Leitfaden zur Lokalanästhesie

Immer individuell dosieren

Die ausführliche Patientenanamnese hat besonders für die dentale Lokalanästhesie einen hohen Stellenwert. Damit lässt sich die individuelle Belastbarkeit des Patienten besser abschätzen, so dass Eingriffe nicht nur situations-, sondern auch patientenadaptiert anästhesiert werden können. In der Praxis stehen dafür verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Neben der Injektionstechnik lassen sich auch die Wahl des Lokalanästhetikums und des Vasokonstriktors sowie dessen Konzentrationen individualisieren. Mehr Orientierung bietet dieser Leitfaden.

ProDente e.V

Abbildung 1: Modell der Differenzierten Lokalanästhesie [nach Daubländer und Kämmerer] zm 10/2012
Eine umfangreiche Anamnese filtert Risikopatienten gezielt heraus. Er braucht eine individuelle Lokalanästhesie, angepasst an die Vorerkrankungen und die Medikamentierung. ProDente e.V.

Die Wahl der richtigen Lokalanästhesielösung ist im Modell der „Differenzierten Lokalanästhesie“ von Daubländer [Daubländer, Kämmerer, 2012] als einer von drei Faktoren beschrieben, um die dentale Lokalanästhesie auf jeden Patienten individuell auszurichten (Abbildung 1). Für die Differenzierung müssen vor allem die Risikofaktoren des Patienten abgewogen werden. Neben der standardisierten Anamnese sind auch Kenntnisse über Erkrankungen des kardiovaskulären Systems, der Lunge und der Atemwege sowie metabolische Erkrankungen zu berücksichtigen. Auch Störungen des Immunsystems, Allergien und Gerinnungsstörungen sowie die Medikamenteneinnahme beeinflussen die Wahl des Lokalanästhetikums.

Dabei sind diese Erkrankungen schon lange nicht mehr nur ein Problem älterer Patienten. Denn im Hinblick auf die Zunahme chronischer Krankheiten in Deutschland auch unter jüngeren Patienten nimmt dieser Aspekt einen immer größeren Stellenwert ein. Das Robert Koch-Institut weist in der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“ bei etwa 18 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, bei 28 Prozent der 30- bis 44-Jährigen und bei fast jedem zweiten 45- bis 64-Jährigen mindestens eine chronische Krankheit aus [Robert Koch-Institut, 2014].

Articain-Adrenalin-Spritze auch für Risikopatienten

Auch wenn Lokalanästhetika zu den Pharmaka gehören, die am seltensten Komplikationen hervorrufen [Halling, 2008], sollten beim Zusatz eines Vasokonstriktors dessen mögliche Risikofaktoren entsprechend der Patientenerkrankungen stets berücksichtigt werden. Denn die Vasokonstriktoren führen häufiger zu Komplikationen als die Lokalanästhetika selbst [Halling, 2008]. Daher ist die Konzentration möglichst gering zu halten oder bei geeigneten Behandlungsfällen auch ganz darauf zu verzichten [Halling, 2008]. Ein vollständiger Verzicht auf Adrenalin stellt außer bei absoluten Kontraindikationen keine Alternative dar. Die schmerzlose Behandlung ist vor allem bei Patienten mit chronischen Erkrankungen wichtig, um der endogenen Adrenalinausschüttung vorzubeugen [Lipp, Daubländer, 1996].

Articain nimmt im Vergleich zu anderen Amid-Lokalanästhetika hinsichtlich der Metabolisierung eine Sonderstellung ein. Denn Articain wird neben der für Amide typischen hepatischen Metabolisierung hauptsächlich durch Plasmacholinesterasen im Blut inaktiviert. Der hydrolytische Abbau durch die Esterasen erfolgt im Vergleich zur Metabolisierung in der Leber sehr rasch, so dass fast 90 Prozent des Articains auf diese Art inak- tiviert werden [Rahn, 2003]. Da die Enzymaktivität der Esterasen altersunabhängig ist, ist bei älteren Patienten im Gegensatz zu anderen Amid-Lokalanästhetika auch keine Verlängerung der Eliminationshalbwertszeit zu beobachten [Oertel, Kirch, 1999]. Die Gefahr eines überhöhten Blutspiegels und der damit verbundenen systemischen Nebenwirkungen ist dadurch deutlich reduziert.

Bei den Vasokonstriktoren ist Adrenalin aufgrund seines guten Wirkprofils der Zusatz der Wahl. Die Adrenalin-Dosis ist bei Articain-Zubereitungen sowohl absolut als auch in Relation zum Lokalanästhetikum am geringsten. Daher ist es auch für Risikopatienten zu empfehlen [Rahn, 2003]. Da aber die Vasokonstriktoren häufiger zu Komplikationen führen als die Lokalanästhetika selbst, sollte die Konzentration möglichst gering gehalten werden [Halling, 2008].

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