110 Jahre synthetische Lokalanästhesie

Endlich schmerzfrei behandeln

110 Jahre ist es her, dass in Frankfurt-Höchst das erste synthetische Lokalanästhetikum entwickelt und hergestellt wurde. Anlässlich dieses Jubiläums hat der Hersteller Sanofi Experten und Pressevertreter an den Main eingeladen. Dort wurde die Geschichte der Lokalanästhesie anschaulich.

So sieht eine perfekte Leitungsanästhesie heute aus. Früher aber war alles anders. Die Möglichkeit, eine Zahnbehandlung schmerzfrei durchzuführen, ist heute 110 Jahre alt. ProDente e.V.

MEV

Procain, ein Esterpräparat, wurde 1904 von dem deutschen Chemiker Alfred Einhorn synthetisiert und 1905 unter dem Handelsnamen Novocain® von der Hoechst AG – bis 1974: Farbwerke Hoechst AG, vormals Meister Lucius Brüning – in den Handel gebracht. Obwohl dieses Esther-Lokalanästhetikum nach heutiger Einschätzung im Hinblick auf die Nutzen-Risiko-Relation keineswegs ein optimales Medikament war und in der zahnärztlichen Routine heute keine Bedeutung mehr hat, hat es doch die Zahnmedizin zur damaligen Zeit revolutioniert.

Im Gegensatz zum vorher gebräuchlichen Kokain hatte es keine euphorisierende und keine suchterregende Wirkung. Aktuell wird es auch weiterhin – vor allem in der Neuraltherapie – eingesetzt, da es neben der lokalanästhetischen auch eine para-sympatholytische, eine antiphlogistische und eine perfusionssteigernde Wirkung hat.


So kommt Ultracain in die Ampulle

Die aseptische Sterilproduktion von Lokalanästhetika hat zum Ziel, dass sowohl die Ampullen als auch die Inhaltsstoffe frei von jeglichen Verunreinigungen sind. Eine nachträgliche Hitzesterilisation entfällt hierdurch. Die einzelnen Herstellschritte erfolgen in Reinräumen der höchsten Reinheitsklasse
(A).

Aus Articain, Adrenalin, Natriumchlorid und Wasser für Injektionszwecke wird die Injektionslösung hergestellt. Durch mehrere Sterilfiltrationsvorgänge werden alle Fremdpartikel und gegebenenfalls enthaltene Mikroorganismen eliminiert, bevor die Filtrat-Lösung in die Zylinder beziehungsweise Glasampulle abgefüllt wird.

Die leeren Zylinderampullen werden mit hochreinem Wasser für Injektionszwecke in einer speziellen Spülmaschine gespült und mit einer Innensilikonisierung zur Verbesserung der Gleitfähigkeit der Silikonkolbenstopfen versehen. Anschließend werden sie etwa 45 Minuten bei 320 Grad sterilisiert und – nach Abkühlung auf Raumtemperatur – zur Abfüllung transportiert.

Zuerst werden die Kolbenstopfen zum Verschluss des unteren Endes der Ampulle von der Maschine in die Ampulle geschoben. Nun kann die präzise Abfüllung mittels Füllnadeln erfolgen (jeweils 1,8 ml). Dies geschieht gleichzeitig bei 16 Ampullen. Anschließend erfolgen der Verschluss des oberen Endes der Ampulle sowie die Verbördelung der Bördelkappen mit einer speziellen Verschließeinrichtung.

Die nun dicht- und festverschlossenen Zylinderampullen werden dann aus dem Reinraum verbracht und der optischen Kontrolle zugeführt.

Durch verschiedene Hochleistungskamerasysteme wird jede einzelne der gefüllten Zylinderampullen auf mögliche Fehler überprüft (100-Prozent-Kontrolle). Zusätzlich erfolgt eine 100-Prozent-Kontrolle auf Risse und Dichtigkeit durch eine Hochspannungsprüfung. Fehlerhafte Ampullen
werden aussortiert.

Mittels eines Hochleistungsetikettierers können 900 Zylinderampullen in einer Minute eine leicht lesbare und eindeutige Kennzeichnung erhalten. Außerdem sind Informationen zum Verfallsdatum und Chargendaten aufgedruckt, die über einen optischen Code ausgelesen und nachverfolgt werden können.

Der letzte Produktionsschritt ist die Verpackung bevor die Zylinderampullen schließlich auf Paletten für ihre Reise zur Verfügung stehen. Auch diese einzelnen Schritte von den Trays über die Schachteln in die Kartons und auf die Palette unterliegen einer Qualitätskontrolle.
Die meisten er Produktionsschritte sind automatisiert und führen so zu einer hohen Produktionssicherheit und Produktqualität. Am Standort Industriepark Höchst können so zum Beispiel 520 Ampullen pro Minute abgefüllt und 400 Ampullen pro Minute auf Dichtheit  überprüft werden. Pro Jahr werden in Höchst 80 Millionen Ampullen produziert. Das entspricht bei einer Aneinanderreihung einer Länge von 5.120 Kilometern. Ebenfalls beeindruckend ist die Menge des injizierten Ultracain® pro Jahr, nämlich 67.000 Liter. Dies ergibt alleine in Deutschland eine Zahl von 410 injizierten Ampullen pro Minute, bezogen auf die Produkte von Sanofi.


In den Jahren zwischen 1860 und 1911 fanden die grundlegenden Innovationen der zahnärztlichen Lokalanästhesie statt. Begonnen haben diese mit der Isolation des Kokains aus den Cocablättern, der Analyse der chemischen Strukturformel und letztendlich der Synthese der Substanz. Die klinische Erprobung der anästhesierenden Wirkung begann mit Tierversuchen, die zur ersten öffentlichen Präsentation der Ergebnisse am 15. September 1884 im Rahmen der 16. Versammlung der Ophtalmologischen Gesellschaft in Heidelberg führte.

Die entscheidenden Versuche, nämlich die schmerzfreie Enukleation eines Hundeauges, hatte der Sekundararzt Carl Koller am Allgemeinen Krankenhaus Wien durchgeführt. Er konnte jedoch nicht selbst nach Heidelberg reisen, so dass der Primarius der Augenabteilung des Städtischen Krankenhauses von Triest, Josef Brettauer, seinen Text mit dem Titel „Ueber locale Anästhesirung am Auge“ (Vorläufige Mittheilung) vorlas. Beschrieben wurde darin die anästhesierende Wirkung auf Cornea und Conjunctiva. Das Kokain wurde dabei in einer zwei- bis 20-prozentigen Konzentration als wässrige Lösung auf die Schleimhäute geträufelt.

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