Rheuma und orale Gesundheit

Parodontitis und Rheumatoide Arthritis

Eine Parodontitis und rheumatische Erkrankungen sind durch eine chronische Entzündung am Knochen gekennzeichnet, die sich bei der Parodontitis lokal, bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen systemisch manifestiert. Studien haben gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen der Parodontitis und rheumatischen Erkrankungen gibt. Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis haben ein deutlich höheres Risiko für das Vorhandensein einer Parodontitis. Offenbar sind die Bakterien, die bei der Parodontitis eine Rolle spielen, auch mitverantwortlich für das Entstehen einer Entzündung im Gelenk.

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Abbildung 5: Gingivahyperplasie unter immunsuppressiver Therapie mit Ciclosporin A. U. Lange, Kerckhoff-Klink, Bad Nauheim

Abbildung 1: Vermutete Assoziation zwischen Parodontitis und Rheumatoider Arthritis. Albrecht et al.
Abbildung 2: Zusammenhang zwischen vorzeitigem Zahnverlust und Krankheitsaktivität der Rheumatoiden Arthritis. Albrecht et al.
Abbildung 3: Eingeschränkte Mundöffnung (Mikrostomie) und Verkürzung des unteren Zungenbands durch Sklerosierung bei systemischer Sklerose. U. Lange, Kerckhoff-Klink, Bad Nauheim
Abbildung 4: Tabaksbeutelmund mit verkleinerter Mundöffnung bei systemischer Sklerose. U. Lange, Kerckhoff-Klink, Bad Nauheim
Dr. med. Katinka Albrecht privat

Parodontitis und Rheumatoide Arthritis (RA) entstehen durch entzündliche Veränderungen am Zahnhalteapparat und an den Gelenken. Verschiedene klinische und experimentelle Beobachtungen der vergangenen Jahre haben Assoziationen zwischen beiden Krankheitsbildern gezeigt [Detert et al., 2010]. Bei beiden Erkrankungen werden proinflammatorische Zytokine (IL-1ß, IL6 und TNF-alpha) hochreguliert, was zu einer überschießenden Immunantwort führt [Wolff et al., 2014].

Bei der RA resultieren hieraus eine entzündliche Proliferation der Gelenkinnenhaut und nachfolgend der Abbau von Gelenk und Knorpel. Dieser Prozess führt zu Gelenkschwellungen, zu Fehlstellungen und zu einem Funktionsverlust. In der Gelenkflüssigkeit von RA-Patienten konnten Antikörper des bakteriellen Mikroorganismus „Porphyromonas gingivalis“ aus der Mundflora nachgewiesen werden.

Gleichermaßen wurde der Rheumafaktor, der bei der RA häufig positiv nachweisbar ist, in der Gingiva, in der subgingivalen Plaque und im Serum von Patienten mit einer Parodontitis gefunden [Detert et al., 2010]. Vermutet wird, dass die Bakterien die Bildung rheumaspezifischer Autoantikörper fördern (Abbildung 1). Porphyromonas gingivalis exprimiert eine für dieses Bakterium spezifische Peptidyldeaminase, die wiederum die Antikörperbildung gegen zyklische citrullinierte Peptide (CCP-Ak) hervorruft [Wolff et al., 2014].

Die Serumkonzentrationen von CCP-Ak zeigten sich bei Parodontitispatienten signifikant höher als bei Patienten mit gesundem Zahnfleisch [Lundberg et al., 2009]. Vielleicht wird auf diesem Weg die immunologische Toleranz für die Entstehung einer RA unterbrochen [Quirke et al., 2014]. Möglicherweise wird aber auch das lokale Milieu im Parodont und in den Gelenken so verändert, dass die parodontalpathogenen Keime sich vermehrt ansiedeln.

In der „Atherosclerosis Risk in Communities“ (ARIC)-Kohorte erhöhte eine mittelschwere bis schwere Parodontitis bei Nichtrauchern das Risiko für eine RA um das 2,6-Fache [Molitor et al., 2009]. Gänzlich bestätigt wurde das Ergebnis in zwei großen Surveys nicht [Arkema, 2010; Demmer, 2011]. In mehreren Studien belegt ist jedoch, dass Patienten mit einer manifesten RA häufiger an einer Parodontitis erkrankt sind als Gesunde [Wolff et al., 2014].

Die Autoren stellen außerdem Ergebnisse aus einer eigenen Fall-Kontroll-Studie aus Heidelberg dar. Hier war bei Patienten mit einer frühen RA (Symptomdauer 2 Jahre, n = 22) im Vergleich zu Gesunden bei vergleichbarer oraler Hygiene die Anzahl an verlorenen Zähnen erhöht (5,7 versus 1,9), sie hatten tiefere parodontale Taschen (3,4 mm versus 2,7 mm) und eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Blutung im Rahmen der zahnärztlichen Untersuchung (19 Prozent versus 9 Prozent) [Wolff et al., 2014].

Studie bestätigt: Frühe RA-Patienten leiden oft unter Parodontitis

In der bundesweiten Früharthritis-Kohorte „Course And Prognosis of Early Arthritis“ (CAPEA) bestätigte sich der hohe Anteil an Parodontitis bei frühen RA-Patienten. Um die Zusammenhänge zwischen Parodontitis und entzündlich-rheumatischen Krankheiten in epidemiologischen Studien an großen Fallzahlen bestimmen zu können, wurde im Rahmen dieser prospektiven Kohortenstudie ein Patienten-Fragebogen entwickelt, in dem die wichtigsten Parameter der Parodontitis (unter anderen Zahnzahl, Zahnfleischtaschen, zurückgehendes Zahnfleisch, gelockerte Zähne) abgefragt werden. Zusätzlich wurde eine semiquantitative Einschätzung des behandelnden Zahnarztes zum Schweregrad der Parodontitis erhoben und vorhandene Röntgenbilder der Patienten wurden evaluiert (n = 353).

Mithilfe der zahnärztlichen Angaben wurden die Sensitivität und die Spezifität des Fragebogens validiert. Die Patienten- angaben waren deutlich mit dem Parodontitis-Score des Zahnarztes assoziiert. Hiernach hatten 34 Prozent der untersuchten Patienten eine milde, 26 Prozent eine moderate und zehn Prozent eine schwere Parodontitis. 76 Prozent der Patienten hatten bereits bei Diagnose der RA eine reduzierte Zahnzahl (40 Prozent 20 bis 27 Zähne, 14 Prozent 10 bis 19 Zähne, 21 Prozent 10 Zähne, mittleres Alter 55 Jahre).

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