CEREC wird 30

„Meine Motivation war die schnelle Restauration“

Dauerhafte Restaurationen chairside, alternativ zu Amalgam aus einem Keramikblock, körperverträglich und zahnfarben, computergestützt und zwar zeitsparend und effizient – das war die Vision von CEREC. Die Erfindung der CAD/CAM-Methode ebnete den Weg in die Digitalisierung der Zahnmedizin. Prof. Dr. Werner H. Mörmann, gemeinsam mit Dr.-Ing. Marco Brandestini Vater von CEREC, erzählt im Gespräch mit den zm, wie alles begann, welche Entwicklungsschritte es gab und wohin es zukünftig gehen könnte.

Das ist heute in der Praxis möglich: Mit der CEREC Omnicam lässt sich die Zahnsituation sehr einfach, ohne Puder und in Farbe digital erfassen. Sirona

Die Erfinder Prof. Dr. Werner H. Mörmann (l.) und Dr.-Ing. Marco Brandestini mit dem CEREC- Prototyp Mörmann
Die Entwicklungsschritte von links nach rechts: der Prototyp aus dem Jahr 1985, CEREC 1 (Markteinführung 1987) und CEREC 2 von 1994. Sirona
Weiter ging es 2000 mit der CEREC 3, 2009 mit der CEREC AC mit Bluecam und der CEREC AC mit der Omnicam im Jahr 2012. Sirona
Der Biokiefer- Algorithmus der aktuellen Software CEREC SW 4.4 nutzt den gesamten gescannten Bereich als Referenz für die Berechnung des patientenindividuellen Erstvorschlags. Nacharbeiten sind nach Angaben des Herstellers kaum noch nötig, was für den Anwender eine große Zeitersparnis bedeutet. Sirona

Herr Prof. Mörmann, was hat Sie damals auf die Idee für CEREC gebracht?
Prof. Dr. Werner H. Mörmann:
1979 kam die Diskussion um eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch Amalgam in eine heiße Phase. Zahnärzte begannen, Amalgamfüllungen systematisch gegen Komposite auszutauschen. Diese waren aber damals für okklusionstragende, große Seitenzahnfüllungen völlig ungeeignet und verursachten akute Probleme. Zunehmend suchten Patienten an unserer Klinik Hilfe. Seitenzahnfüllungen aus Komposit waren wegen der starken Polymerisationsschrumpfung von Anfang an undicht und verursachten Schmerzen und Sekundärkaries. So wurde damals aus einem disputablen Amalgam-Problem ein akutes Komposit-Problem. Ich suchte dafür eine Lösung.

Die Entwicklung der Methode war sehr aufwendig: Für die optische Abformung mussten Sie beispielsweise eine Spezialkamera entwickeln. Was hat Sie motiviert, Ihre Vision so beharrlich zu verfolgen?
In meiner Jugend hatte ich erlebt, wie ein Zahnarzt eine „Amalgamplombe“zwischen seinen beiden Handflächen knetete und mit dem Daumen in die Kavität eines meiner Zähne stopfte. Selbst als Laie taxierte ich dies als Primitivtechnik. Nach Dissertationsarbeiten über Amalgam und Goldinlays befand ich mich an der Universität Zürich in einem Umfeld der adhäsiven Zahnheilkunde, das mich stark prägte. Die Adhäsivtechnik versprach den perfekten, dauerhaften Verbund zwischen Zahn und Restaurationskörper. Das faszinierte mich. Meine Motivation war die Realisierung der schnellen Restauration mit Inlays, die der Zahnarzt selbst per Computer während der Behandlung herstellen konnte, um Zähne in Form, Farbe und Funktion dauerhaft wiederherzustellen. Das rückte die Keramik in das Interesse, weil sie der Zahnhartsubstanz sehr ähnlich ist, erforderte aber eine völlig neue Herstellungstechnik. Vielleicht war das meine Antwort auf die „Amalgamplombe“.

Die intuitive Bedienung des heutigen CEREC-Systems verrät nichts mehr über die zahl-reichen Hürden auf dem Weg zur Markt- reife. Was gab es für Rückschläge und wie haben Sie diese überwunden?
Ich sah die Lösung für die schnelle Herstellung von Inlays während der Patientenbehandlung in einem Gerät, das die Datenakquisition per 3-D-Mundscanner, die Konstruktion und das Formschleifen in einer kleinen, fahrbaren Einheit mit Monitor und Schleifkammer vereinen sollte. Mein Freund und Partner, der Elektroingenieur Dr. Marco Brandestini, begeisterte sich für dieses Konzept und sah darin auch für sich selbst die technische Herausforderung. Unser erster Ansatz für das Formschleifen von Keramikinlays verwendete einen XYZ-Kreuztisch, auf dem wir den Keramik- block befestigten. Darüber hatten wir eine Doppelrotor-Luftturbine mit einem diamantbelegten Zylinderschleifer angeordnet. Beim Abtiefen des Schleifers in die Keramik zerstörte sich die Apparatur beim ersten Testlauf selbst. Die Lösung war das „Außen-Rund-Einstechschleifen“ entlang der mesio-distalen Inlayachse mit einer diamantierten Schleifscheibe und einer Wasserturbine als Antrieb. Damit konnte ein Molareninlay in wenigen Minuten geschliffen werden, wobei die Okklusalfläche allerdings ohne Fissuren und Höcker- abhänge flach war. Diese musste der Zahnarzt nach dem Einkleben des Inlays manuell einarbeiten.

Aktuelle Fallberichte aus der Praxis zeigen, dass die so hergestellten Inlays auch noch nach 25 Jahren funktionieren. Das erfüllt mich heute mit besonderer Freude. Es kam damals darauf an, in einem ersten Schritt ein klinisch anwendbares System zu schaffen, das den Weg in die digitale Zahnheilkunde weisen konnte.

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