Big Data und Gesundheitswesen

Der Mensch in der Cloud

Mit E-Health auf die Datenautobahn, mit Self-Tracking auf die Fitness-Überholspur, mit Big Data in die Schöne Neue Welt? Die Digitalisierung verändert unser Gesundheitssystem - alle Chancen und Risiken inbegriffen.

Daten wachsen explosiv – und verbreiten sich im World Wide Web. tai111 – Fotolia.com

Technische Innovation und die Angst vor deren Missbrauch gehen oft Hand in Hand. Könnte es nicht lebensrettend sein, auf der elektronischen Gesundheitskarte bei einem Notfall auf einen Blick zu sehen, welche Arzneimittelunverträglichkeiten, Allergien oder chronischen Krankheiten beim Patienten vorliegen? Wäre es nicht hilfreich, aus den Datensätzen eines Menschen seine Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen vorhersagen und frühzeitig darauf reagieren zu können?

Wenn dann diese individuellen Personendaten ins nächstgrößere System eingespeist werden, lassen sich über geografische und soziale Marker weitere Erkenntnisse gewinnen: In diesem Stadtteil ist die Adipositas-Dichte hoch, für Kinder, die in jener Straße aufwachsen, steigt das Risiko, Opfer von sexueller Gewalt zu werden.

Anderswo wiederum leben die fitten Selbstoptimierer, die mit dem neuesten Gerät am Handgelenk ihre täglich geleisteten Schritte, Herzfrequenz und Kalorienverbrauch messen und sich in sozialen Netzwerken über ihre Erfolgskurven austauschen. Wo wandern all die auf verschiedene Art gewonnen Daten hin? Wer nutzt sie wofür? Wie werden sie unser Gesundheitssystem und unsere Gesellschaft verändern?

Zwischen Paradies und Hölle

„Die Vermessung des Menschen – Big Data und Gesundheit“ war das Thema der aktuellen Jahrestagung des Deutschen Ethikrates. Auf dem Programm standen die Perspektiven und offenen Fragen, die die Datafizierung der Medizin mit sich bringt. „Die digitalisierte Gesundheitsversorgung kann eine der Türen sein, auf deren Klingelschild so vielversprechend ‚Paradies des guten Lebens‘ steht. Hinter der sich aber wohl auch höllische Gefahren verstecken können.“ Mit diesen Worten leitete Christiane Woopen die Konferenz ein. Die Vorsitzende des Ethikrates verwies auf einen Ausspruch des Pay-Pal-Gründers und Facebook-Investors Peter Thiel, der besagt, „dass wir uns in einem Wettrennen auf Leben und Tod zwischen Politik und Technologie befinden“.

Den Wettlauf entscheidet, wer die neuen Entwicklungen unter seine Kontrolle bekommt. Wer sie zum Wohl von Arzt und Patient einsetzt – und dieses Wohl auch selbst definiert. Wer sie für Innovationen nutzt, zur Kommerzialisierung oder vielleicht auch zur Entsolidarisierung einer Bevölkerung aus gläsernen Patienten, die nach „gutem“ und „bösem“ Gesundheitsverhalten bewertet werden. Himmel und Hölle, Leben und Tod – allein die Wortwahl beweist, wie viele Hoffnungen und Ängste mit der digitalen Transformation unserer Gesellschaft und der Gestaltung unserer medizinischen Zukunft verknüpft sind.

Explosion von Nullen und Einsen

Big Data – was ist nun eigentlich mit diesem äußerst modischen und doch recht vagen Begriff gemeint, bei dem immer ein wenig Big Brother mitklingt? Es geht um umfangreiche, komplexe Datenmengen, die sich schnell ändern können und mit anderen als den herkömmlichen Methoden der Datenverarbeitung ausgewertet werden müssen. Explosives Datenwachstum ist ein Charakteristikum der digitalisierten und globalisierten Welt.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Datenmenge, die in der Welt gesammelt, gespeichert, auch nutzbar gemacht werden kann, jedes Jahr verdoppelt“, erklärte Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, in seiner Keynote zur Ethik-Konferenz. „Und dass allein in den letzten drei Jahren mehr Daten gesammelt und gespeichert worden sind, als in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor.“ 2015 werden voraussichtlich 1,8 Zettabyte neue Daten generiert. 1 Zettabyte, das sind 10 hoch 21 Byte. Und nur ein kleiner Teil dieser schwer vorstellbaren Zahl wird überhaupt systematisch archiviert, ein noch geringerer Teil analysiert.

Doch die auf Servern und Festplatten gespeicherten Informationen unterschiedlichster Quellen gelten als Rohstoff der Zukunft. Miteinander verknüpft, nach Relevanz und Qualität gefiltert und von Algorithmen ausgewertet, ermöglichen sie uns ganz neue Einsichten in Wissenschaft und Technik, in menschliches Verhalten und den „datafizierten“ menschlichen Leib. Theoretisch zumindest. Praktisch ist die Analyse und Interpretation von sehr heterogenen Rohdaten, das sogenannte Data Mining, nicht nur aufwendig und teuer, sondern auch fehleranfällig und eine Herausforderung, für die wir noch gar nicht alle Instrumente besitzen.

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