Zahnmedizin

Behindertenzahnheilkunde: Krankheiten erkennen und behandeln

Besteht eine generelle Abwehr gegen zahnmedizinische Eingriffe, ist es sicherer, bei Patienten mit geistiger Behinderung eine Behandlung in Vollnarkose durchzuführen. Sonst gilt aber: Behandlungen lieber im Wachzustand durchführen. Foto: [M]zm-km-eyetronic – Fotolia.com
Wesentlichen Einfluss auf die Kooperationsbereitschaft des Patienten hat die Unterstützung durch Vertrauenspersonen. Foto: [M]zm-km-Ocskay Bence-Fotolia
Menschen mit geistiger Behinderung reagieren stark auf Emotionen. Die nonverbale Kommunikation ist deswegen beim Arzt-Patienten-Gespräch von immenser Bedeutung. Foto: [M]zm-km-MEV

Personenadäquate Therapien entwickeln

Bei der Behandlung von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung muss gelegentlich von der üblicherweise durchgeführten Therapie und von den allgemein geltenden Standards abgewichen werden, da eine Behandlung nicht oder nur mit schlechter Prognose durchführbar ist. Dann wird es erforderlich, individuelle Behandlungsziele und Behandlungswege zu definieren. Werden Kompromisse eingegangen, müssen diese individuell begründet und dokumentiert werden. Die Begründung „geistige Behinderung“ genügt nicht. Das Vorliegen einer geistigen Behinderung darf niemals allein Grund sein, einem Patienten eine Behandlung vorzuenthalten. Auch „mangelnde Compliance“ oder ähnliche Ablehnungsgründe sind gut zu begründen.

Die Überwindung von Abwehrverhalten durch Festhalten bei medizinischen Eingriffen (zum Beispiel bei der Blutabnahme) ist trotz aller Geduld und pädagogischem Geschick nicht immer vermeidbar und wird innerhalb der Ärzteschaft unter ethischen Gesichtspunkten kontrovers diskutiert. Deshalb sollten auch bei zahnmedizinischen Behandlungen Entscheidungen gegen den Willen des Patienten und Kompromissbehandlungen immer mit den rechtlichen Betreuern und den betreuenden Personen diskutiert und im Einvernehmen getroffen werden. Bei unterschiedlicher Auffassung ist die Meinung des rechtlichen Betreuers maßgebend.

Für eine adäquate zahnmedizinische Therapie von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, die einer allgemein üblichen zahnärztlichen Behandlung nicht oder nur bedingt zugänglich sind, ist die enge Zusammenarbeit mit einem Anästhesieteam eine wichtige Säule eines umfassenden Behandlungskonzepts für diese Patientengruppe. Die Anwendung von Fixationsgurten oder ein gewaltsames Festhalten sind aus rechtlichen und ethischen Gründen absolut obsolet.

Lieber im Wachzustand behandeln

Müssen nur kleinere, wenig belastende Eingriffe durchgeführt werden, kann dies in den allermeisten Fällen im Wachzustand erfolgen. Grundlage ist ein belastbares Vertrauensverhältnis zwischen Behandler und Patient. Es dauert oft mehrere Sitzungen und manchmal auch Jahre, bis eine Vertrauensbasis gewachsen ist, die Behandlungen im Wachzustand zulässt. Regelmäßig durchgeführte prophylaktische Maßnahmen können dabei den Weg ebnen.

Die beschriebenen Kooperationsstufen (zm 9/2015) sind eine wichtige Hilfe bei der Entscheidungsfindung und -begründung. Wesentlichen Einfluss auf die Kooperationsbereitschaft hat die Unterstützung durch Vertrauenspersonen. Nicht jede Begleitperson ist auch eine Vertrauensperson. Manchmal gelingt eine Behandlung, wenn eine andere Person den Patienten zur Behandlung begleitet. Und nicht zuletzt kommt es auf die Tagesverfassung an.

Auch wenn absehbar ist, dass eine Behandlung in Vollnarkose erfolgen muss, sollte wenigstens ein Versuch im Wachzustand unternommen werden. Nicht selten täuscht man sich und urteilt vorschnell. Darüber hinaus sollte ein gescheiterter Behandlungsversuch im Wachzustand aus rechtlichen Gründen dokumentiert sein, bevor die Indikation zur Behandlung in Narkose gestellt wird.

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