Erkrankungen mit hoher zahnmedizinischer Relevanz

Zahnmedizinische Krankheitsbilder in der Pädiatrie

Genetisch bedingte Krankheitsbilder, Entwicklungsstörungen sowie Infektionskrankheiten, Intoxikationen, Stoffwechselerkrankungen und Traumata, die im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter auftreten, haben für die zahnmedizinische Betreuung von Kindern und Jugendlichen im weiteren Verlauf ihres Lebens eine große Bedeutung.

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Abbildung 1: Zehnjähriger Junge mit typischen Stigmata der Trisomie 21: Zahndurchbruchsstörung, Hypodontie Fotos: Knuf

Abbildung 2: Gingivahyperplasie nach langjähriger Phenytoin-Behandlung Foto: Knuf
Ursachen ür Schmelz- und Dentinhypoplasien Tabelle: Knuf
Abbildung 3: Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Parodontitis. Quelle: modifiziert nach [Noack, 2008]
Abbildung 4: Stomatitis aphthosa durch Herpes-simplex-Virus Typ 1 Foto: Knuf
Abbildung 5: Erythema exsudativum multiforme majus Foto: Knuf
Abbildung 6: Koplik’sche Flecken bei Masern Foto: Knuf
Abbildung 7: Aphthe an der Zunge bei einem Jugendlichen mit Morbus Crohn Foto: Knuf
Abbildung 8: Folgen von Veränderungen, die zum Beispiel infolge einer Infektion am kindlichen Luftweg auftreten können im Vergleich zum Erwachsenen. Quelle: adaptiert nach [Klär-Hlawatsch, 2001]
Prof. Dr. Markus Knuf Foto: privat

Die Entwicklung der Zähne beginnt in der sechsten Embryonalwoche mit der epithelialen Differenzierung der Zahnleisten, ausgehend vom Mundschleimhautepithel. Vom vierten bis zum siebten Embryonal-monat finden wesentliche Entwicklungsschritte für die erste und die zweite Denti- tion statt. Die pränatale Entwicklung kann im Rahmen von genetischen Krankheiten, Infektionen (wie Lues connata; Tonnen- zähne im Verlauf) und Intoxikationen nachhaltig gestört werden. Zum Zeitpunkt der Geburt hat der Mineralisationsprozess bei allen Zahnkronen der ersten Dentition eingesetzt. Während all dieser Prozesse können Störungen eintreten, die für die weitere Entwicklung des Kindes pathologisch und für den Zahnarzt relevant sein können.

Zahndurchbruchsstörungen

Eine Reihe von syndromalen Krankheiten und Stoffwechselerkrankungen geht mit Zahndurchbruchsstörungen einher. Eine vorzeitige Zahneruption (Dens natalis) findet sich bei folgenden Krankheitsbildern (alphabetisch):

  • dentofaziales Syndrom

  • Ellis-van-Creveld-Syndrom

  • Hallermann-Streiff-Francois-Syndrom

  • Hypopituitarismus

  • Hyperthyreose

  • Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten

  • Pachyonychia congenita

  • Proteus-Syndrom (inkomplett, nur in betroffenen Kieferabschnitten)

  • Saldino-Noonan-Syndrom

  • Sotos-Syndrom

  • Sturge-Weber-Syndrom (inkomplett, nur     in betroffenen Kieferabschnitten)

Hiervon lassen sich Allgemeinerkrankungen und Syndrome mit verzögertem Zahndurchbruch (Dentitio tarda) abgrenzen. Hierzu gehören (alphabetisch):

  • Achondroplasie

  • Adenohypophyseninsuffizienz (TSH, ACTH, FSH, LH, STH, Prolaktin, MSH)

  • ektodermale Dysplasie

  • Epidermolysis bullosa

  • Dysostosis cleidocranialis und Dysostosis cleidofacialis

  • hereditäre Gingivofibromatose

  • Hypothyreose

  • Leukenzephalopathien

  • Mucopolysaccharidosen

  • Osteopetrose

  • Syndrome mit Kleinwuchs (Trisomie 21, Winchester-Syndrom und andere)

  • Vitamin-D-Mangel

Den meisten Erkrankungen ist ein charakteristischer Phänotyp oder eine zur Diagnostik führende Laborkonstellation eigen. Die Zahndurchbruchsstörungen stellen lediglich ein Begleitphänomen oder später eine anamnestische Angabe dar.

Zahnfehlbildungen

Genetisch bedingte Zahnfehlbildungen wie

  • Amelogenesis imperfecta,

  • Dentinogenesis,

  • Dentindysplasie oder

  • Odontodysplasie

haben weitreichende Konsequenzen für den Erhalt der Zähne bei Kindern und Jugendlichen und stellen eigenständige Krankheitsbilder dar. Von den genetisch bedingten Zahnfehlbildungen sind solche nicht genetischer Art abzugrenzen. Hierzu gehören allgemeine Schmelz- und Dentinhypoplasien. Tabelle 1 fasst die Ursachen für Schmelz- und Dentinhypoplasien zusammen.

Folgende Allgemeinkrankheiten und Syndrome gehen mit Schmelzstrukturanomalien einher (alphabetisch):

  • akrodentales Syndrom

  • Albright-Syndrom (Fibröse Dysplasie)

  • Amelo-Onchohypohidrose-Syndrom

  • brachioskeletalgenitales Syndrom

  • Epidermolysis bullosa

  • ektodermale Dysplasie / kranioektoder-male Dysplasie

  • Ellis-van-Creveld-Syndrom

  • fokale dermale Hypoplasie

  • Kearns-Sayre-Syndrom (Mitochondriale Myopathie)

  • Kieferbogen-Syndrome

  • Lenz-Majewski-Syndrom (Hyperostotischer Kleinwuchs)

  • Mukopolysaccharidose Typ IVA

  • okulodentoossäre Dysplasie

  • Pseudohypoparathyreoidismus

  • tuberöse Sklerose

  • Vitamin-D-resistente Rachitis

Hier ist der Phänotyp der Erkrankungen häufig sehr charakteristisch. Die Zahnfehlbildungen können bei der Diagnosefindung von großer Bedeutung sein. Daneben spielt das Symptom „Kleinwuchs“ (wie bei Trisomie 21) eine bedeutende Rolle. Von Kleinwuchs spricht man bei einer Körperlänge unterhalb der dritten Perzentile oder einem Längendefizit von mehr als zwei Standardabweichungen. „Hochwuchs“ (zum Beispiel Sotos-Syndrom) liegt bei einer Körperlänge oberhalb der 97. Perzentile oder einer Länge über der doppelten Standardabweichung vor. Diagnostisch wegweisend ist die Einordnung der Patientenparameter in sogenannte „Perzentilenkurven“.

Bei den sogenannten „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisationen (MIH)“ (Prävalenz in Europa zwischen vier und 25 Prozent) werden folgende Ursachen diskutiert:

  • Frühgeburtlichkeit, perinatale Hypoxie

  • Intoxikation (Dioxin, Biphenyle in der Muttermilch)

  • respiratorische Krankheitsbilder

  • Infektionskrankheiten

  • Störungen der Homöostase (Hypoparathyreoidismus, Vitamin-D-Hypovitaminose)

  • Malassimilationszustände (Malnutrition, Malabsorption, Zöliakie und andere)

Auch Abweichungen der Zahnzahl und der Zahngröße können bei syndromalen Erkrankungen oder „Allgemeinerkrankungen“ auftreten: Cockayne-Syndrom, Ellis-van-Creveld-Syndrom, ektodermale Dysplasie, fokale dermale Hypoplasie, Kiefer-Gaumen-Spalten, Rieger-Syndrom und Trisomie 21 (Abbildung 1).

Zahnverfärbungen sind klinisch sichtbare Abweichungen von der normalen Zahnfarbe. Sie entstehen durch Strukturveränderungen und Einlagerungen von Farbstoffen vorwiegend in die Zahnpulpa. In der Pädiatrie kommen Struktur- und Dimensionsänderungen im Zahnschmelz unter anderem bei Karies und nach Traumata vor. Farbstoffeinlagerungen finden sich bei Hepatitiden, hämorrhagischen Blutungen/Nekrosen, Gallenwegserkrankungen und durch Tetrazyklineinlagerung (bei unsachgemäßem Gebrauch).

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