UPD-Monitor Patientenberatung 2016

„Gebührenziffern und Steigerungsfaktoren gehören nicht zum Standardwortschatz von Patienten!“

"Wenn Ärzte pauschal die Einsichtnahme in die Krankenunterlagen verweigern, widerspricht das der Gesetzeslage. Ich bin der Meinung, dass hier die Ärzteschaft selbstberufsrechtlich härter durchgreifen muss.“ Patientenbeauftragter Karl-Josef Laumann © S.Schultz
"Angesichts der Problematik wäre anzunehmen, dass HKP und Zahnarztrechnungen leicht verständlich sein sollten und Gespräche rechtzeitig und nicht während einer Behandlung stattfinden. Die Rückmeldungen lassen eine derartige Beschreibung des Praxisgeschehens als realitätsfern erscheinen.“ UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede © S.Schultz

Unbefriedigende Gespräche mit dem Arzt

Mit 4.688 Anfragen im vergangenen Jahr sind vermutete oder tatsächliche Behandlungsfehler das zweithäufigste Beratungsthema der UPD. „Patienten berichten vielfach von einer aus ihrer Sicht unbefriedigenden Kommunikation mit dem Arzt“, führte Krumwiede aus. Weder würden Ärzte Behandlungsfehler von sich aus ansprechen noch den Patienten auf Augenhöhe begegnen. „Die Durchsetzung von Rechtsansprüchen erleben Patienten häufig aus einer Position der Ohnmacht.“ Die Beweislast, ob tatsächlich ein Behandlungsfehler mit Schadensfolgen vorliegt, tragen die Betroffenen. Laumann: „Ein solcher Nachweis ist in der Medizin jedoch kaum zu führen. Deshalb muss es zukünftig reichen, wenn der Zusammenhang zwischen Behandlungsfehler und Schaden überwiegend wahrscheinlich ist.“ Zudem forderte Laumann mehr Hilfe vonseiten der Krankenkassen: „Bereits heute sollen sie laut § 66 SGB V die Patienten bei dem Verdacht auf einen Behandlungsfehler unterstützen. Ich halte es für richtig, diese Soll-Regelung in eine Muss-Regelung zu ändern.“

Sowohl Krumwiede als auch Laumann wünschten sich eine offenere Fehlerkultur aufseiten der Ärzte – und einen stärkeren Fokus auf eine patientengerechte Kommunikation bei ärztlichen Aus- und Weiterbildungscurricula.

Mangelnde Kommunikations- und Kooperationsbereitschaft macht der UPD-Monitor ebenfalls aus, wenn es um Einsicht in die Krankenakte geht. 1.591 Beratungen zählte die UPD 2016 zu diesem Thema. Patienten berichteten, dass ihnen Akteneinsicht verweigert oder erschwert worden sei. Dieser Zustand sei „beschämend für die Ärzte“, sagte Laumann. „Wenn Ärzte pauschal die Einsichtnahme in die Krankenunterlagen verweigern, widerspricht das der Gesetzeslage. Ich bin der Meinung, dass hier die Ärzteschaft selbst berufsrechtlich härter durchgreifen muss.“ Laumann äußerte die Hoffnung, dass Patienten im Zuge der Digitalisierung zukünftig leichter auf ihre Krankendaten werden zugreifen können.

Viele Medikamente, wenig Klarheit

Weitere Informationsdefizite macht der Report in den Bereichen Arzneimitteltherapiesicherheit und Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) aus. „Viele Medikamente, wenig Klarheit“, so lautet die Einschätzung der UPD, was die Unsicherheit von Patienten betrifft, die etwa mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen und sich zu deren Wechsel- und Nebenwirkungen nicht ausreichend informiert fühlen. Ein bundeseinheitlicher Medikationsplan könne helfen, Medikationsfehler zu vermeiden – umgesetzt ist die Maßnahme noch nicht. Was IGeL-Leistungen betrifft, riet Laumann generell zu Skepsis: „Wenn es wirklich eine anerkannte Leistung wäre, müsste sie im Katalog der gesetzlichen Krankenkassen sein.“ Insgesamt wünschte sich der Patientenbeauftragte, dass der UPD-Bericht in Zukunft einen noch größeren positiven Einfluss auf das Gesundheitswesen haben möge. Für seine eigene Arbeit sei der Patientenmonitor mit seiner breiten Datenbasis eine der wichtigsten Geschäftsgrundlagen.


Dass die eigene Zahnärztliche Patientenberatung der KZVen und Zahnärztekammern für die Patienten eine der wichtigsten Anlaufstellen bei allen Fragen in Sachen Zahngesundheit ist, zeigt indes der 1. Jahresbericht zur Evaluation dieses etablierten Beratungsangebots: In fast 90 Prozent der Fälle konnte das Anliegen in der Zahnärztlichen Patientenberatung gelöst oder für die abschließende Bearbeitung vermittelt werden. Insgesamt wurden 2016 fast 24.000 Beratungen geleistet.
Der Jahresbericht der Zahnärztlichen Patientenberatung zeigt:
• dass die Zahnärztliche Patientenberatung sich als Interessenvertreter der Patienten versteht,
• dass angesichts des immensen Behandlungsaufkommens – 93 Millionen Fälle allein im Bereich allgemeine, konservierende und chirurgische Behandlungen, insgesamt 114 Millionen Behandlungen in allen zahnärztlichen Leistungsbereichen im Jahr 2016 – der Anteil der bei der Zahnärztlichen Beratung registrierten Beschwerden mit 1.471 Fällen relativ gering ist,
• dass jede Anfrage ernst genommen wird und sich die Zahnärztliche Beratung in rund 90 Prozent der Vorgänge um das Anliegen kümmert und meistens auch einer Lösung zuführt,
• dass die Zahnärztliche Beratung durch die Evaluation künftig noch patientenorientierter arbeiten kann.

Die Ergebnisse der Zahnärztlichen Patientenberatung werden seit 2016 einheitlich erfasst und ausgewertet, um das Serviceangebot kontinuierlich zu verbessern. Mit ihren Beratungsstellen geben KZVen und Kammern bereits seit vielen Jahren persönlich, postalisch, telefonisch und per E-Mail Auskunft zu Behandlungsmethoden, Therapiealternativen sowie zu Risiken bei bestimmten Eingriffen und beantworten Fragen zur Kostenübernahme und zu Privatrechnungen.
Mehr unter: http://www.patientenberatung-der-zahnaerzte.de/patienten-im-mittelpunkt


Krumwiede schloss seine Ausführungen mit dem Wunsch nach mehr objektiven Informationsangeboten, was die fachliche Qualifikation und die Versorgungsqualität von Medizinern und Krankenhäusern betrifft – ähnlich der bereits gebräuchlichen Checkliste „Woran erkennt man eine gute Arztpraxis?“, die das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) herausgegeben hat.

Insgesamt spricht aus dem Monitor Patientenberatung 2016 wie letztlich auch aus den vorangegangenen UPD-Jahresberichten der wiederholte Appell an Ärzte und Kassen: mehr Information, mehr Transparenz, mehr Verständlichkeit.

Sonja Schultz, freie Autorin

* Karl-Josef Laumann war von Dezember 2013 bis Juni 2017 Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium und Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patienten und Pflege. Seit dem 30. Juni ist er wieder Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW.


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