Zahnmedizin

Behindertenzahnheilkunde: Krankheiten erkennen und behandeln

Besteht eine generelle Abwehr gegen zahnmedizinische Eingriffe, ist es sicherer, bei Patienten mit geistiger Behinderung eine Behandlung in Vollnarkose durchzuführen. Sonst gilt aber: Behandlungen lieber im Wachzustand durchführen. Foto: [M]zm-km-eyetronic – Fotolia.com
Wesentlichen Einfluss auf die Kooperationsbereitschaft des Patienten hat die Unterstützung durch Vertrauenspersonen. Foto: [M]zm-km-Ocskay Bence-Fotolia
Menschen mit geistiger Behinderung reagieren stark auf Emotionen. Die nonverbale Kommunikation ist deswegen beim Arzt-Patienten-Gespräch von immenser Bedeutung. Foto: [M]zm-km-MEV

Drei spezielle Patientengruppen

Auf drei große Patientengruppen soll im Folgenden wegen ihrer typischen zahnmedizinischen Fragestellungen und Risiken gesondert eingegangen werden.

Risiken bei Patienten mit ...Down-Syndrom

Auch erwachsene Menschen mit Down-Syndrom benötigen eine sehr engmaschige zahnmedizinische Betreuung. Viele Patienten mit Down-Syndrom besitzen ein geschwächtes Immunsystem, was oft – in etwa zwei Dritteln der Fälle – schon sehr früh, ab dem 30. Lebensjahr, zu einer rasch fortschreitenden Parodontitis führen kann [Franz, 2001; Cichon et al., 1999].

Schon geringer Attachmentverlust führt zu Lockerungen und zu frühen Zahnverlusten, da die Zahnwurzeln meist sehr klein sind. Typisch ist der frühe Verlust der unteren Schneidezähne. Festsitzender Zahnersatz ist wegen der Mikrodontie häufig nicht möglich. Auch besteht oft ein Missverhältnis zwischen dem zu kleinen Oberkiefer und dem Unterkiefer, so dass Kreuzbisssituationen gehäuft auftreten. In Verbindung mit einer Makroglossie und der generellen Hypotonie der perioralen Muskulatur ist die Anfertigung von herausnehmbarem Zahnersatz sehr schwierig. Menschen mit Down-Syndrom erkranken häufiger und früher an Demenz. Lebenslange präventive Maßnahmen sind daher für Patienten mit Down-Syndrom wichtig. Vor Zahnreinigungen oder vor invasiven Eingriffen sollte bei Patienten mit Down-Syndrom abgeklärt werden, ob eine Endokarditisprophylaxe notwendig ist, da Herzvitien gehäuft auftreten.

... Epilepsie

Epilepsie tritt bei Menschen mit geistiger Behinderung häufiger auf als in der Gesamtbevölkerung. Die durch Hydantoinabkömmlinge (Phenytoin) induzierten Gingivawucherungen sind nur noch selten zu sehen, da vermehrt andere Antiepileptika verordnet werden.

Bevor herausnehmbarer Zahnersatz hergestellt wird, sollte abgeklärt werden, ob und wenn ja, wie oft und welche Art von Anfällen auftreten. Treten nur gelegentlich kurze Absencen oder einfache fokale Anfälle ohne Bewusstseinsstörung auf, können bedenkenlos Prothesen eingegliedert werden. Vorsicht und eine gute Abwägung unter Hinzuziehung der Betreuenden ist bei Patienten mit Anfällen, die mit Bewusstseinsstörungen einhergehen, geboten. Nachts sollten Patienten mit Epilepsie grundsätzlich ihre Prothesen herausnehmen.

Da nichtanfallsfreie Patienten mit Epilepsie häufiger stürzen und sich dann auch oft Zahnverletzungen zuführen, muss bei der Herstellung von Zahnersatz an die Reparaturfähigkeit gedacht werden. Festsitzender Zahnersatz in der Front kann mit Kunststoff vestibulär verblendet werden. Das Gerüst besitzt Makroretentionen, so dass frakturierte Verblendungen ohne großen Aufwand im Mund erneuert werden können.

... Cerebralparese

Die (infantile) Cerebralparese bezeichnet Bewegungsstörungen, die durch frühkindliche Hirnschädigungen hervorgerufen wurden. Nahezu die Hälfte der Patienten mit CP besitzt jedoch eine normale Intelligenz oder ist nur geringgradig geistig behindert.

Patienten mit CP sitzen meist in individuell angepassten Pflegerollstühlen. Eine Umlagerung auf den zahnärztlichen Behandlungsstuhl ist oft schwierig, da viele Patienten wegen Skoliosen dann sehr gut mit Kissen gestützt werden müssen, um Druckstellen und damit Schmerzen durch eine falsche Lagerung zu vermeiden. Viele CP-Patienten knirschen und bruxieren enorm. Der Zahnhartsubstanzverlust kann sogar bis zur Eröffnung der vitalen Pulpa fortschreiten. Aufbissbehelfe haben zwar kaum Einfluss auf die Parafunktionen, schützen aber die Zähne.

Bei der Anfertigung von Schienen (und von Prothesen) ist zu beachten, dass sie stramm sitzen und groß genug sind, weil bei vielen CP-Patienten wegen eines erschwerten Schluckakts ein erhöhtes Aspirationsrisiko besteht. Man kann dann Oberkieferschienen mit abgedecktem Gaumen fertigen lassen, damit diese groß genug sind, die Atemwege nicht verlegen zu können, wenn sie sich lösen oder wenn sie beim Ein- und Aus- gliedern aus den Fingern gleiten.

Schluckstörungen (Dysphagien) mit Gefahr der Aspiration kann man testen, indem man die Patienten auffordert, einen Schluck Wasser zu trinken. Intervenieren die Begleiter oder erkennt man, dass der Patient nicht regelrecht schlucken kann, ist Vorsicht geboten. Viele Patienten mit ausgeprägten Schluckstörungen sind PEG- oder PEJ-Sondenträger. Über die PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie) besteht ein Zugang zum Magen, über die PEJ-Sonde (perkutane endoskopische Jejunostomie) zum oberen Teil des Dünndarms. Somit ist eine enterale (über den Magen-Darm-Trakt) Ernährung über Sondenkost möglich und die Patienten müssen nicht parenteral über Infusionen ernährt werden. In der Zahnarztpraxis sieht der Zahnarzt die Sonden nicht, da der Zugang durch die Bauchdecke führt und damit unter der Kleidung liegt. Dies sollte im Vorfeld abgefragt werden.

Bei Patienten mit Schluckstörungen muss sehr sorgfältig abgesaugt werden. Am besten lässt man die Patienten im Pflegerollstuhl sitzen und stellt die Rückenlehne senkrecht, so dass das Wasser nach vorn in eine Nierenschale oder in einen saugfähigen Umhang abfließen kann. Bei der Verwendung von kleinen Speichelziehern, muss darauf geachtet werden, dass die kleinen Kappen an der Saugkanülenspitze sich nicht lösen können, wenn der Patient unvermittelt zubeißt. Am besten entfernt man die Käppchen vor der Behandlung.

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