Ausbildungsstart

Azubis betreten Praxisneuland

Die neuen Azubis erleben ihre ersten Tage in der Zahnarztpraxis. Michael Behring, LL.M., Geschäftsführer und Landesaus-bildungsberater der Zahnärztekammer Niedersachsen, und Zahnarzt Dr. Christian Bittner aus Salzgitter schildern, wie ein erfolgreicher Start gelingt.

Ausbildung ist Teamwork: Mithilfe der Kollegen kommt der Azubi leichter und schneller (vor-)an. © R. Kneschke - Fotolia.com

Dr. Christian Bittner ist in Salzgitter niedergelassen. Er ist als Referent in der Fortbildung tätig und Mitglied des Prüfungsausschuss für ZMP in Niedersachsen. © privat
Michael Behring ist Geschäftsführer und Landesausbildungsberater der Zahnärztekammer Niedersachsen. © privat

Was raten Sie Zahnärzten jetzt?
Dr. Christian Bittner:
Aller Anfang ist schwer! Daher sollte der Praxisinhaber die Zeit vor dem ersten Ausbildungstag nutzen, um die ohnehin notwendigen Vorbereitungen frühzeitig zu treffen. Ausbildung ist Teamwork: Die Delegation von Ausbildungsanteilen erleichtert es dem Ausbildenden, den Blick aufs große Ganze zu behalten.

Darüber hinaus sollten die Ausbildungsziele der ersten drei bis vier Wochen besprochen und von den Verantwortlichen erläutert sein. Bedenken sollte man, dass die Arbeitswelt für den Auszubildenden in der Regel Neuland ist, daher sollte man anfänglich das Tempo geringer halten und nach den „ersten erfolgreichen Schritten“ steigern.

Welche Regeln gelten für den Azubi in Bezug auf das äußere Erscheinungsbild?
Michael Behring:
Auszubildende sollten bedenken, dass es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt. Aus diesem Grund sollte Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt werden. Im Hinblick auf das Make-up gilt im Allgemeinen die goldene Regel: „Weniger ist mehr“!

Welche Ziele sollte man mit dem Azubi im ersten Halbjahr festlegen?
Bittner:
Im ersten Halbjahr geht es darum, das der Auszubildende im Team ankommt, sich an den ungewohnten Arbeitsalltag mit all seinen Facetten gewöhnt und Zutrauen zu den eigenen Möglichkeiten bekommt. Dies gelingt vorrangig durch das Verbessern routinierter Arbeitsabläufe. Grundregeln – wie höfliches Empfangen, Begleiten und Verabschieden des eigentlichen „Geldgebers“ (des Patienten) – sollten zwar selbstverständlich sein, (nicht nur) anfänglich sollte man hier aber durch entsprechende Vorgaben seiner Führungsrolle gerecht werden.

Nicht zuletzt möchte ich an das zeitnahe Führen des Berichtshefts und die zugehörigen Tätigkeitsberichte erinnern – letztlich ist dessen korrekte Bearbeitung Beweis der Ausbildungsleistung und Voraussetzung für die Prüfungszulassung.

Welche Mitarbeiter kann man von Beginn an in die Ausbildung einbinden, zum Beispiel als Person des Vertrauens?
Bittner:
Die Ausbildung ist vom ersten Tag an mit einer Menge zusätzlicher Aufgaben verbunden. Daher möchte ich aus Ihrem „Kann“ ein „Muss“ machen. Ein die Ausbildung begleitender, überwachender und letztlich auch Delegationsaufgaben übernehmender Mitarbeiter ist hierfür zur Schonung der eigenen Ressourcen unerlässlich.

Bei der Auswahl sollte man nach dem Ausbildungsstand des Mitarbeiters ebenso schauen, wie nach seiner charakterlichen Eignung und seinen methodischen Fähigkeiten. Der Mitarbeiter sollte Lust auf das Weitergeben des eigenen Erfahrungsschatzes haben, bei auftretenden Schwierigkeiten eine vermittelnde Art und mögliche Alternativmethoden des Lehrens „im Köcher“ haben.

Instrumente zur Führung sind Lob und konstruktive Kritik: Wie viel ist gut für den neuen Azubi?
Bittner:
Eigentlich kann man hier pauschal sagen: So viel wie von beidem nötig und beides nicht übertreiben. Das ergibt sich dann aus der ganz individuellen Situation und sollte jeweils zeitnah erfolgen. Man muss sich in diesem Zusammenhang allerdings auch mit den Unterschieden in Erziehung und Auftreten der verschiedenen Generationen auseinandersetzen.

Die meisten Praxisinhaber entstammen der Generation der Babyboomer (geboren 1955 bis 1964) beziehungsweise der Generation X (geboren 1965 bis 1979). Diese akzeptieren aus ihrer Erziehung Hierarchien und damit eine Leitfigur im Sinne eines Chefs wesentlich eher als die zwischen 1994 und 2010 geborene Generation Z, die den überwiegenden Teil unserer Auszubildenden stellt. Diese wurde familiär wie auch schulisch überwiegend „auf Augenhöhe“ erzogen und muss das Akzeptieren von Vorgesetzten sowie deren Anweisungen teilweise zum ersten Mal hier in der Arbeitswelt erfahren und erlernen.

Und welche Informationen sollten von der Berufsschule eingeholt werden?
Behring:
Die Berufsschulen sind unsere Partner im dualen Ausbildungssystem. Falls noch nicht bekannt, sollten die Anmeldemodalitäten geklärt und der erste Schultag in Erfahrung gebracht werden. Außerdem kann man im Rahmen dieses Gesprächs auch der oder die Berufsschultag/e erfragen, was bei der Einsatzplanung sehr hilfreich ist. Auch nach erfolgtem Ausbildungsbeginn sollte Kontakt mit der Schule gehalten werden. Der oder die Klassenlehrer/in ist ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um die Entwicklung des Azubis geht. Im Rahmen von Ausbildersprechtagen können der Lernfortschritt oder eventuelle Probleme besprochen werden.

Ausbilden stärkt auch das Image der Praxis. Wie kann man das sichtbar machen?
Behring:
Praxen, die in Ausbildung des Nachwuchses investieren, sichern ihren eigenen Fachkräftebedarf und machen sich so unabhängig vom Arbeitsmarkt. Ausbildungsbetriebe genießen in der öffentlichen Wahrnehmung ferner ein hohes Ansehen und erfahren so einen Imagegewinn.

Gemäß dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“ sollten Praxen ihre Ausbildungsaktivitäten auch nach Außen kommunizieren. In vielen Praxen ist es üblich, dass es einen Aushang mit den Mitarbeitern gibt. Neben einem Foto mit Namen wird häufig auch der Aufgabenbereich benannt. Auch hier kann die Auszubildende ganz selbstverständlich mit aufgeführt werden. Gleiches gilt für die Darstellung auf der Homepage.

Aber auch im Praxisalltag kann dezent durchgestochen werden, dass man ausbildet. Assistiert der Azubi während der Behandlung und erklärt der Ausbilder hierbei die verschiedenen Arbeitsschritte, kann dies vorab dem Patienten mitgeteilt werden. Wird dann noch die gute Assistenz in Gegenwart des Patienten gelobt, ist der gute Eindruck fast schon garantiert.

Wie lautet Ihr Schlussstatement?
Behring:
Ausbildung macht Arbeit, aber auch eine Menge Freude. Es ist eine Investition in die Zukunft. Wer heute nicht ausbildet, darf sich morgen nicht wundern, wenn es keine (bezahlbaren) Fachkräfte mehr gibt.

Das vollständige Interview finden Sie hier ....

Was wäre Sherlock Holmes ohne Dr. Watson, was Oberinspektor Derrick ohne seinen Harry, was der Zahnarzt ohne seine ZFA? Ohne Partner, ohne Team geht gar nichts.

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