Kariesprophylaxe beim Kleinkind

Der sächsische Weg

Lokale Fluoridapplikation durch Zahnpasta oder besser Fluoridtabletten für Kleinkinder? Zahnärzte und Pädiater waren in dieser Frage lange uneins, das war vor allem für die Eltern verwirrend. Also hat man einen Konsens erarbeitet. zm-mg

Die uneindeutige Empfehlung der Leitlinie kann zu einer Doppelfluoridierung (mit Tabletten und Zahncreme) und in der Folge zu Dentalfluorosen führen. Kinderzahnheilkunde, Uniklinik Dresden
Abbildung 3: Ab dem Durchbruch des ersten Zahnes soll dann einmal täglich mit einer reiskorngroßen Menge fluoridierter Kinderzahncreme (Anteil Fluorid 500 ppm) geputzt werden. E.Hellwig et al.
Abbildung 4: Ab dem zweiten Geburtstag bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres: Zweimal täglich Zähneputzen mit einer „erbsengroßen“ Menge fluoridierter Kinderzahnpasta (Anteil Fluorid 500 ppm). E.Hellwig et al.

Die Bewertung

Diese unterschiedlichen Empfehlungen wurden von allen Beteiligten als unbefriedigend empfunden und bieten für die Familien keine klare Orientierung. Ergebnis ist, dass in vielen Fällen eine Doppelfluoridierung mit Tabletten und Fluoridzahncreme erfolgt, was die Gefahr der Ausbildung einer Dentalfluorose deutlich erhöht. Teilweise wird auch gar keine Fluoridierung durchgeführt [Buske G et al., 2009].

Unter Moderation der Sächsischen Landesärztekammer und der Landeszahnärztekammer Sachsen wurde ein Steuerungskreis zusammengestellt, um die unbefriedigende Situation zu beenden. In nur zwei Sitzungen wurde ein für alle befriedigender Konsens erarbeitet. Beteiligt waren die Universitäten, Berufsverbände, Fachgesellschaften, der Öffentliche Gesundheitsdienst, die Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege des Freistaates Sachsen e. V. (LAGZ) und der Sächsische Hebammenverband. Nach dem ersten Treffen erfolgte eine sorgfältige Recherche zu ungeklärten, für die Entscheidungsfindung jedoch wichtigen Fragen.

Ein Aspekt war die Unbedenklichkeit der Zahncreme als solche für die Anwendung bei Kleinkindern. Maßgebliche Inhaltsstoffe von marktüblichen Kinderzahnpasten sind Wasser, Sorbitol (Zuckeralkohol), Putzkörper (zum Beispiel hydrated silicea), Bindemittel (zum Beispiel Hydroxyethylzellulose), Titanoxid (weißes Pigment) und Tenside (zum Beispiel Cocamidopropyl Betaine, mildes Netzmittel, Schaumbildner). Zudem sind in sehr geringen Konzentrationen (weniger als 500 ppm) Aromastoffe wie Limonene, Saccharin und HCI enthalten. Sorbitol (Zuckeralkohol) beeinträchtigt den Stoffwechsel kariespathogener Mikroorganismen, größere Mengen wirken laxierend.

Die Konzentration in Zahnpasten ist als unbedenklich einzustufen. Putzkörper wie lösliche Silikate sind inert und ebenfalls in der in Zahnpasten anzutreffenden Konzentration unbedenklich. Gleiches gilt für Ti02 in Suspensionen und Aufschlämmungen sowie Cocamidopropyl-Betain. Aromastoffe und Zuckerersatzstoffe erfordern eine differenzierte Betrachtung, Limonene sind als unbedenklich einzustufen. Nicht näher spezifizierte Aromastoffe können potenziell allergen wirken. Studien zu Allergien auf Zahnpasten bei Kindern sind den Autoren nicht bekannt.

Nach Einschätzung der Fachleute aus klinischer Pharmakologie und Zahnmedizin der TU Dresden sind bei bestimmungsgemäßem und sparsamem Gebrauch Kinderzahnpasten als unbedenklich anzusehen. Produkte mit möglichst wenigen Aromastoffen und ohne Methylparabene sind zu bevorzugen. In Kindergärten und Kitas ist auf den bestimmungsgemäßen Gebrauch der Zahnpasta zu achten. Sehr sinnvoll ist die Portionierung durch eine Erzieherin.

Weiter war zu klären, ob und wie viele Kinder tatsächlich eine orale Prophylaxe mit einem systemischen Fluoridpräparat (mit oder ohne Vitamin D) in den ersten beiden

Lebensjahren erhalten. Exemplarisch konnte dies für die Patienten der AOK PLUS eruiert werden. Fast 55 Prozent der sächsischen GKV-Versicherten sind bei der AOK PLUS versichert, so dass die Zahlen durchaus als repräsentativ angesehen werden können. Berücksichtigt wurde die Anzahl der Versicherten, die mindestens eine Verordnung eines entsprechenden Präparats im Abrechnungszeitraum erhalten hatten. Die Datenauswertung für 2013 zeigte, dass in den ersten beiden Lebensjahren der Anteil der Versicherten mit Verordnung 41 Prozent nicht überstieg.

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