Sanvartis ist die neue UPD

„Für Patienten ist es das Beste“

2016 übernimmt das Callcenter Sanvartis die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD). Warum es für die Patienten das Beste ist, mit dem Service eine Privatfirma zu beauftragen, versuchten der Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann (CDU) und Gernot Kiefer vom GKV-Spitzenverband vor der Presse in Berlin zu erklären. Dabei machten sie nicht immer eine gute Figur.

Am 21. September stellten (v. l.) Thorben Krumwiede, designierter Geschäftsführer der UPD, Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, und der Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann das neue Konzept für die Patientenberatung vor. Tenor: Die alte UPD war gut, aber ... Foto: Patientenbeauftragter der Bundesregierung

„Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Angebot der Sanvartis GmbH das im Interesse der Patienten und Verbraucher beste und innovativste Angebot ausgewählt haben“, verlas Kiefer sehr bestimmt die gemeinsame Position. Dass die beiden Männer sehr wohl mit Gegenwind rechneten, offenbarte indes die Rede Laumanns: „Mir war vollkommen klar, wenn der Auftrag an eine Privatfirma geht, wird die Frage nach der Unabhängigkeit ein Riesenthema!“ Peng! Genau aus diesem Grund hatten Ärzte, Zahnärzte und Patientenvertreter die Entscheidung im Vorfeld heftig kritisiert: Der Auftrag der bisherigen UPD lief aus, es wurde neu ausgeschrieben und der Zuschlag sollte ausgerechnet an ein Callcenter gehen? Dazu an eins, das in der Vergangenheit für diverse Krankenkassen gearbeitet hatte? Dass ein Unternehmen mit einem solchen Portfolio dem Anspruch an Neutralität und Unabhängigkeit gerecht werden kann, bezweifelten viele Insider.

„Die hier geplante Neuvergabe ist ein Skandal!“, geißelte auch der beratende UPD-Beirat den Entschluss. Im Juli schrieben dessen Mitglieder einen offenen Brief an Gesundheitsminister Hermann Gröhe: „Wir möchten Sie jedoch bereits heute darauf hinweisen, dass die Vergabekriterien mit der vom GKV-Spitzenverband und dem Patientenbeauftragten vorbereiteten Entscheidung massiv gebeugt wurden und der Grundsatz der Unabhängigkeit und Neutralität beim ausgewählten Gebot nicht gegeben ist“, heißt es dort. Zudem sei der Beirat nicht in der vom Gesetzgeber vorgesehenen Form beteiligt gewesen, insofern liege auch ein Verfahrensfehler vor. Zwei seiner Mitglieder kündigten deswegen inzwischen.

Gerechtfertigte Entschlüsse

„Die Neuvergabe der Unabhängigen Patientenberatung hat bereits vor einer Entscheidung ein starkes mediales und zum Teil auch politisches Interesse geweckt. Doch statt Fakten zu diskutieren, vermengten sich in der öffentlichen Wahrnehmung Mutmaßungen, vermeintliche Fachkenntnisse und teilweise Halbwahrheiten zu einer interessanten Melange“, lautete dazu das abgelesene Statement Kiefers. All das sei nicht kriegsentscheidend, pflichtete ihm Laumann bei. Ausschlaggebend sei allein die Entscheidung der Vergabekammer: „Ich muss meine Entscheidung auf rechtlich objektiven Grundlagen treffen und habe mir die entsprechende Expertise geholt. Die Vergabekammer hat meinen Entschluss zu 100 Prozent bestätigt. Das Gutachten ist ganz eindeutig: Das Konstrukt, das die Sanvartis vorschlägt, garantiert Unabhängigkeit und Neutralität. Sollte Sanvartis dagegen verstoßen, ist das ein Grund, den Vertrag sofort fristlos zu kündigen.“

Die alte UPD habe verlässliche Arbeit geleistet und die Beratung aufgebaut. Die Ausschreibung habe jedoch gezeigt, wie man die Patientenberatung besser – das heißt effizienter – gestalten kann. Besser, das bedeute in erster Linie vor allem auch mehr, wie Krumwiede erläuterte: „Wir wollen die jährlichen Patientenkontakte von derzeit 81.000 auf 221.000 erhöhen.“ Um die UPD bekannter zu machen, würden die Website überarbeitet, die Auffindbarkeit bei Google verbessert, Sprechzeiten ausgeweitet und neue Angebote in der lokalen Presse angekündigt. Bei der Frage, ob die „neue UPD“ auch auf Prophylaxemaßnahmen in der Zahnmedizin wie die PZR hinweist, verwies er auf die Leitlinien als zwingende Voraussetzung für UPD-Therapieempfehlungen. Klar sei aber, dass auch die neue UPD keine Konkurrenz zu bestehenden Beratungsstellen – wie beispielsweise die der Zahnärzteschaft – aufbauen wolle.

KZBV-Chef Dr. Wolfgang Eßer ist dennoch weiterhin skeptisch: „Bei allen im Vorfeld der Vergabe von uns geäußerten Bedenken akzeptieren wir das Ergebnis, sind aber zugleich gespannt, ob der neue Anbieter den bewusst hohen Ansprüchen an Neutralität und Qualität der Beratung gerecht werden kann.“ Die künftige Arbeit der UPD werde die KZBV daher konstruktiv wie kritisch begleiten. Eßer: „Die KZBV spricht sich nach wie vor für eine unabhängige Finanzierung, zum Beispiel in Form eines Systemzuschlags und für eine neutrale Vergabe – losgelöst vom GKV-Spitzenverband – aus."

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