der Fläche erreichen. Eine Beratung auf Honorarbasis lohnt sich nur für sehr reiche Kunden und wird in Deutschland kaum angenommen.“

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