Singende Mediziner

Abgründe des Klinikalltags

Psychose, Krebs, Tod – aber auch Ökonomisierung und Arbeitsbelastung: Die Band „Tante Doktor“, bestehend aus einer singenden Zahnärztin und einem Anästhesisten, bietet ihren Zuhörern einen Einblick in den medizinischen Mikrokosmos. Für sie selbst ist der kreative Schaffungsprozess des „Medical Songwritings“ auch eine Verarbeitung des Erlebten.

Sarah Becker und Hans Voigtmann bei einem Live-Auftritt bei Wolkenkuckucksheim TV in Lübeck. © Christoffer Greiss

Im Song „Der kleine Wolf“ geht es um einen kleinen Jungen, der am Herzen operiert werden muss. Den Jungen gibt es wirklich. Seine traurige Geschichte haben Hans Voigtmann und Sarah Becker in Musik gepackt. Seit über vier Jahren bilden die Zahnärztin und der Anästhesist das Mediziner-Duett „Tante Doktor“. In ihren Liedern erzählen sie viele kleine Geschichten aus dem Klinikalltag – mal humorvoll und oft mit viel Melancholie.

Voigtmann arbeitet in der Abteilung für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Notfallmedizin am Universitätsklinikum Gießen. Dort sieht er Hoffnung, Schmerz und Tod oft nah beieinander liegen. Dies spiegelt sich auch in den Texten wider. Ihren kreativen Schaffungsprozess bezeichnen die beiden Musiker als „Medical Songwriting“. Allerdings gehe es dabei nicht immer um die Verarbeitung des Erlebten: „Es ist nicht unser primäres Ziel, die täglichen Erlebnisse aus dem Klinikalltag zu verarbeiten. Wir sehen den Prozess des Songwritings nicht als psychotherapeutische Komponente“, erläutert Voigtmann. Das eigentliche Ziel des Projektes „Tante Doktor“ sei es, gemeinsam Musik zu machen. Mit ihren Liedern wollen Becker und Voigtmann Menschen erreichen, die Lust haben, ihre Musik zu hören. Die Songs schreibt die Band daher nicht ausschließlich für Mediziner. „Wir sind der festen Überzeugung, dass die Themen, die wir bearbeiten, Krankheit, Leid, Tod, Ökonomisierung der Medizin, Arbeitsbelastung – eben diese am Krankenbett kollidierenden Welten eines medizinischen Mikrokosmos – alle in unserer Gesellschaft etwas angehen“, erklärt Becker.

Die Texte entstehen meist im Urlaub. Nach der Arbeit reiche oftmals die Zeit nicht, um in den Prozess des Medical Songwritings einzutauchen. Unter der Woche probt die Band zwei- bis dreimal die Songs, die schon existieren. Um neue Songs zu schreiben, braucht das Duo dann die gebündelte Zeit im Urlaub. Inspirieren lassen sie sich von ihrer Umgebung, erklärt die Zahnärztin: „Wir sind sehr offen, was verschiedene Arten von Kunst und Musik betrifft. Gerne schauen wir uns auch andere Künstler an und lassen es auf uns wirken, aber am meisten trägt doch die Umwelt und das täglich Erlebte dazu bei, Ideen zu sammeln.“

Auf ihren Konzerten erleben Becker und Voigtmann „immer einen sehr stillen Moment, wo man eine fallende Stecknadel hören könnte“ – zum Beispiel beim Song „Heile Welt“, der von einem Patienten handelt, der einsam auf seinen Tod wartet. Diesen Momente der Stille spüren die beiden Musiker immer dann, wenn das Publikum noch einmal darüber nachdenkt, was die beiden mit ihrer Musik erzählt haben. „Wir beobachten, dass wir beim Publikum einen Schockmoment auslösen“, berichtet Becker. Das sei auch gewollt. „Tante Doktor“ möchte einem breiten Publikum den Klinikalltag nahe bringen - auch die Abgründe.

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