Der besondere Fall mit CME

Parodontal akzelerierte osteogene Orthodontie

Der vorliegende Fall einer jungen Patientin beschreibt das klinische Verfahren der parodontal akzelerierten osteogenen Orthodontie (PAOO) zur Lückenöffnung vor Implantation sowie Dysgnathiechirurgie.

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© D. Schneider

Abbildung 1: Klinische und radiologische Situation der Patientin bei Erstvorstellung (intraoral (oben) und DVT)
Abbildung 1: Klinische und radiologische Situation der Patientin bei Erstvorstellung (intraoral (oben) und DVT) © D. Schneider
Abbildung 2: Postoperatives Behandlungsergebnis (intraoral (oben) und DVT) © D. Schneider
Abbildung 2: Postoperatives Behandlungsergebnis (intraoral (oben) und DVT) © D. Schneider
Abbildung 3: Präparation eines Mukoperiostlappens © D. Schneider
Abbildung 4: Horizontale Dekortikation, ... © D. Schneider
... vertikale Dekortikation ... © D. Schneider
... und Stippling © D. Schneider
Abbildung 5: Augmentation zur Verbreiterung der Alveolarknochenbreite © D. Schneider
Abbildung 6: Postoperative Röntgenkontrolle (DVT; axial (l.) und sagittal) © D. Schneider
Abbildung 6: Postoperative Röntgenkontrolle (DVT; axial (l.) und sagittal) © D. Schneider

Eine 20-jährige Patientin stellte sich zur Implantat- und Distraktionsberatung in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie vor. Diagnostisch lagen eine mandibuläre Retrognathie, retinierte und verlagerte Zähne 18, 28, 38 und 48, ein Zapfenzahn 12, ein fehlender Zahn in regio 022, eine Mittellinienverschiebung und ein Engstand der Oberkieferfront vor (Abbildung 1). Im Rahmen der klinischen Untersuchung und basierend auf dem Auswertungsergebnis der DVT wurde bei der Patientin im Hinblick auf mögliche therapeutische Maßnahmen eine differenzial-therapeutische Beratung durchgeführt.

Diagnose und Therapie

Klinisch und radiologisch lag eine konvergierende Wurzelstellung der Zähne 21 und 23 vor. Eine unkomplizierte implantatprothetische Versorgung der Lücke 022, das heißt ohne Verletzung der benachbarten angulierten Zähne, erschien nicht möglich. Die Schwierigkeit bestand darin, die Lücke 022 zu öffnen, was sich bislang aufgrund einer festsitzenden Apparatur als frustran erwiesen hatte. Der Patientin wurde aufgrund der vorliegenden Diagnose eine parodontal akzelerierte osteogene Orthodontie (PAOO) im Bereich des linken Oberkiefers empfohlen.

Darüber hinaus wünschte sich die Patientin, auch die Lücke mit dem Zapfenzahn 12 zu öffnen, damit weitere, ästhetische Korrekturen durchgeführt werden konnten. Auf den Zapfenzahn 12 sollte eine größere Krone gesetzt werden, gegebenenfalls sollten eine Extraktion und eine Implantation erfolgen. Wir stellten der Patientin frei, auch dort das PAOO-Verfahren einzusetzen. Die Durchführung beider Korrekturen erschien in Vollnarkose mit gleichzeitiger Entfernung der Weisheitszähne indiziert.

Die mit der Patientin abgestimmte Therapie wurde in engem interdisziplinärem Kontakt mit dem Hauszahnarzt und mit einem kieferorthopädischen Kollegen geplant und begonnen. Die Bewegung der Zähne wird präoperativ vorbereitet durch das Kleben der Brackets, postoperativ zur Aktivierung wurde dann der Drahtbogen eingesetzt.

Operationsmethode

Fallbezogen stellte sich die PAOO wie folgt dar:
• vestibuläre paramarginale Schnittführung von regio 14 nach regio 24 des Oberkiefers sowie palatinal etwa 2 mm unterhalb des Gingivalsaums
• subperiostale Präparation eines Mukoperiostlappens
• vertikale und horizontale Kortikotomie aller Zahnfächer mit dem Mectron-PiezonSurgery®-Gerät

Des Weiteren erfolgten kortikale Punktbohrungen und die Entnahme eines knöchernen Kortikalis-Dreiecks im Bereich des linken Oberkiefers. Unter Schonung des Nervus inzisivus wurde eine entsprechende Kortikotomie ebenso palatinal angewandt. Dann erfolgte die Auffüllung des vestibulären und des palatinalen subperiostalen Raumes der Kortikotomiespalten durch mit Eigenblut getränktes, synthetisches Knochenersatzmaterial NanoBone®. Für den abschließenden speicheldichten Wundverschluss wurde monophiles Nahtmaterial 5–0 verwendet.

Nach Abschluss der operativen Versorgung begann am siebten postoperativen Tag die eigentliche orthodontische Phase. Etwa fünf Monate später wurden nach Lückenöffnung die Implantate regio 12 und 22 inseriert und die Distraktionsosteogenese des Oberkiefers durchgeführt. Eine direkte prothetische Versorgung des Zapfenzahns 12 war nicht möglich – auch hier erfolgte die Implantatinsertion. Im weiteren Behandlungsverlauf wurden die Distraktoren nach circa sechs Monaten entfernt sowie beide Implantate in üblicher Art und Weise freigelegt und prothetisch versorgt.

Heute, nach circa eineinhalb Jahren (Abbildung 2), zeigt sich die Patientin mit den funktionellen und ästhetischen Verbesserungen durch die operativen Eingriffe äußerst zufrieden. Sie befindet sich weiterhin in engmaschiger zahnärztlicher/kieferorthopädischer Kontrolle sowie in regelmäßigen Zeitabständen in kieferchirurgischer Nachsorge.

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