Aktiensplits und Aktienfonds

Vorsicht Steuerfalle!

Nicht nur bei Kursgewinnen und Dividenden hält der Fiskus die Hand auf. Auch bei Aktiensplits, bei Bonus- und Gratisaktien oder bei thesaurierenden Fonds möchte er seinen Anteil kassieren. Allerdings nicht immer zu Recht. Da ist es gut, wenn Anleger sich im Steuerdschungel zurechtfinden.

Wer mit Börsenaktien satte Gewinne einfährt, darf gleichzeitig damit rechnen, dass der Fiskus seinen Anteil abhaben möchte. ratch0013 - Fotolia

Jeden Euro fest im Blick: Dank des Sparerfreibetrags von 801 Euro für Alleinstehende bleiben Gewinne bis zu dieser Höhe steuerfrei. picture-alliance/dpa
Die Erträge ausländischer Fondsanteile sind in der Steuererklärung anzugeben. SBH – Fotolia.com

Es ist jetzt gut ein Jahr her, dass sich die vom Erfolg verwöhnten Google-Aktionäre die Augen gerieben haben. Plötzlich war jede Aktie nur noch die Hälfte wert. Der Grund: Das Unternehmen hatte einen Aktiensplit im Verhältnis 2:1 vorgenommen. Das bedeutete, jeder Aktionär besaß nun doppelt so viele Aktien wie zuvor. Am Wert des Portfolios hatte sich nichts geändert.

Der Schock war dann aber groß, als einige Depotbanken für die neuen Papiere 25 Prozent Abgeltungssteuer an die Finanzämter abführten. Diese Handlungsweise erschien ihnen nur konsequent. Sie stuften die mit einer neuen Wertpapierkennzahl WKN ausgestatteten Aktien als sogenannte Sachdividende ein.

Denn die neuen Papiere unterschieden sich von den alten: Im Gegensatz zu den älteren Aktien der Klasse A, ausgestattet mit einem Stimmrecht, waren die neuen C-Aktien ohne Stimmrecht. Einige Banken schrieben sie den Kundenkonten mit dem Börsenwert gut, berechneten die Abgeltungssteuer und beließen die Altaktien bei ihrem ursprünglichen Wert. Aktionäre, deren Depotbank die neuen Papiere zum Null-Wert einbuchten, müssen erst beim Verkauf die Abgeltungssteuer zahlen, allerdings dann auf den vollen Erlös.


Steuertechnische Zweifelsfälle

Manche Unternehmen zahlen statt einer normalen Dividende eine Stockdividende oder Bonusaktien. Bei diesen Varianten erhalten die Aktionäre neue Aktien statt einer Barüberweisung. Vor allem ausländische Unternehmen in den Niederlanden, in England oder in den USA nutzen diese Möglichkeit. Auf diese Weise generieren sie eine Kapitalerhöhung. Laut Bundesfinanzministerium macht es steuerlich keinen Unterschied, ob die Dividende bar oder in Form neuer Aktien ausgezahlt wird. Steuerberater Schultze erläutert: „Andere Banken buchten die neuen Aktien mit dem Wert null ein, so dass erst bei einem anschließenden Verkauf, dann aber auch auf den vollen Erlös, Abgeltungsteuer anfällt.“

Dabei wandelt ein Unternehmen im Rahmen einer Kapitalerhöhung freie Rücklagen in Aktien um und bucht sie seinen Aktionären zusätzlich zu den bereits vorhandenen Papieren in die Depots ein. Nach der Umwandlung sinkt der Kurs der vorhandenen Aktien automatisch, denn das Unternehmen besitzt nicht mehr Kapital als vorher. Auch bleibt der Gesamtwert der Aktien für den Anleger gleich. Deshalb gibt es vonseiten des Finanzministeriums die Anweisung, Gratisaktien steuerfrei zu stellen. Für den Aktionär wichtig ist auch die Tatsache, dass als Anschaffungszeitpunkt das Kaufdatum der Altaktien gilt. Stammen diese aus der Zeit vor dem 1. Januar 2009, bleiben auch die Gratisaktien beim Verkauf abgabenfrei.

Es kommt relativ häufig vor, dass Unter- nehmen einen Teil der Firma abspalten und als eigenständige Gesellschaft an die Börse bringen möchten. Die neuen Aktien werden in Depots der Aktionäre eingebucht. Zum Glück für die Empfänger betrachtet die Finanzverwaltung die Zuteilungen nicht als Sachdividende und verzichtet auf Abgaben. Erst bei einem Verkauf kassiert sie die volle Abgeltungssteuer.

Ganz anders stellt sich die Sachlage dar, wenn es sich um ein ausländisches Unternehmen handelt. Dann gelten die neuen Aktien eben doch als Sachdividende und der Fiskus hält die Hand auf. Außerdem fällt bei ausländischen Investments Quellensteuer an.

Grundsätzlich funktionieren thesaurierende Fonds nach diesem Prinzip: Sie erwirtschaften Erträge aus Aktien und anderen Wert-papieren. Statt sie auszuschütten, legen sie das Geld wieder an. Dennoch fällt auf diese Summen Abgeltungssteuer an. Bei inländischen Fonds braucht der Anleger sich um die Abführung der Steuer ans Finanzamt nicht zu kümmern. Diese Aufgabe erledigt die Fondsgesellschaft. Sie entnimmt die fällige Summe dem Fondsvermögen und überweist sie ans Finanzamt.

Problematisch wird es für den Anleger, wenn er Anteile von ausländischen Fonds hält. Dann muss er seine Erträge selbst deklarieren. Das macht er, indem er Dividenden und Zinsen in der KAP-Anlage seiner Steuererklärung angibt. Um welche Summen es sich handelt, erfährt er aus der Steuerbescheinigung seiner Depotbank, die diese ihm am Ende des Jahres schickt. In einigen Fällen muss er sich die Werte aber aus dem elektronischen Bundesanzeiger selbst heraussuchen, wenn die Veröffent- lichung erst nach der Erstellung der Steuerbescheinigung erfolgte.


Automatismus der Banken

Oliver Schultze, auf Kapitalmarktprobleme spezialisierter Steuerberater im norddeutschen Pinneberg, weiß, dass Banken gern auf Nummer sicher gehen: „Sie schauen in die ‚Wertpapiermitteilungen’ und in die Rundschreiben des Bundesfinanzministeriums, in dem Vorgänge wie Aktiensplits vermerkt sind. Automatisch führen sie daraufhin die Steuer ans Finanzamt ab.“

Für ihn ist klar: „Bei Google haben die Finanzbehörden versucht, das Problem zu klären. Bei weniger prominenten Fällen versandet das, wenn nicht Einspruch eingelegt wird.“ Seiner Meinung nach kann der Anleger den Vorgang nicht erkennen: „In der Steuerbescheinigung, die ihm die Bank schickt, ist dieser nicht vermerkt. Dort steht nur die Gesamtsumme der Steuern, die abgeführt worden sind.“ Aus seiner Praxis weiß Schultze, dass diese Fälle nicht so selten sind: „Bei einem gut strukturiertem Depot gibt es etwa einmal pro Jahr steuerrechtliche Probleme mit Wertpapieren.“

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