MVZ Contra

MVZ sind da, wo die Kaufkraft ist

Wie Medizinische Versorgungszentren (MVZ) den Zahnarztberuf verändern könnten, erläutert Dr. David Klingenberger, stellvertretender wissenschaftlicher Leiter des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ).

Dr. David Klingenberger KZBV-Darchinger

Gerade ist das neue Versorgungsstärkungsgesetz in Kraft getreten. Könnte es Ihrer Einschätzung nach zu einer vermehrten Gründung von MVZ führen?
Ich gehe davon aus, dass es zu einer vermehrten Gründung von medizinischen Versorgungszentren kommen wird, weil einige wirksame Beschränkungen fallen. Im zahnmedizinischen Bereich gab es bislang nicht viele Praxen, die überhaupt das Kriterium der fachübergreifenden Kooperation erfüllen konnten. Das liegt unter anderem daran, dass die Zahnmedizin wesentlich homogener strukturiert ist als die Humanmedizin mit ihrer Trennung von Haus- und Fachärzten. Dort ist das Bild sehr viel bunter und das Merkmal der fachübergreifenden Kooperation war kein wirkliches Hemmnis. Bei den Zahnärzten sehr wohl, hier musste neben Zahnmedizinern ein Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg oder ein Humanmediziner mit ins Boot – und selbst das wurde sehr restriktiv ausgelegt. Es gab Zulassungsinstanzen, die auch rein zahnmedizinische Versorgungszentren erlaubt haben, andere nicht.

Mit dem neuen Versorgungsstärkungsgesetz fällt nicht nur das Merkmal des Fachübergreifenden weg, sondern es sind ganz andere Konstrukte möglich. Das liegt zum einen daran, dass die Rechtsform künftig sehr viel freier gestaltbar sein wird – von der GmbH über die Genossenschaft bis hin zu anderen Personengesellschaften. Vor allem lässt sich mit der GmbH eine Haftungsbefreiung für den einzelnen Zahnarzt erreichen.

Der Berufsstand steht den Großkooperationen skeptisch gegenüber – warum?
Was dem Berufsstand momentan besonders Sorgen macht: Während in der Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) die Anzahl der möglichen angestellten Zahnärzte für die Praxisinhaber bei der Zulassung begrenzt ist, greift diese Beschränkung bei einem MVZ nicht.

Fällt dann eine rechtliche Hürde, ist das an dieser Stelle kontraproduktiv. Je mehr MVZ auf den Markt kommen, umso mehr Stellen werden angeboten, was den Trend zur Anstellung vermutlich verstärken wird. Im Grunde genommen werden hier die Grundfesten des Berufsbildes berührt: Wie lange wird die Zahnmedizin noch als freier Beruf ausgeübt?

Hinzu kommt: Wer kann Träger eines solchen MVZ sein? Wenn dies nicht mehr Zahnärzte selbst sind, kann zum Beispiel auch eine Kommune als Träger auftreten. Das geht in die Richtung der Health Maintenance Organizations (HMO), die wir aus den USA oder der Schweiz kennen. Damit stellt sich auch die Frage nach der Abhängigkeit von Fremdkapital. Klinikträger könnten Vor- und Nachsorge übernehmen, was bislang stärker im medizinischen Bereich Usus ist, aber auch im zahnmedizinischen denkbar wäre.

Der Berufsstand sieht sich hier mit einer unübersichtlichen Gemengelage konfrontiert: Zulassungsbeschränkungen sind aufgehoben, gleichzeitig wird den Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen) das Instrument entzogen, über die Bedarfsplanung die Versorgung vor Ort zu steuern. Eine kommunal getragene Klinik würde komplett abseits der KZV-Zulassungsausschüsse geplant und errichtet – was gewissermaßen eine punktuelle Entmachtung der kassenzahnärztlichen Vereinigungen bedeutet.

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