Zahnmedizin im Pflegeheim

Mehr als Gebissreiniger

2005 taten sich in München Zahnärzte, Heime und die AOK Bayern zusammen, um die Versorgung in Pflegeheimen zu verbessern. Die Ergebnisse des Projekts sind eindeutig: Zahnmedizin für Hochbetagte ist mehr als Prothesenpflege. Sie ist aufsuchend, sie ist Prävention. Und sie funktioniert nur, wenn das Pflegepersonal mitzieht.

Zahnmedizinische Prävention für pflegebedürftige Heimbewohner ist alles andere als sinnlos. Durch die aufsuchende Prophylaxe verringerte sich das Risiko für orale Erkrankungen erheblich. zm - mg

Die meisten Pflegebedürftigen sind mit der Zahnpflege überfordert. Ohne Unterstützung seitens Dritter verschlechtert sich die Mundgesundheit. Ohne professionelle Schulung jener Dritten auch. zm - mg
Fünf Minuten pro Tag – so viel Zeit hat das Pflegepersonal für die Mundpflege. Zu wenig, wenn gründlich gereinigt werden soll. Und der Patient sich sperrt. zm - mg
Improvisieren ist Teil des Jobs. Hier wird ein dekoriertes Sideboard zur Schreibunterlage. zm - mg

2005 entstand in München das „Duale Konzept“. Ein Modellprojekt nach § 63 ff. SGB V – gegründet, um die zahnärztliche Versorgung für Versicherte der AOK Bayern in Pflegeeinrichtungen der Landeshauptstadt sicherzustellen und zu verbessern.

Behandeln am Bett

Konkret ging es darum, Standards zur mobilen zahnmedizinischen Behandlung und Prävention mit geriatrischem Ansatz zu entwickeln. Das heißt, man wollte herausfinden, inwieweit eine strukturierte auf- suchende Betreuung am Bett der Bewohner Einfluss auf ihren Mundgesundheitsstatus und ihren Versorgungsgrad hat. Und ob sich diese Form der zahnärztlichen Betreuung auf allgemeine Erkrankungen auswirkt und eine Verringerung stationärer Aufenthalte zur Folge hat. Wobei natürlich auch im Raum stand: Wie teuer ist das Modell im Vergleich zur üblichen Versorgungspraxis?

Nun liegt der Abschlussbericht vor und wir schauen uns das Vorhaben und die Ergebnisse an: Das Konzept bestand aus zwei Modulen – der präventiven Betreuung und der restaurativ-therapeutischen Versorgung. Erstere bildete die Basis, letztere kam nur zum Tragen, wenn eine individuelle Notwendigkeit bestand, etwa um die Hygienefähigkeit zu ermöglichen oder wiederherzustellen (Grundsanierung). In der Praxis sollten wiederkehrende Schulungsmaßnahmen der Pflegekräfte die täglichen Mundhygienemaßnahmen unterstützen und sichern sowie regelmäßige individuelle Prophylaxemaßnahmen vor Ort das Risiko von Erkrankungen in der Mundhöhle minimieren und zum Zahnerhalt beitragen.

Bei über die Prävention hinausgehenden Therapien beseitigten dezentral tätige Patenzahnärzte im mobilen Einsatz zumindest die Schmerzen und stellten die Kaufunktion wieder her. Komplexere Behandlungen, die nicht mobil erfolgen konnten (zum Beispiel Zahnsanierungen in Intubationsnarkose), wurden in einer Praxis oder in einem Kompetenzzentrum mit vereinfachtem Patientenpfad durchgeführt. Dabei galt auch hier der Grundsatz „freie Arztwahl“.


Vom Teamwerk zum Dualen Modell

An der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Ludwig-Maximilians-Universität München stellten Ärzte wiederholt das zahnmedizinische Betreuungskonzept von Pflegebedürftigen infrage. Besonders die fehlende Prävention sowie die Idee, wiederholte Intubationsnarkosen zur Therapie sanierungsbedürftiger Zähne zu vermeiden, weil sie einen erheblichen logistischen und finanziellen Aufwand erfordern, beschäftigte schon 1997 die Assistenz- und Oberärzte. Drei Mitarbeiter entwickelten dann 1999 ein Prophylaxekonzept – zunächst für jüngere Menschen mit Behinderungen. Es zeigte sich jedoch sehr schnell, dass die zahnmedizinische Versorgung in der Gruppe der pflegebedürftigen alten Menschen mit deutlich mehr Defiziten verbunden war. Zwischen 2002 und 2005 betreuten zwei Teams dezentral 600 Pflegebedürftige aus neun zufällig ausgewählten Einrichtungen in München. Diese Patienten wurden stationär versorgt und hatten keine Möglichkeit, selbstbestimmt einen Zahnarzttermin wahrzunehmen. An ihrem Wohnort wurde Gruppen- und Einzelprophylaxe angeboten. Die Behandlung weitergehender Erkrankungen konnte über die BLZK an Patenzahnärzte vermittelt werden. Ergaben sich komplexere therapeutische Notwendigkeiten, wurden zahnärztliche Kompetenzzentren mit besonderer Spezialisierung kontaktiert, wobei alle Voruntersuchungen, soweit vertretbar und sinnvoll, ebenfalls am Wohnort erfolgen sollten. Der Patient musste für eine zahnärztliche Grundversorgung seinen Wohnort nicht verlassen. Schnell wurde deutlich, dass diese regelmäßig durchgeführten Termine zur zahnmedizinischen Prophylaxe und die Therapiemaßnahmen einen vergleichsweise geringen zeitlichen, organisatorischen und finanziellen Aufwand verursachten und dennoch eine standardisierte, aber individualisierbare zahnmedizinische Versorgung gewährleistet werden konnte. Ab September 2005 wurde das Projekt als Modellprojekt der AOK-Bayern für alle AOK-Versicherten Pflegebedürftigen als „Duales Konzept“ erst in Münchner Einrichtungen, später auch in Würzburg exklusiv etabliert. Eingebunden waren die AOK Bayern, die Teamwerk GmbH & Co. KG, das Städtische Klinikum München, die Bayerische Landeszahnärztekammer (BLZK), die Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Uni München und die Landeshauptstadt München.


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