US-Nachrichtenagentur beklagt mangelnde Evidenz

Diskussion um Zahnseide wieder entbrannt

„Zahnseide wirkungslos“ – so klingt der Tenor vieler aktueller Meldungen. Grundlage ist ein Studienbericht der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), der ein altes Problem neu benennt. Und wichtige Fakten ausklammert.

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Aus Sicht von Dr. Jürgen Fedderwitz ...
... und Prof. Dr. Dietmar Oesterreich bestätigt sich die Wirksamkeit von Zahnseide in der Praxis jeden Tag neu. Richtig sei jedoch, dass es weiterer Studien für eine abschließende wissenschaftliche Einordnung der zahnärztlichen Praxiserfahrungen bedürfe. © BZÄK-Axentis.de

Einen Tag ist die Meldung „Medical benefits of dental floss unproven“ der AP alt, als deutschsprachige Medien die Information übernehmen – und damit eine alte Diskussion zur Wirksamkeit von Zahnseide neu entflammen. Die darin formulierte Kernerkenntnis: Die positiven Effekte der regelmäßigen Verwendung von Zahnseide seien wissenschaftlich weder bewiesen noch haltbar – was einer der universellsten zahnärztlichen Empfehlungen quasi über Nacht jegliche Legitimation entziehe, heißt es.

Ausgangspunkt der Untersuchung war eine Anfrage der amerikanischen Nachrichtenagentur an das US-Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste. So habe AP bereits 2015 wissenschaftliches Beweismaterial angefordert, das die Wirksamkeit von Zahnseide belegt. „Die wissenschaftlichen Unterlagen trafen jedoch nie bei der AP ein“, heißt es von Seiten der Nachrichtenagentur. Stattdessen erreichte das Unternehmen ein Schreiben, in dem bestätigt wurde, dass derartige wissenschaftliche Belege nicht existierten. Und: Nach mehr als 30 Jahren verschwand die Empfehlung für Zahnseide aus der neu aufgelegten Ernährungsleitlinie des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums.

Darum analysierte AP anschließend 25 Studien zur Wirksamkeit von Zahnseide. Ergebnis: Die wissenschaftlichen Belege sind „schwach und unzuverlässig“, weisen „geringe Qualität“ und ein „moderates bis großes Potenzial für eine systematische Messabweichung“ auf.

Während die American Dental Association reagierte und ihre Empfehlung für den Einsatz von Zahnseide erneuerte (siehe Kasten), war schon eine Diskussion losgetreten, die jetzt die Publikumsmedien füllt.

„Die starke Verkürzung in der Publikumspresse zu Überschriften wie ,Zahnseide ist total wirkungslos’ halte ich für sehr riskant. Auch die Medien stehen in der Verantwortung gegenüber den Patienten und haben eine Aufklärungsfunktion“, sagt Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. „Zum Einen bezieht sich die Kritik der AP doch vor allem auf die Qualität der Studienlagen selbst. Diese sei unbefriedigend. Das Fazit der AP: Die Wirksamkeit der Zahnseide sei nicht bewiesen – aber auch nicht widerlegt.“ Deswegen sollten auch die Interdentalräume einmal täglich gründlich von bakteriellem Biofilm und Speiseresten befreit werden.


Info

Nach der Veröffentlichung der Meldung von Associated Press reagierte die American Dental Association (ADA) und erneuerte ihre Empfehlung zum Gebrauch von Zahnseide. Das Fazit für Zahnärzte und Patienten lautet: Ein Mangel an starker wissenschaftlicher Evidenz sei nicht gleichbedeutend mit einem Mangel an Effektivität. Auch das US-Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste hatte in einem neuen Statement noch einmal die Wichtigkeit des Zahnseidegebrauchs betont. Um eine gute Mundgesundheit zu erhalten, schließt die ADA, sollten Patienten neben dem zweimaligen Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Paste einmal pro Tag ihre Zahnzwischenräume reinigen. Und: Enorm wichtig sei die Vermittlung der richtigen Technik durch Zahnärzte, denn erst diese stelle eine effektive Reinigung sicher.


Dr. Jürgen Fedderwitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung ergänzt: „Die Zahnseide ist nicht nur dafür da, die verlorenen Speisereste zwischen den Zähnen hervorzuholen. Wer sich nach dem Gebrauch die Zahnseide einmal genauer anschaut oder daran riecht, wird erkennen, wozu sie gut ist und damit wohl doch der Zahngesundheit dient.“


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