Vorbereitung auf die Gleichwertigkeitsprüfung

Zugewanderte Zahnmediziner

Auf dem Papier sieht es klar und eindeutig aus: Wer langfristig und ohne Einschränkung in Deutschland als Zahnarzt tätig sein will, der braucht eine Approbation. Mediziner aus EU-Ländern bekommen ihren Abschluss in der Regel anerkannt.

Manushak Narimanyan übt am Phantomkopf statt wie in Armenien an echten Zähnen. Mohamed Meawad muss wissen, welche Leistungen die Kassen zahlen - in Ägypten wurde nur über den optimalen Behandlungsplan gesprochen. Stellt sich die Frage: Was erwartet Zahnärzte aus dem Ausland, die hier leben und arbeiten wollen? Sonja Schulz

Vorbereitungskurs am Philipp-Pfaff-Institut: Wer sich nicht „auf Deutsch“ vorbereitet hat, hat in der Prüfung ein Problem. Sonja Schultz
Vorbereitungskurs am Philipp-Pfaff-Institut: Wer sich nicht „auf Deutsch“ vorbereitet hat, hat in der Prüfung ein Problem. Sonja Schultz
Vorbereitungskurs am Philipp-Pfaff-Institut: Wer sich nicht „auf Deutsch“ vorbereitet hat, hat in der Prüfung ein Problem. Sonja Schultz
Der Vorbereitungskurs ist zwar kein Garant für eine bestandene Gleichwertigkeitsprüfung, aber der einzige Weg zur Approbation. Sonja Schultz

Jene aus sogenannten Drittländern müssen die Gleichwertigkeit ihrer Berufsausbildung erst prüfen und anerkennen lassen. In den meisten Fällen führt der Weg in die staatlich zugelassene Zahnmedizin über die Gleichwertigkeitsprüfung. Und hier wird es kompliziert.

Nicht nur verläuft die Prüfung in jedem Bundesland anders. Die Bundeszahnärztekammer arbeitet nach wie vor an einer künftigen Einheitlichkeit, um den deutschen Föderalismus zu überwinden. Auch ist die Durchfallquote des Verfahrens, das aus einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht, hoch. Olesya Spannheimer kam vor fast zehn Jahren aus dem russischen Samara nach München. „Ich habe bei null angefangen, Deutsch zu lernen“, erzählt die 37-Jährige, die einen Deutschen geheiratet hat.

„Nur Kassenpatienten durfte ich nicht behandeln“

„Dann habe ich mithilfe von Verwandtschaft und Freunden im ersten Jahr begonnen, meine Dokumente anerkennen zu lassen.“ Parallel war die Zahnärztin mit einer vor- läufigen Berufserlaubnis in verschiedenen Privatpraxen tätig. „Nur Kassenpatienten durfte ich nicht behandeln. Ich hätte sogar eine eigene private Praxis aufmachen dürfen. Aber für mich war es immer wichtig, die deutsche Approbation zu bekommen.“ Nach der langwierigen bürokratischen Anerkennung aller Papiere kam dann erst einmal der Rückschlag: Die Zahnmedizinerin wurde mit der Aussage konfrontiert: „Wir brauchen keine ausländischen Zahnärzte. Nicht, weil sie schlecht sind. Sondern, weil es keinen Bedarf gibt.“

Jetzt kann nur noch Frau Siba helfen

Siba Yazdanpanah von der Gesellschaft für berufsbildende Maßnahmen (GFBM) sieht das anders. Die GFBM bietet Akademiker-Sprachkurse für Mediziner und Zahnmediziner an. Yazdanpanah verweist auf den Fachkräftemangel im medizinischen Bereich: „Aufgrund des demografischen Wandels wird das irgendwann auch die Zahnärzteschaft betreffen. In ländlichen Gegenden gibt es jetzt schon einen Mangel.“ Unter der Leitung von Yazdanpanah, die intern alle „Frau Siba“ nennen, setzte sich die GFBM vor Jahren für den Aufbau eines Vorbereitungskurses auf die Gleichwertigkeitsprüfung ein. Das Angebot richtet sich an zugewanderte Zahnärzte, die ihre Chancen erhöhen wollen, die sprachlich und fachlich sehr anspruchsvollen Tests zu bestehen. 2012 startete die Maßnahme in Kooperation mit dem Philipp-Pfaff-Institut, dem gemeinsamen Fortbildungsinstitut der Zahnärztekammern Berlin und Brandenburg. Olesya Spannheimer war damals unter den ersten Teilnehmern. Mit ihrer Familie zog sie extra aus München nach Berlin.

Manushak Narimanyan ließ Mann und Kind in Köln zurück. Wie viele andere Teilnehmer des aktuellen Kurses nimmt die gebürtige Armenierin in Kauf, ihre Familie sechs Monate lang nur an den Wochenenden zu sehen. Dafür paukt Narimanyan, die gegenwärtig hochschwanger ist, rund um die Uhr die Feinheiten der deutschen Zahnmedizin, der deutschen Fach- und Umgangssprache und beschäftigt sich mit der Komplexität des hiesigen Versicherungswesens.

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