Evaluation des Präventionsprogramms in Jena

ECC-Vorsorge von Geburt an

Können die frühe Aufklärung der Eltern, ein Zahnarztbesuch im ersten Lebensjahr und eine engmaschige zahnärztliche Betreuung ECC verhindern? Ja! Ein Projekt in Jena bricht erfolgreich mit ineffektiven und einseitigen Vorbeugekonzepten.

Seit 2009 werden in Jena alle Eltern in den ersten vier Wochen nach der Geburt ihres Kindes von Hebammen, Sozialarbeitern und Krankenschwestern besucht und darüber informiert, wie sie das gesunde Aufwachsen ihres Kindes fördern können. © Y. Wagner; R. Heinrich-Weltzien

Der frühe Zahnarztbesuch sieht neben einer Untersuchung der Babyzähne eine umfassende Beratung der Eltern zur Mundhygiene und zur Ernährung vor. © Y. Wagner; R. Heinrich-Weltzien
Die Studie bestätigt: Durch eine frühe Aufklärung und präventive Interventionen kann frühkindlicher Karies – hier initial kariöse Läsionen im Frontzahngebiet – effektiv vorgebeugt werden. © Y. Wagner; R. Heinrich-Weltzien
Eine regelmäßige mütterliche Beratung beeinflusst nicht nur das Mundgesundheits-, sondern auch das Ernährungsverhalten der Familien. © Y. Wagner; R. Heinrich-Weltzien
Das Programm begrenzt auch die gesundheitliche Benachteilung von Kindern mit niedrigem Sozialstatus. © Y. Wagner; R. Heinrich-Weltzien
Patientenflussdiagramm der gesamten Geburtskohorte für die fünfjährige Laufzeit des Präventionsprogramms © Y. Wagner; R. Heinrich-Weltzien
Die Autoren plädieren bei der ECC-Prävention für a) eine enge Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen und b) für den Zahnarztbesuch im ersten Lebensjahr. © Y. Wagner; R. Heinrich-Weltzien
Die Autoren plädieren bei der ECC-Prävention für a) eine enge Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen und b) für den Zahnarztbesuch im ersten Lebensjahr. © Y. Wagner; R. Heinrich-Weltzien

Die frühkindliche Karies (early childhood caries, ECC) ist ein globales Gesundheitsproblem: Die besonders schwere Form der Karies befällt die Zähne unmittelbar nach ihrem Durchbruch und kann innerhalb kurzer Zeit zur Zerstörung des Gebisses führen [1]. Auch in wirtschaftlich entwickelten Ländern wie den USA, Australien, England und Deutschland leiden 25 bis über 40 Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen daran, betroffen sind vor allem Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Gruppen [3, 4, 5, 6].

Die Amerikanische Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (AAPD) definiert ECC als das Auftreten einer oder mehrerer kariöser (nicht-kavitierter und kavitierter) Läsionen, fehlender oder gefüllter Zahnoberflächen bei Kindern unter sechs Jahren (1). Risikofaktor für die Kariesentstehung ist – neben dem frequenten Konsum zucker- oder säurehaltiger Getränke via Saugerflasche über den Tag verteilt und vor allem nachts – eine unzureichende Mundhygiene [1, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14].

Kariöse Zähne beeinträchtigen neben der Zahngesundheit auch die Allgemeingesundheit, die Entwicklung und die Lebensqualität des Kindes [1, 4, 5, 15-17]. Die betroffenen Kinder leiden häufiger an Zahnschmerzen, Zahnstellungs- und Schmelzbildungsstörungen, Ess- und Sprachproblemen und haben ein erhöhtes Kariesrisiko im bleibenden Gebiss [1, 4, 5, 15-17]. Tief kariös zerstörte Zähne sind häufig Ursache für dentogene Abszesse, Fieber und ein reduziertes Allgemeinbefinden [1, 4-6, 15-17]. Bei Kindern unter vier Jahren sind odontogene Infektionen als Folgen der unbehandelten frühkindlichen Karies der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt [6, 15].

Die Behandlung von Kleinkindern mit ECC ist schwierig, zeit- und kostenintensiv und aufgrund der psychomentalen Entwicklung häufig nur in Allgemeinanästhesie möglich [1, 14-17]. ECC stellt somit ein Verhaltens-, kinder(zahn)ärztliches, soziales und gesundheitspolitisches Problem dar [16-18].

Die Prävention oraler Erkrankungen basiert bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland auf der gesetzlich fixierten Gruppen- und Individualprophylaxe (SGB V, § 21 und § 22 Abs. 2). Kleinkinder werden allerdings mit dieser zahnärztlichen Betreuungsstruktur nur unzureichend oder gar nicht erreicht, da der Zahnarzt häufig erst bei Beschwerden oder nach dem dritten Geburtstag des Kindes aufgesucht wird [2, 4, 6, 16].

Derzeit ist trotz umfangreicher Forschung die Evidenz zur optimalen Präventionsstrategie der frühkindlichen Karies limitiert [2, 19-23]. Viele Programme sind für Risikogruppen ineffektiv, andere haben nur eine geringe oder temporäre Wirkung [2, 19-23]. Die tägliche Zahnpflege mit einer fluoridhaltigen Zahnpaste ist eine effektive Methode zur Kariesvorbeugung [1, 2, 14, 21, 22, 24-26]. Eltern sollten deshalb frühzeitig über Maßnahmen zur Vorbeugung der Karies informiert und beraten werden, um so ihr Selbstmanagement und Gesundheitsverhalten zu beeinflussen [2, 20-22].

Karies wird wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den nicht-übertragbaren Krankheiten („non-communicable diseases“) gezählt, die gemeinsame, vorrangig verhaltensorientierte Risikofaktoren teilen [27, 28]. Für ein effektives Kariesmanagement sind eine ganzheitliche Gesundheitsbetrachtung und die Implementierung von Mundgesundheits- in allgemeingesundheitliche Strategien unerlässlich [27-29]. Zusätzlich wird eine Verschiebung des bislang vorrangig restaurativ orientierten zahnärztlichen Versorgungsmodells zu einer mehr präventiven Gesundheitsversorgung empfohlen [18, 27]. International fordert man intersektoral und/oder interdisziplinär übergreifende ganzheitliche Präventionsansätze, die sich auf schwangere Frauen und Mütter von Säuglingen konzentrieren und alle Fachkräfte des Gesundheitswesens miteinbeziehen [2, 27, 29, 30].

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