Wie junge Zahnärzte arbeiten wollen

„Der Kapitän bin ich!“

„Ich bin absolut erfolgreich in der Kleinstadt!“, erzählt Dr. Cyril Niederquell MSc, niedergelassener Zahnarzt mit 17 Angestellten in Korbach. Er beobachtet, dass viele seiner Patienten sich gerne an ihn binden, um mit ihm zu altern. In MVZ sei die Vertrauensbildung aufgrund der häufigen Arztwechsel erheblich schwerer.

Dr. Cyril Niederquell MSc ist niedergelassener Zahnarzt in Korbach. Bevor der 33-Jährige die Praxis seines Vaters im nordhessischen Heimatort übernahm, war er „visiting doctor“ an der Harvard University in Boston und arbeitete vier Jahre als angestellter Zahnarzt in der Hamburger Innenstadt. privat

Ist die klassische Einzelpraxis noch ein aussichtsreiches Modell?

Dr. Cyril Niederquell: Ich sehe die Zukunft der Zahnmedizin sehr positiv – der Gesundheitsmarkt boomt. Darauf versuche ich meine Praxis vorzubereiten. Ich bin aus der großen Hansestadt Hamburg, aus einer der größten Praxen in Norddeutschland, in die väterliche Praxis zurückgekehrt. Bereits zwei Jahre nach der Übernahme zeigt sich, dass es die richtige Entscheidung war, zurück in die Kleinstadt zu gehen. Das spüre ich jeden Tag sowohl durch die Anerkennung der Patienten als auch durch den unternehmerischen Gewinn, der übrig bleibt.

Wenn wir gute Arbeit machen, ist uns das Vertrauen der Patienten gewiss – und auch die kleinen Praxen werden genügend Patienten finden. Wer sich in der Kleinstadt oder auf dem Land mit einem guten Konzept niederlässt, hat beste Chancen und Verdienstmöglichkeiten. Ich bin absolut erfolgreich in der Kleinstadt. Daher ermutige ich meine Kommilitonen, Freunde und Bekannten auch, sich in Kleinstädten oder auf dem Land selbstständig zu machen. In Großstädten ist der Wettbewerb ungleich größer: Die Praxis zieht eben nicht so viele Patienten an, wenn in der gleichen Straße direkt weitere Zahnärzte sitzen – dort wird man auch ein Stück weit durch Patienten mit Vergleichsangeboten ausgespielt.

Ein moderner Glaubenssatz lautet: MVZ können eine höhere Rendite bieten.Und immer mehr Zahnmediziner bevorzugen das Angestelltendasein. Geht der Trend zu größeren Konstrukten?

Bei uns im kleinstädtischen Bereich werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren viele Inhaber aus Altersgründen aufhören – für viele Praxen wird sich kein Nachfolger mehr finden. Denn junge Zahnärzte schrecken oft davor zurück, eine Alterspraxis mit hohem Investitionsstau zu übernehmen und sich damit selbstständig zu machen. Das hat auch mit der steigenden Zahl an Zahnmedizinerinnen zu tun. Das enorme Patientenpotenzial kann auch auf dem Land größere Strukturen wie MVZ erforderlich machen. Vielleicht könnte es später auch für mich interessant sein, Praxisableger oder sogar ein MVZ zu gründen – falls es nicht mehr genug Niederlassungswillige in der Nähe gibt.

Etliche Zahnmediziner empfinden MVZ als Bedrohung, weil sie die gewachsenen freiberuflichen Strukturen unterwandern …

Ich sehe MVZ nicht als Bedrohung, sondern als Chance. Aktuell würde ich MVZ als Belebung des Wettbewerbs anerkennen, dem ich mich persönlich gerne stelle. Ich habe mich ganz bewusst für die klassische Einzelpraxis entschieden, die ich vollfinanziert und gekauft habe. Mein Vater ist weiterhin angestellt, außerdem beschäftige ich noch eine Zahnärztin aus der Region, insgesamt habe ich 17 Angestellte. Für unsere Region sind wir bereits eine große Praxis.

Seit der Übernahme haben wir eine hohe Quote an Neupatienten – darunter etliche, die aus anderen Praxen abwandern und sich gerne langfristig an einen neuen jungen Zahnarzt binden möchten, um „mit ihm zu altern“ und sich nicht ständig einen neuen suchen zu müssen. Bei MVZ sehe ich in den häufigen Arztwechseln ein Problem. Patienten wünschen sich in der Regel einen Zahnarzt, der alles aus einer Hand anbietet. Während sich die Kollegen in MVZ teilweise spezialisieren, etwa auf konservierende, chirurgische oder prothetische Behandlungen, versuchen wir in der Einzelpraxis, die Patienten rundum zu betreuen. Wir bieten das ganze Spektrum des Facharztgebiets Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an.

Fühlten Sie sich den Patienten auch als angestellter Zahnarzt in dem Maß verbunden wie als selbstständiger? Und waren Sie auch so frei in Ihren Entscheidungen?

Ich war bereits in meiner Angestelltenzeit der Unternehmertyp, das entspricht wohl meinem Naturell. Von Anfang an habe ich versucht, eine enge Bindung zu den Patienten aufzubauen, was mir sicherlich auch in der Großpraxis zugute kam. Als niedergelassener Zahnarzt in der freien Praxis ist es umso wichtiger, sich wirklich um die Patienten zu kümmern und eine belastbare Beziehung aufzubauen. Gerade schwierige und teurere Therapien, für die es keine Erfolgsgarantie gibt, tolerieren Patienten besser, wenn ein gutes Verhältnis besteht.

Ich war auch als angestellter Zahnarzt unabhängig in Therapie und Diagnose und konnte mich fachlich so entfalten, wie ich es für richtig hielt. Allerdings war das bei meinen Kommilitonen, die in MVZ oder bei Klinikketten arbeiteten, nicht immer der Fall. Sie hatten teilweise nicht die Freiheit, einen Patienten von A bis Z zu behandeln. An der Selbstständigkeit begrüße ich besonders, nur den Patienten verpflichtet zu sein.

Vielen Frauen ist es neben der Familie kaum möglich, eine Praxis voll zu fahren. Bieten Angestelltenverhältnisse in MVZ Chancen?

Auf jeden Fall. Für mich selbst habe ich entschieden, der Kapitän zu sein, aber ich brauche natürlich auch qualifizierte ärztliche Mitarbeiter. Daher plane ich langfristig, zwei Zahnärztinnen und noch eine Assistenzärztin oder einen Assistenzarzt anzustellen. Dann können wir zu viert auf einer Niederlassung arbeiten, auch wenn es formal eine Einzelpraxis ist.

Wenn sich darüber hinaus noch Chancen der Expansion bieten, stelle ich gerne mehr Kolleginnen und Kollegen an. Denn es sind nicht nur die weiblichen, sondern auch männliche Zahnärzte, die vermehrt keine Einzelpraxis führen möchten. Gründe sind beispielsweise die ausufernden Auflagen und damit verbundenen Kosten, gerade im Hygienebereich, und die Unmengen an Bürokratie.

In der klassischen Praxis ist die Anzahl angestellter Zahnärzte laut Bundesmantelvertrag beschränkt, während ein MVZ-Betreiber sie theoretisch unbegrenzt beschäftigen kann. Ist das eine Ungleichbehandlung?

Zunächst haben mein Vater und ich die Praxis als BAG geführt. Seit der Übernahme fungieren wir als Einzelpraxis. Ich sehe es bereits als große Herausforderung an, diese Praxis zu führen. Ich bin voll in der Behandlung tätig und kümmere mich um das Praxismanagement. Ich beschäftige zwei ausgebildete Praxismanagerinnen und habe ein starkes Rezeptionsteam, sonst könnte ich nicht mehr behandeln und das Unternehmen führen.

Wenn wir noch größer wären, gäbe es auch aus meiner Sicht größere Reibungsverluste. Dann könnte ich mit Sicherheit nicht mehr in dem Maß selbst behandeln, müsste noch mehr führen und kontrollieren. Daher sehe ich mich in der jetzigen Struktur der Praxis einem MVZ gegenüber nicht benachteiligt.

$(LC336834:"Welcher Bohrer gekauft wird, entscheide ich!")$

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