Frühkindliche Kariesprävention

Gruppenprophylaxe bei unter 3-Jährigen

Gruppenprophylaxe ist in deutschen Kitas seit Jahrzehnten fest etabliert. Die Betreuung von Kleinkindern jedoch stellt sowohl die Einrichtungen als auch das Personal der Gruppenprophylaxe vor neue pädagogische Herausforderungen.Wie Eltern und Kita Hand in Hand arbeiten können, um frühkindliche Karies bei unter 3-Jährigen zu vermeiden, beschreiben die erweiterten Empfehlungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ).

Wegen ihrer starken Ich-Bezogenheit gelingt Kindern unter drei Jahren die Einordnung in eine Gruppe noch nicht. Das Gruppenprophylaxe-Team sollte daher laut DAJ-Empfehlung gemeinsam mit Erziehern nur einzelnen Kindern oder kleinen Gruppen Bildungsimpulse für die Mundgesundheit geben. © picture alliance

Die Aufmerksamkeitsspanne des Kleinkindes liegt bei wenigen Minuten. Zahnputztechnikübungen sind für sie überfordernd und ungeeignet. Stattdessen lernen sie über Modelle, positive Emotionen, eigenes „Be-Greifen“ und Ausprobieren. © picture alliance

„Die Mundgesundheit in der frühen Kindheit gilt als prägend für das weitere Kariesrisiko“, erläutert Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Die DAJ hat unter dem Titel „Frühkindliche Karies: zentrale Inhalte der Gruppenprophylaxe für unter 3-jährige Kinder“ Empfehlungen zur Prävention frühkindlicher Karies veröffentlicht und damit die bisherigen Empfehlungen aus 2012 um kindheitswissenschaftliche Aspekte erweitert und aktualisiert. Die wissenschaftliche Grundlage lieferte eine Expertise von Prof. Dr. Christina Jasmund. Die zentrale Schlussfolgerung lautet, dass die Gruppenprophylaxe für Kinder unter drei Jahre eine Neuorientierung aller Akteure der Gruppenprophylaxe erfordere. Der pädagogische Ansatz unterscheide sich von der Arbeit mit älteren Kindern grundsätzlich, denn im Zentrum der Aktivitäten stehe nicht primär die Arbeit mit dem Kind, sondern mit dem Kita-Team, den Betreuern in der Tagespflege sowie den Eltern. „Die Förderung der elterlichen Verantwortung für die Gesunderhaltung der Kinderzähne und ein mundgesund gestalteter Kita-Alltag sollten sich idealerweise ergänzen“, heißt es in den Empfehlungen. Daher stehen Gruppenprophylaxe-Teams, Eltern und Kita im Fokus.

Für das Gruppenprophylaxe-Team hat die DAJ folgende Kernaufgaben erarbeitet:

• Vermitteln der Bedeutung der Mund- gesundheit für die gesunde kindliche Entwicklung, Vermitteln von Kompetenzen.

• Prägen von Einstellungen und Haltungen der Eltern und Bezugspersonen, des pädagogischen Fachpersonals, der Multiplikatoren, wie zum Beispiel Hebammen, sowie der Entscheidungspersonen in Trägerorganisationen als Grundlage ihres Engagements für die Förderung der Mundgesundheit. Entscheidend ist es, eine klare Vorstellung zu vermitteln, was Erwachsene tun sollten, damit Kinder mundgesund bleiben.

• Hinwirken auf eine, der Mundgesundheit förderliche Gestaltung von Strukturen einschließlich der Einrichtungskonzeption und von Abläufen in Tageseinrichtungen, der Tagespflege und im häuslichen Umfeld der Kinder.

• Beachten der Kriterien des Kooperationsverbunds Gesundheitliche Chancengleichheit zur Gesundheitsförderung für sozial benachteiligte Menschen. Des Weiteren gehe es darum, dem Kita-Team die Förderung der Mundgesundheit als Bestandteil der alltagsintegrierten Gesundheitsförderung zu vermitteln und diesen Ansatz als konzeptionelles Bildungsziel zu verankern.

Für die Eltern als wichtigste Bezugspersonen gelten diese Kernbotschaften:

• Ab zirka zwei Jahren wird das Kind an eine selbstständige Zahnpflege herangeführt. Die Eltern sind jedoch noch lange dafür verantwortlich, die Kinderzähne sauber zu bürsten: Die Botschaft „Eltern putzen Kinderzähne sauber“ gilt etwa bis zum Ende der 2. Klasse, das heißt bis ungefähr zum achten Lebensjahr.

• Gemeinsames Tun motiviert: Wenn kleine Kinder sehen, wie die Eltern und Geschwister Zähne putzen, wollen sie dies mitmachen.

• Nicht die Putztechnik steht bei Kleinkindern zunächst im Vordergrund, sondern das Ritual. Nicht reden durch Verbessern, sondern lernen durch Nachmachen.

• In den ersten sechs Lebensmonaten ist Muttermilch für die Ernährung und das Trinken am besten. Wenn möglich sollte das Baby gestillt werden.

Für die Kita gibt die DAJ folgende Empfehlungen:

• Alle Kinder putzen täglich nach den Hauptmahlzeiten gemeinsam mit ihrem Erzieher die Zähne.

• Kinder unter zwei Jahren putzen im Regelfall mit einer feuchten Zahnbürste ohne Zahnpasta ihre Zähne.

• Jeweils ein Zahnarzt ist für die Gruppenprophylaxe verantwortlich. Er entscheidet nach Einschätzung des Kariesrisikos der Kinder, ob ein spezifisches Programm nötig ist und empfiehlt der Kita hiervon abweichend die Verwendung von fluoridhaltiger Kinderzahnpaste für diese Kinder.

• Die Kita hilft mit, den Schnuller oder das Daumenlutschen im zweiten Lebensjahr abzugewöhnen.

Zudem hat die DAJ Hinweise zur Gestaltung der Zusammenarbeit mit Eltern und pädagogischen Fachkräften erarbeitet. So sollte beispielsweise der Umgang mit Eltern und Kita-Teams wertschätzend, partnerschaftlich und gleichberechtigt gestaltet werden, weil sie die wichtigsten Bezugspersonen für Kleinkinder darstellen. Demnach sollten auch die Eltern für gesundheitsförderliches Verhalten gelobt werden. Loben macht Kinder und Eltern stolz und verstärkt ihre Mitarbeit. Des Weiteren weist die DAJ daraufhin, dass Gruppenprophylaxe-Teams nach Möglichkeit die Eingewöhnungsphase in Kitas und in der Tagespflege, bei der die Eltern anwesend sind, ebenso wie die Elternabende der Kita zur Demonstration und Information nutzen sollten.

Lernimpulse für das Kind

Das Gruppenprophylaxe-Team kann gemeinsam mit Bezugserziehern einzelnen Kindern oder kleinen Gruppen Bildungs- impulse für die Mundgesundheit geben. Wegen ihrer starken Ich-Bezogenheit gelingt Kindern unter drei Jahren die eigene Einordnung in eine Gruppe noch nicht. Kleinkinder benötigen in hohem Maß Nähe und Zuwendung, die sie bei ihren Bezugspersonen aktiv suchen, um emotionale Sicherheit und Geborgenheit zu erhalten. Daraus ergeben sich folgende sozialpädagogischen Prinzipien:

• Kleinkinder müssen ihre Bezugsperson sehen, spüren und hören. Die Bezugsperson ist die „sichere Basis“, fremde Personen sind es nicht.

• Jedes Kind muss persönlich angesprochen, bestärkt und gelobt werden, da es sich noch nicht als Teil einer Gruppe begreifen kann.

• Die Aufmerksamkeitsspanne des Kleinkindes liegt bei wenigen Minuten; eigenes Tun unterstützt die Konzentration, neue Reize lenken ab.

• Zahnputztechnikübungen sind für Kleinkinder überfordernd und ungeeignet.

• Kleinkinder lernen nicht über Erklärungen, sondern über Modelle, positive Emotionen, eigenes „Be-Greifen“ und Ausprobieren. Kleinkinder entdecken ihre Welt. Für Kleinkinder muss eigenes Material zur Verfügung stehen. So wird das Thema Zähne als spannend erlebt und von Anfang an als positiv und erstrebenswert verankert.

Die hier aufgeführten Aspekte stellen einen Auszug aus den aktualisierten Empfehlungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. dar. Die vollständige Fassung finden Sie unter www.daj.de.

ECC hat in den vergangenen Jahren in Deutschland stark zugenommen. Dabei konzentriert sich das Erkrankungsrisiko auf Bevölkerungsschichten mit niedrigem sozialem Status: Zwei Prozent dieser Kinder vereinen 52 Prozent der Karies auf sich.

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